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Eine schwarze Null dank Notlagentarif

Mit einem Plus von 852 Euro schlossen die Elblandkliniken Meißen Radebeul GmbH das Jahr 2002 ab. Die wirtschaftliche Konsolidierung ist oberstes Ziel des Geschäftsführers Andreas E. Gebhardt. Die SZ sprach mit ihm über seine Pläne 2004.

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Sie müssen für die Elblandkliniken rund 20 Millionen Euro Rücklagen pro Jahr bilden. Wofür?

Das sind ganz normale Rücklagen, zum Teil für die Instandhaltung unserer Gebäude, zum Teil für die Altersteilzeitregelungen, Abfindungen usw.

Sie hatten zu Beginn dieses Jahres ein Defizit von 1,5 Millionen Euro. Werden Sie das Jahr 2003 mit Miesen oder mit einer schwarzen Null abschließen?

Wenn wir uns mit der Gewerkschaft Verdi einigen können, bekommen wir die schwarze Null. Wir haben nach langen Verhandlungen mit Verdi einen Notlagentarifvertrag erarbeitet, der den BAT öffnet und uns erlauben würde, das Weihnachtsgeld berechnet nach unserem Betriebsergebnis auszuzahlen. Dann hätten wir alle unsere Verbindlichkeiten gezahlt und könnten wie vertraglich vereinbart die 380 000 Euro auszahlen, die wir an den Landkreis abgeben müssen.

Haben Sie die Löhne Ihrer Mitarbeiter eingefroren?

Nein, im kommenden Jahr reichen wir 0,5 Prozent Lohnerhöhung aus.

Macht Verdi bei diesem Notlagentarif mit?

Ich gehe davon aus.

Wie wollen Sie die Elblandkliniken künftig wirtschaftlich konsolidieren?

Wenn wir den Dreijahres-Vertrag mit Verdi abschließen können, sind die direkten Probleme erst einmal vom Tisch und die Dauerstreitigkeiten weg. Wir machen keine dicken Gewinne, aber ich erwarte eine solide schwarze Null. Wir brauchen dieses ausgeglichene Betriebsergebnis, denn bis die Reformen im Gesundheitswesen greifen – wenn sie das denn überhaupt tun – liegt noch eine schwierige Wegstrecke vor uns.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie sich für 2004?

Das wird das Qualitätsmanagement sein, da müssen wir ran. Wir werden die Kooperationen mit den niedergelassenen Ärzten verstärken und die traditionelle chinesische Medizin ausbauen. Wir haben zwei chinesische Ärzte, die derzeit an der TU Dresden ihre Sprachkurse machen. Wenn sie so weit sind, werden sie ihr Wissen an unsere Ärzte weitergeben. Außerdem wollen wir uns als akademisches Lehrkrankenhaus stärker profilieren.

Was bringt das?

Wir holen uns an der TU Nachwuchs, und hoffen, dass sie bei uns bleiben, und wir unsere fünf freien Stellen quasi aus dem eigenen Haus besetzen können.

Die Neuregelung für Ärzte sieht vor, dass es künftig keine Ärzte im Praktikum mehr geben wird. Das heißt, dass auch Berufsanfänger zu einem höheren Gehalt eingestellt werden müssen. Bringt Sie das wirtschaftlich in die Bredouille?

Nein. Die jungen Ärzte heißen künftig Ärzte in Weiterbildung, das höhere Gehalt, das sie bekommen, soll aus einem Umlagetopf finanziert werden. Das hat die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt vorgeschlagen. Demnach würde ihr höheres Gehalt bei den Pflegesatzverhandlungen mit berücksichtigt. Ich habe aber meine Zweifel, ob das auch tatsächlich so kommt.

Wie groß ist der Druck auf die Elblandkliniken?

Der Druck ist da, spürbar. Aber durch die Fusion haben wir erst einmal eine bessere Marktposition, das war ein richtiger Schritt. Man kann mit einem 700-Betten-Haus ganz anders verhandeln, als wenn man nur 230 Betten hat. Natürlich bekommen auch wir nichts geschenkt, aber wir sind schon eine Größe, uns kann man so leicht nicht wegschubsen. Die Konkurrenz ist aber auch der Grund dafür, dass ich jetzt so auf das Qualitätsmanagement dränge. Wir müssen mehr Service bieten, ein besserer Dienstleister werden. Die Leute können sich aussuchen, wo sie hingehen, um sich behandeln zu lassen. Und die Krankenkassen werden in Zukunft ihr Geld nur noch an diejenigen Häuser geben, die klare Qualitätsstandards erfüllen. Es war deshalb auch richtig, einen Verwaltungschef ins Haus zu holen, der vorher im Hotelbetrieb war, der hat Ahnung von Service, und kann das auch rüberbringen.

Wie lange wird es dauern, das Qualitätsmanagement umzusetzen?

Wir haben rund 1000 Mitarbeiter, da dauert das sicher zwei Jahre, bis alles klappt.

Gespräch: Petra-Alexandra Buhl