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Eine Stufe auf der Himmelsleiter

Himmelfahrt. Wo sich Gott und Menschenbegegnen, verändertsich die Wirklichkeit.

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Von Dietmar Pohl

Aufgefahren in den Himmel... – so beten es die Christen sonntags im Glaubensbekenntnis. Es ist keine zentrale Aussage und klingt beinahe wie ein Stück tabellarischer Lebenslauf Jesu. Zu anderen kirchlichen Festtagen sprechen wir mehr eigene Erfahrungen und Gefühle der Menschen an. Weihnachten: die Menschwerdung, Ostern: ein Aufbruch und neues Leben, Pfingsten: spürbare Begeisterung. Aber Himmelfahrt? Breites Unverständnis, der Feiertag eingespart zu DDR-Zeiten, trotzig als Vatertag begangen, längst zur Zechtour mutiert.

40 Tage lebt Jesus nach Ostern mit seinen Freunden und Aposteln. Sie werden sich in dieser Zeit sicher: Das bilden wir uns nicht nur ein, Jesus lebt! Doch dann kündigt Jesus seinen Freunden an, dass auch sie bald Gottes Kraft, den Heiligen Geist spüren und daraus leben werden. Und dann (Apg. 1,9): „wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg“. Wie kann man das verstehen oder deuten? Die Bibel spricht in Bildern. „Eine Wolke nahm ihn mit“ – das bedeutet: Da war der „Himmel auf Erden“. Dort, wo sich Gott und Menschen begegnen, verändert sich unsere Wirklichkeit qualitativ, ob zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder an irgendeinem grauen Alltag. Dann werden wir verwandelt, wie Verliebte im siebten Himmel schweben. Wie arm sind vergleichsweise diejenigen, die auf dem Boden der Tatsachen bleiben (wollen) und Gott keinen Raum über, neben und in sich gewähren! Jakob aus dem Ersten (Alten) Testament sah im Traum eine Himmelsleiter als Verbindung zwischen Himmel und Erde. Wo sich Himmel und Erde berühren, d.h. nicht erst am Horizont, gedeiht Gottes Segen.

Über Gräben und Grenzen

Jesus ist aufgefahren, durch welche Energiequelle? Es ist wohl die selbe Macht, die ihn ins Leben rief, die ihn handeln und auferstehen ließ: Gottes Liebe, Gottes schöpferische Kraft. Jesus hat sich diese Kraft „erworben“, weil er seine eigene Lebensenergie einsetzte für die Menschen, denen er diente, weil er sie liebte. Dort, wo sein Vorbild Menschen zum Guten veränderte und noch heute verändert, wird Jesus für sie zu einer Stufe auf der Himmelsleiter. Doch die führt kein Siegertreppchen hinauf, sondern über Gräben und Grenzen hinweg. Manchmal sind es gerade die inneren Hürden und Verhärtungen, die unser Miteinander in der Gesellschaft einschränken und vergiften. Die Kraft des Glaubens kann uns helfen, Frieden in unserer kleinen und großen Welt zu stiften. Wer sich diesem Auftrag stellt, darf sich Jesu Hilfe sicher sein und wird von ihm in der Bergpredigt selig gepriesen. Warten wir nicht untätig ab, bis Jesus einmal wiederkommt, sondern werden wir selbst zur Stufe für andere, indem wir einander Lasten tragen oder füreinander beten. Solches Christsein nimmt heute schon vorweg, was einmal durch Gottes Kraft sein wird: das Himmelreich auf Erden.

Mit diesem „Ausblick“ grüße ich besonders die Väter, warum nicht?, aber auch alle anderen Mitmenschen und lade ein, mal ganz in Familie den Tag zu verleben. Wir werden übrigens nicht zum Heiratsmarkt ziehen, sondern nach Proschwitz zum Familiengottesdienst. Wir seh’n uns?

Dietmar Pohl ist Pfarrer in Zadel.