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Eine Virtuosin im besten Sinne des Wortes

Seit drei Jahren beschäftigen sich Schüler der zehnten und elften Klassen des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen im Sorbisch- bzw. Musikunterricht im Rahmen der Projektarbeit mit bedeutenden sorbischen Persönlichkeiten.

Von Carmen Schumann

Seit drei Jahren beschäftigen sich Schüler der zehnten und elften Klassen des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen im Sorbisch- bzw. Musikunterricht im Rahmen der Projektarbeit mit bedeutenden sorbischen Persönlichkeiten. So hatten sie am 17. November vergangenen Jahres eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 75. Geburtstages des Komponisten Jan Raupp vorbereitet.

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Im Sorbischen Museum stellten sie Raupps Lebenswerk in Wort und Musik dar. In diesem Zusammenhang stellte es sich heraus, dass die Ehefrau des Komponisten, Lubina Hollan-Raupp, vor genau 40 Jahren gestorben ist. Am 2. Mai 1964 erlag die damals erst knapp 38-Jährige einem Krebsleiden. Wie ihr berühmter Gatte, widmete auch Lubina Hollan-Raupp ihr Leben der Musik. Die international geachtete Konzertorganistin wurde nach einem Konzert im Bautzener Dom 1955 von der Dresdener Tageszeitung „Die Union“ mit folgenden Worten gewürdigt: „Sie verkörpert den Typus einer Virtuosin im besten Sinne des Wortes.“ Höhepunkt ihres künstlerischen Weges, dem der Tod viel zu zeitig ein Ende setzte, war sicherlich die Teilnahme am Internationalen Musikwettbewerb 1955 in Genf, wo die Organistin unter 340 Teilnehmern die Silbermedaille gewann. Die Klasse 10 A1 des Sorbischen Gymnasiums hat sich mit dem Lebensweg der sorbischen Künstlerin intensiv auseinandergesetzt. Im Ergebnis der Projektarbeit findet am 10. Mai um 13.30 Uhr eine Gedenkfeier in der Taucherkirche statt. Während der Veranstaltung werden die Schüler die Ergebnisse ihrer Recherchen vorstellen, es wird aber auch Musik erklingen, die Lubina Hollan-Raupp geliebt und interpretiert hat. Friedemann Böhme spielt die Orgel und ein Chor unter seiner Leitung wird singen. Es erklingt auch ein Mitschnitt eines Konzertes aus dem Jahr 1955, das der Sorbische Rundfunk in der Leipziger Thomaskirche aufgezeichnet hatte. Entstanden sind weiterhin vier Schautafeln zur Lebensgeschichte der Musikerin, die ab heute in der Schule ausgestellt werden. Zum Abschluss der Gedenkfeier, an der auch Jan Raupp trotz seiner schweren Erkrankung teilnehmen will, gehen die Teilnehmer an das Grab der Künstlerin auf dem Taucherfriedhof. Letzteres ist vorige Woche von den Jungen der Klasse 10 A1 in Ordnung gebracht und frisch bepflanzt worden.

Pressematerial über die Musikerin fanden die Schüler im Sorbischen Institut. Sie hatten aber auch Gelegenheit, mit Achim Brankatschk zu sprechen, dem langjährigen Musiklehrer an ihrer Schule, der die Künstlerin gut kannte. Auch ihre Schwester, Hanka Nagel, steuerte ihre Erinnerungen bei. Lubina Hollan, geboren am 23. Mai 1927 in Kleinbautzen, war in einer Kantorenfamilie aufgewachsen, der Vater ihr erster Lehrer. Ab 1947 studierte sie an der Leipziger Musikhochschule. Bereits ein Jahr später setzte sie ihr Studium an der Prager Akademie der Musikwissenschaften fort. In Prag lernte sie auch Jan Raupp, ihren späteren Ehemann kennen. Das Paar hatte einen Sohn.