SZ +
Merken

Eine unsichtbare Gefahr

Wenn das Wetter am schönsten ist, steigen die Feinstaub-Werte – dieses Jahr besonders.

Teilen
Folgen
© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

Der Regen hat die Luft wieder sauber gewaschen. 24,7 zeigt das Display vom Feinstaubmessgerät. „Ganz normal“, sagt Stefan Sorkalle. Der Messtechniker von der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft ist an diesem Morgen nach Bautzen gekommen. Hier, mitten in der Stadt, steht eine der 30 Stationen, an denen die Luftverschmutzung über Sachsen gemessen wird. Es ist ein unscheinbarer weißer Container, vollgestopft mit sensibler Messtechnik.

Stefan Sorkalle ist der Messstation an der Bautzener Stieberstraße aufs Dach gestiegen. Das Gerät, das der Messtechniker der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft hier gerade kontrolliert, misst die Feinstaubbelastung. Foto: SZ/Uw
Stefan Sorkalle ist der Messstation an der Bautzener Stieberstraße aufs Dach gestiegen. Das Gerät, das der Messtechniker der Staatlichen Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft hier gerade kontrolliert, misst die Feinstaubbelastung. Foto: SZ/Uw

24,7 also. Das bedeutet, über Bautzen schweben in diesem Moment 24,7 Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft. Aus den Momenten berechnen die Computer Stundenwerte, aus den Stundenwerten das Tagesmittel. Für das Tagesmittel hat die EU einen Grenzwert festgelegt. Wenn es die Schwelle von 50 Mikrogramm überschreitet, kann das die Gesundheit beeinträchtigen. Schon zwölfmal lag das Tagesmittel seit Jahresbeginn über dem Grenzwert – immer dann, wenn das Wetter am schönsten war. Das ist das Dumme am Feinstaub: Man atmet ihn ein, wenn man geradezu geneigt ist aufzuatmen – an sonnigen Hochdrucktagen nämlich.

Stefan Sorkalle ist dem Container in Bautzen aufs Dach gestiegen. Aller Vierteljahre überprüfen die Techniker die Geräte an den 30 Messstationen. Mit dem Feinstaubfilter oben auf dem Dach fängt Sorkalle an. Er hat hier schon vor 20 Jahren die Luftverschmutzung gemessen. 1994 ist das Sächsische Messnetz in Betrieb gegangen. Damals, erzählt er, war der feine Staub noch gar kein Thema. Da wurde noch der Gesamtschwebstaub gemessen. Da lagen auch noch Schwefeldioxid und Stickoxide in der Luft.

Der Feinstaub kommt unsichtbar daher. Besonders bei Inversionswetterlagen im Winter, wenn die Luft über dem Boden festhängt und es keinen Austausch in der Atmosphäre gibt. Rasant können dann die Werte in die Höhe schnellen. Bis auf 67,5 Mikrogramm sind sie vorige Woche gestiegen. Es geht aber auch noch viel höher: Am 25. Januar 2010 beispielsweise wurden in Bautzen 195 Mikrogramm gemessen, das Vierfache des Grenzwerts.

Stefan Sorkalle braucht nur in den Computer zu schauen, um das ablesen zu können. In der Messnetzzentrale in Radebeul werden die Daten aller 30 Messstationen gespeichert und für das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zusammengestellt. Das Landesamt muss über Maßnahmen und Auflagen entscheiden, wenn die zulässigen Grenzwerte zu weit und an mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten werden. So werden Städte zum Beispiel beauflagt, Luftreinhaltungspläne aufzustellen. Auch Görlitz arbeitet schon mit so einem Plan. In Bautzen wurden die zulässigen Jahresgrenzwerte bisher nicht überschritten. Aber der Blick in die Computer zeigt: Die Region ist von Görlitz gar nicht so weit entfernt.