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Eine Trinkwasserleitung für acht Menschen

Sauberes Wasser ist die Zukunft für Wilhelminenthal. Das Dorf an der B 115 erhält einen zentralen Wasseranschluss. Warum sich das auszahlen könnte:

Arite König und Hündin Fanny freuen sich, dass sauberes Trinkwasser nächstes Jahr nach Wilhelminenthal fließen wird.
Arite König und Hündin Fanny freuen sich, dass sauberes Trinkwasser nächstes Jahr nach Wilhelminenthal fließen wird. ©  André Schulze

Ihr Kampf hat sich gelohnt! Arite König ist die glücklichste Frau, die jemals in Wilhelminenthal gewohnt hat. Zumindest seit Mittwoch. Denn da kamen die Gemeinde Waldhufen und der Trinkwasserzweckverband Neiße-Schöps überein, dass der Ortsteil zwischen Ullersdorf und der B 115 an das zentrale Trinkwassernetz des Verbandes angeschlossen wird.

„Etwas Besseres kann man sich nicht wünschen!“, kommentiert Frau König diese Entscheidung. Die 54-Jährige ist die maßgebliche Aktivistin, die durch ihre Hartnäckigkeit erreicht hat, dass nicht nur die Staatsregierung auf dieses „gallische Dorf“ aufmerksam wurde, sondern die Erschließung ein finanziell machbares Vorhaben geworden ist.

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Denn das war es, was dem Geschäftsführer des Zweckverbandes in der Vergangenheit Bauchschmerzen machte: Wie können wir eine Leitung legen, die auch für die Bürger bezahlbar ist? Diese Frage konnte Maik Gerber am Mittwoch beantworten. „Mit der Förderung durch den Freistaat ist das Vorhaben für uns wirtschaftlich darstellbar“, sagte der Geschäftsführer und zeigte mit dem Beamer die Lösung für die Wilhelminenthaler. Vom vorhandenen Ullersdorfer Netz wird die Trinkwasserleitung entlang der Zufahrtsstraße ins Wilhelminenthal gelegt. Bauliche Herausforderung ist das Überwinden des kleinen Berges, auf dem auch das Gehöft von Frau König steht. Von dort geht es ins eigentliche Wilhelminenthal. Technisch bedeutet das, mit Druckanlagen zu arbeiten, damit die Waschmaschine in jedem Haushalt rund läuft. „Uns bringt es nichts, wenn sie sich absprechen müssen, wer wann duschen geht oder den Geschirrspüler anstellt“, sagte Gerber zu den Wilhelminenthalern.

Das Problem des Wasserdruckes verdeutlichte er an mehreren Beispielen. Ein Weiteres ist die Verweildauer des Wassers in der Leitung. Kann es nicht fließen, sammeln sich gesundheitsgefährdende Bakterien darin. Darauf wies die Vertreterin des Gesundheitsamtes hin. Schließlich würden derzeit nur acht Einwohner von dem fließenden Wasser profitieren. Die Befürchtungen des Verbandes, eine sechsstellige Summe für acht Menschen jenseits der Fünfzig auszugeben, zerstreuten die Einwohner gleich wieder. „Es besteht mehrfaches Interesse, nach Wilhelminenthal zu ziehen und zu bauen“, bestätigt Arite König in der Versammlung im Kulturhaus Jänkendorf. Mit am Tisch saß auch ein junges Paar, das das elterliche Haus übernehmen und ausbauen will. „Wir bekommen keine Baugenehmigung, weil kein Trinkwasser anliegt“, sagte der Mann.

Letztendlich stand die Gemeinde Waldhufen vor der Frage: Setzen wir auf die biologische Lösung oder die mit sauberen Trinkwasser? Denn der Altersdurchschnitt im Wilhelminenthal liegt jetzt bei über 70 Jahren. Dass es so wie jetzt nicht weitergehen kann, bekräftigte Frau König. „Wir leben alle aus den eigenen Brunnen, und das Wasser ist ungenießbar. Ich gebe es auch meinen Tieren nicht mehr.“ 20 Jahre wohnte die Quolsdorferin mit Mann, drei Töchtern, Pferden, Ziegen und einer Hündin auf dem Gehöft. Ihr Trinkwasser kauften sie in den Märkten. Aus privaten Gründen hat sie den Hof aufgegeben und sucht einen Käufer. „Interessenten waren schon bei mir, aber sie würden nur kaufen, wenn Trinkwasser anliegt“, sagt die Hofbesitzerin. Auch wenn sie nicht mehr in den Genuss von sauberem Trinkwasser aus der Wand kommt, ihre Nachfolger sollen ihn haben. Für das Abwasser übrigens steht bei ihr eine vollbiologische Kläranlage bereit.

Nachdem am Mittwoch klar war, wie das Wasser nach Wilhelminenthal kommt, stand die Frage im Raum, was das Ganze denn kosten wird? Der Zweckverband kalkuliert die Gesamtkosten auf fast 300 000 Euro für eine Leitung, die nur rund 2,8 Kilometer lang ist. Dazu kommt noch die technische Ausstattung. Damit das Wasser mit ausreichendem Druck verwendbar ist, soll jedes der zehn Grundstücke mit einer Druckanlage ausgestattet werden. Die Kosten dafür hat der Eigentümer zu tragen. Im Zweckverband wurde beschlossen, jeden Grundstückseigentümer nur mit 3 000 Euro für den Bau der Leitung zu belasten.

„Damit kommt der Zweckverband den Bürgern großzügig entgegen“, sagte Jörg Pabst, Referent im Umweltministerium. Er verwies auf das Sonderprogramm seines Ministeriums, das den Anschluss von Grundstücken in den „Brunnendörfern“ an die öffentliche Trinkwasserversorgung weiter verbessern soll. Über dieses Programm bekommt der Zweckverband einen Zuschuss von 65 Prozent der Baukosten.

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Für die Besitzer kommen zu den 3 000 Euro für die Leitung noch jeweils zwischen 1 000 und 2 000 Euro für den Hausanschluss und die Druckerhöhungsanlage dazu. „Ein moderater Preis“, findet Frau König. Allein für ihre eigene Wasseraufbereitungsanlage hätte sie mindestens 13 000 Euro zahlen müssen.

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