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Eine unglaubliche Geschichte

Mit 2,32 Promille verursacht ein Radeburger mit dem Fahrrad einen Unfall. Er will erst nach der Tat getrunken haben.

Von Jürgen Müller

Undank ist der Welten Lohn. Da reduziert der Meißner Richter die Geldstrafe, die im Strafbefehl stand, von 1 400 auf 600 Euro, und dennoch schimpft der Angeklagte Radeburger nach der Verhandlung auf „diesen Scheiß-Rechtsstaat“, der die Großen laufen lasse und die Kleinen hänge. Aber wahrscheinlich ist er nur sauer, dass ihm das Gericht seine Lügen nicht abgekauft hat, seine Geschichte nicht glaubte.

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Dabei gibt er selbst zu: „Ich habe Mist gebaut.“ Mist gebaut hat er, weil er betrunken mit dem Fahrrad fuhr. Dabei rasierte er einem Auto den Spiegel ab. Immerhin: Der 47-Jährige rief selbst die Polizei. Die kommt jedoch nicht gleich, trifft erst knapp zwei Stunden nach dem Ereignis ein. Eine Blutalkoholkontrolle ergibt bei dem Radeburger einen Wert von 2,32 Promille.

Das lange Warten auf die Polizei will sich der Radeburger nun zunutze machen. Er sei ja zum Unfallzeitpunkt gar nicht so betrunken gewesen, habe nur zwei, drei Bier intus gehabt. Erst danach habe er eine halbe Flasche Wodka und weitere zwei bis drei Bier getrunken, gibt er, der auch bei der Gerichtsverhandlung verdächtig nach Alkohol riecht, an.

Das freilich macht alles keinen Sinn. Da verursacht jemand einen Unfall, weiß, dass er Alkohol getrunken hat, ruft selbst die Polizei und trinkt munter weiter?

Dass das offensichtlich nicht so war, geht auch aus dem Polizeiprotokoll hervor. Die Polizisten hatten den Angeklagten bei der Vernehmung intensiv nach einem eventuellen Nachtrunk befragt. Da hat der Radeburger angegeben, seit dem Unfall nichts mehr getrunken zu haben.

Aber auch rein rechnerisch kann das nicht stimmen, was der Angeklagte angibt. Der Richter rechnet kurz nach und kommt dann auf einen Wert von 2,63 Promille, die der Mann allein durch den angegebenen Nachtrunk gehabt haben müsste. „Das, was Sie berichten, hätte zu dem klassischen Sturztrunk führen müssen. Sie hätten sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Das war aber überhaupt nicht der Fall“, so der Richter.

Er rät dem Angeklagten, seinen Einspruch auf die „Rechtsfolgen“, also auf die ausgesprochene Strafe zu beschränken. Die wurde nämlich in der Tat mit einem Tagessatz von 40 Euro zu hoch angesetzt. Der Angeklagte bezieht aber lediglich Krankengeld in Höhe von 21 Euro pro Tag. Das Gericht setzt den Tagessatz nun mit 15 Euro an, kommt so insgesamt auf eine Geldstrafe von 600 Euro. Der Angeklagte stimmt sofort zu, räumt damit seine Schuld ein und gibt zu, dass er das, was er angegeben hat, nicht stimmt. Weil kein Urteil gesprochen werden muss, sondern der Strafbefehl lediglich abgeändert wird, kommt er auch um die Urteilsgebühr von 60 Euro herum. Einen Grund, auf den Rechtsstaat zu schimpfen, hat der Mann wirklich nicht.