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Eine Schlossscheune als Reithalle

Der Ottendorfer Reiterhof will die Scheune als Reithalle nutzen – und damit auch an die Historie des Gebäudes anknüpfen.

Von Rainer Könen
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Pferdehof in Hermsdorf am Mittwoch den 23.10.2019 
im Bild Katrin Mierl mit dem 25 jährigen  Ponny Charly
Pferdehof in Hermsdorf am Mittwoch den 23.10.2019 im Bild Katrin Mierl mit dem 25 jährigen Ponny Charly © Steffen Unger

Für Unruhe sorgte auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in Ottendorf-Okrilla der Vorschlag des im Ortsteil Hermsdorf gelegenen Reit- und Fahrvereins. Der Grund: Gemeinsam mit dem Reiterhof an der Papiermühle möchte er die unweit gelegene Schlossscheune als Reithalle nutzen.

Dieser Vorschlag habe jedoch – wie die Initiatorin, Reiterhof-Inhaberin Katrin Mierl, betont – nichts mit dem Ideenwettbewerb der Gemeinde zu tun, der im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden war. Da konnten die Ottendorfer Vorschläge einreichen, wie das Hermsdorfer Schloss künftig noch intensiver genutzt werden kann. Auch für den Hermsdorfer Ortsvorsteher Thomas Liepke kam dieser Antrag „ein wenig überraschend“. Nichtsdestotrotz, so Liepke,„halte ich diesen Vorschlag aber für eine überaus sinnvolle Idee“. Auf jeden Fall dürfte – die Zustimmung der Gemeinde vorausgesetzt – damit das Motto des Ideenwettbewerbes „Wir wollen mehr Leben im Schloss“ so treffend umgesetzt werden.

Dabei hat man in der Gemeinde ganz andere Pläne mit dem Gebäude. Ein vom Bauamt erarbeiteter Beschlussvorschlag sieht die Unterbringung von Wohnmobilen in der Schlossscheune vor. Anke Stockhaus, die Vorsitzende des Reit-und Fahrvereines, findet, dass mit einer Reithalle die Kinder- und Jugendarbeit des Vereins mehr als bisher gefördert werden könne. „In der Halle können wir mit den Kindern besser basisorientierten Reitunterricht durchführen“, so Anke Stockhaus. Was einleuchtet. Denn in den kalten Wintermonaten sei der Unterricht draußen auf dem Reitplatz für Kinder nicht immer angenehm, meint die Vereinsvorsitzende. Nun ist jedoch für die Reitsportfreunde Warten angesagt. Auch in Ottendorf müssen solche Entscheidungen wohlüberlegt und durchdacht sein. Demnächst wird sich der Hauptausschuss des Gemeinderates mit diesem Thema beschäftigen, dann geht es zurück in den Gemeinderat. Fest steht nur eines: In diesem Winter „wird es sicher keine Lösung geben“, so Ortsvorsteher Thomas Liepke.

Reiterhofchefin Katrin Mierl ist derweil gespannt, wie man sich zu ihrem Antrag in der Gemeinde positionieren will. Die Schlossscheune als Reithalle zu nutzen, auf diese Idee war sie bereits vor einigen Jahren gekommen. „Ich wollte das Gebäude damals kaufen“, so Katrin Mierl. Aber das sei von der Gemeinde abgelehnt worden, weil man die einheitliche Nutzung des Schlossensembles gefährdet sah.

Man wolle die Schlossscheune ja auch nur in den Wintermonaten nutzen, erzählt Katrin Mierl. Die zehn mal 30 Meter große Halle könne man ohnedies nur mit wenigen Pferden nutzen, so Anke Stockhaus weiter. Aber für die Kinder sei so eine Reithalle auf jeden Fall „ideal“, so könne man die Kids intensiver mit dem Reitsport vertraut machen. Das sei auch für diejenigen interessant, die sich einmal in diesem Metier versuchen möchten.

Und überhaupt, der Vorschlag, die Schlossscheune als Reithalle zu nutzen, passe doch auch bestens in die Historie dieses Gebäudes, wie Katrin Mierl findet. Denn, so die Pferdehof-Inhaberin, in früheren Zeiten habe ja auch der letzte Schlossherr, Prinz Hermann von Schönburg-Waldenburg (1865–1943), die heutige Schlossscheune als Reithalle genutzt. Etwas, woran sich noch heute manch älterer Hermsdorfer gut erinnern kann.