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Pirna

Eine Schule ohne Klassen und Noten

Das Gebäude für die Freie Schule existiert schon. Ebenso ein Zeitplan. Ein wichtiges Papier fehlt aber noch.

Nochmal Kind sein: Johannes Dietrich, Derk Kagerer und Ines Ulrichsohn (v.l.) vom Lebens-Weise-Lernen-Verein wären das in ihrer geplanten Freien Schule in Langenhennersdorf gern.
Nochmal Kind sein: Johannes Dietrich, Derk Kagerer und Ines Ulrichsohn (v.l.) vom Lebens-Weise-Lernen-Verein wären das in ihrer geplanten Freien Schule in Langenhennersdorf gern. © Daniel Schäfer

Ferienheim, Bildungsstätte, Kinderhaus – und nun Freie Schule: Das Haus im Langenhennersdorfer Grund hat in den vergangenen rund 20 Jahren eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Jetzt hat der Lebens-Weise-Lernen-Verein einen Raum gemietet und will weitere folgen lassen. Sein Ziel: eine Oberschule. Drei Mitglieder erklären ihre Beweggründe und was es mit der geplanten Schule auf sich hat.

Warum braucht die Region eine neue Freie Schule?

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Ines Ulrichsohn, Derk Kagerer und Johannes Dietrich verbindet eins: die Kritik an der staatlichen Schule. Zu viel Druck und zu viel Enge, zu wenig Individualität und Kreativität. Für den Schandauer Derk Kagerer war die Schule der Horror und für die Dresdnerin Ines Ulrichsohn eine grausame Erfahrung. Der Gohrischer Johannes Dietrich war zwar nach eigener Aussage ein Musterschüler, der alles „wunderbar schaffte“, aber später die Diskrepanz zwischen Wissenschaft und Schule spürte. Nach der Kritik verbindet die drei nun die Idee des anderen, interessanteren Lernens, das den Biorhythmus jedes Kindes beachtet. Sie sagen: Kinder müssen nichts lernen, können aber alles lernen, wenn sie wollen und dürfen.

Was unterscheidet die Schule von anderen?

Es gibt viele Unterschiede, vor allem im Umgang mit den Kindern sowie der Zeitnutzung. Drei wesentliche Unterschiede:

Erster Unterschied: Es gibt keine Klassen, sondern Gruppen. Die Angebote zum Lernen erstrecken sich über den ganzen Tag.

Zweiter Unterschied: Es gibt keine Benotung, dafür Bewertungen. Sie sind individuell, stellen Fähigkeiten und Möglichkeiten in den Mittelpunkt und bereiten auf den Abschluss vor.

Dritter Unterschied: Schüler können Abschlussprüfungen machen, müssen aber nicht. Diese Prüfungen werden extern in einer anderen Schule abgelegt. Während der Schulzeit gibt es individuelle Tests.

Wann soll die Schule starten?

Das Ziel ist ambitioniert: Mit Beginn des Schuljahres 2020/21 sollen die ersten Oberschüler starten. Es können Fünft- und Sechstklässler sein. Siebtklässler wären Späteinsteiger. Ihr Einstieg wird eher kritisch gesehen. Die Initiatoren gehen von 20 bis 25 Schülern im ersten Jahrgang aus.

Was ist bis dahin zu erledigen?

Der Verein schreibt derzeit am Konzept. Es umfasst bereits 40 Seiten. Grundlage ist der für alle geltende sächsische Lehrplan. Im November muss der Antrag bei der Landesanstalt für Schule und Bildung eingereicht werden. Eine wichtige Voraussetzung hat der Lebens-Weise-Lernen-Verein schon: das Gebäude. Eine Garantie, dass die Schule genehmigt wird, gibt es jedoch nicht. Genehmigungen werden zum Teil auch erst kurz vor Schuljahresbeginn erteilt. Das bedeutet für Eltern und Verein ein Risiko. Die Initiatoren sehen jedoch die Chancen für die Genehmigung einer Oberschule realistischer als für eine Grundschule. Die aber soll folgen, frühestens jedoch 2022.

Wieviel werden die Eltern bezahlen müssen?

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In Langenhennersdorf soll eine Freie Schule entstehen. Die Initiatoren haben ein Gebäude und Interessenten. Trotzdem fehlt noch etwas Wichtiges.

Das monatliche Schulgeld beträgt etwa 130 Euro. Über Patenschaften soll einer begrenzten Anzahl von Schülern, deren Eltern das nicht bezahlen können, der Schulbesuch ermöglicht werden. Für den Schulweg sind Eltern, deren Kinder freie Schulen besuchen, finanziell und organisatorisch selbst verantwortlich. Perspektivisch ist eine Nutzung des Bettengebäudes als Wohnheim denkbar.

Vereinsfest unter anderem mit Vorstellung des Konzeptes, 31. August, 14 bis 18 Uhr

Freie Schulen:

Acht neue Freie Schulen wurden in diesem Jahr in Sachsen genehmigt. Ein Antrag wurde abgelehnt. Der Trägerverein der Freien Schule Rietschen wollte ein Berufliches Gymnasium einrichten. Acht Antragsteller haben ihre Anträge zurückgezogen.

411 Freie Schulen gibt es in Sachsen. Davon sind 89 Grundschulen, 78 Oberschulen, 42 Gymnasien bzw. Kollegs, 21 Förderschulen, sieben Walddorf- und 174 berufsbildende Schulen.

Im Landkreis gibt es unter anderem die evangelischen Schulen in Pirna und Langburkersdorf.

Quelle: Landesamt

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