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Eine Stadt, drei ungewöhnliche Todesfälle

Es ist nicht das erste Mal, dass Großenhain zum Tatort wird. Mehrere Menschen wurden hier bereits durch eine Tragödie aus dem Leben gerissen.

Mit Hunden wurde 2009 das explodierte Wohnhaus in Walda durchsucht. Nach fünf Tagen wurde die Leiche des Kunstmalers Gunther Augsten gefunden. Sein Mörder befindet sich in der Psychiatrie.
Mit Hunden wurde 2009 das explodierte Wohnhaus in Walda durchsucht. Nach fünf Tagen wurde die Leiche des Kunstmalers Gunther Augsten gefunden. Sein Mörder befindet sich in der Psychiatrie. © Archivfoto: Klaus Dieter Brühl

Großenhain. Es mutet an wie im Film. Als in der Nacht zum 19. Februar 2009 im Großenhainer Ortsteil Walda ein ohrenbetäubender Knall die Stille der Winternacht zerreißt, kann keiner der Nachbarn erahnen, dass genau in diesem Moment ein Mensch ermordet worden ist. Wieso auch? Der Mann, welcher da in den Trümmern seines eigenen Wohnhauses verbrannt ist, war keiner, der bisher negativ in Erscheinung getreten war. 

Im Erdgeschoss des mehr als hundert Jahre alten Hauses hatte Gunther Augsten gelebt und als Kunstmaler gearbeitet. Dort bewahrte der 49-Jährige seine Zeichnungen auf, war als Liedermacher und Ideengeber für die Gestaltung des Waldaer Brunnen bekannt.

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Da Gunther Augsten die meiste Zeit des Jahres auf der Ferieninsel Ibiza verbrachte, wo er sich als Straßenmaler betätigte, war zunächst gar nicht klar gewesen, ob er sich überhaupt zurzeit des Brandes im Haus befunden hatte. Nach fünf Tagen stand schließlich fest: Ja, er war im Gebäude. In den Trümmern wurde seine Leiche gefunden - aufgrund der Verletzungen ging die Kripo von einem Mord aus. 

Und sollte recht mit ihrer Vermutung behalten. Obgleich die Spur zum Täter lang und mühsam gewesen ist, gelang es der Mordkommission, den Täter zu ermitteln. Ein geistig verwirrter 27-Jähriger, der in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Nach über drei Jahren kann die Staatsanwaltschaft Dresden die Akten schließen. Zu einem Prozess kam es nie.

Nach einem Familienstreit ereignete sich in diesem Haus auf der Franz-Schubert-Allee ein tödliches Drama. Der Hauseigentümer wurde von der Polizei erschossen.
Nach einem Familienstreit ereignete sich in diesem Haus auf der Franz-Schubert-Allee ein tödliches Drama. Der Hauseigentümer wurde von der Polizei erschossen. © Archivfoto: Klaus Dieter Brühl

Bis in das Nachrichtenmagazin "Focus" schafft es Großenhain auf unfreiwillige Weise bereits schon ein paar Jahre früher. Das Blatt berichtet über den Mord am Bauunternehmer Andreas Stegemann. Am 12. Februar 2001 war der 43-Jährige am Rahmenplatz 4 tot aufgefunden worden. 

Auf der Freitreppe seiner frisch sanierten Wohnung liegend, erwiesen sich die Kopfverletzungen bei der Obduktion eindeutig als Schusswunde. Wer die Waffe gegen den Geschäftsmann gerichtet hat und aus welchem Grund, sollte lange Zeit im Dunkeln bleiben. War er vielleicht in irgendwelche Machenschaften verwickelt? Schuldete er jemandem Geld?

2004 können die Ermittler einen ersten Erfolg verbuchen. Die Spur führt in die arabische Autohändlerszene, aber erst 2008 muss sich Bassam A. vor dem Schwurgericht in Frankfurt/Oder für den nachgewiesenen Auftragsmord an Andreas Stegemann verantworten.

 Für 60.000 Mark habe er den gebürtigen Wolgaster, der seinerzeit Kulturwissenschaften studiert hat und nach der Wende im Berliner Spielautomatengeschäft tätig gewesen ist, umgebracht. Vermutet wurde, dass Stegemann gewissermaßen in der Großenhainer Anonymität untertauchen wollte - aber dennoch gefunden worden ist. 

Geradezu tragisch mutet das Geschehen am 6. Mai 2005 auf der Franz-Schubert-Allee an. Drei Streifenpolizisten werden am Abend zu dem Haus gerufen, in welchem der 45-jährige Andreas F. seinen Vater zuvor mit zwei langen Küchenmessern angegriffen hat. Der 71-Jährige flüchtet und ruft aus Angst vor seinem stark alkoholisierten Sohn, der seit einem halben Jahr keinen Job mehr in seinem Beruf gefunden hat, die Polizei. 

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Das Unheil nimmt seinen Lauf. Bereits beim Betreten des Gebäudes stürzt der Großenhainer auf die Beamten zu und richtet ein 40 Zentimeter langes Messer auf sie. Einer der Polizisten handelt instinktiv - und wie eine Rekonstruktion des Vorfalls im Nachhinein feststellen sollte - völlig richtig. Er zieht seine Dienstwaffe und schießt zweimal. Bereits der erste Schuss soll den gelernten Maler tödlich getroffen haben. Ein Drama für alle Beteiligten. Eines, das wie im Film anmutet. 

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