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Eine Vision wird zur Erfolgsgeschichte

Zwei junge Weißwasseraner haben 1NiteTent ins Leben gerufen. Das Projekt ist längst den Kinderschuhen entwachsen.

Zelt im GartenZelten in einem privaten Garten liegt als Urlaubsalternative im Trend.
Zelt im GartenZelten in einem privaten Garten liegt als Urlaubsalternative im Trend. © Jon Evans

Weißwasser. Wenn Anne-Sophie Hüßler und Patrick Pirl zurückblicken, können sie es selbst kaum fassen, was in knapp zwei Jahren aus ihrer Idee geworden ist. „Es ist irre, wie sich unsere Vision verselbstständigt hat. So was hätten wir nie erwartet“, gesteht Anne-Sophie.

Doch das Prinzip, für eine Nacht irgendwo auf einem Privatgrundstück sein Zelt kostenlos aufstellen zu können, kommt an. Diese Möglichkeit der Übernachtung für jedermann war nicht die Idee der jungen Leute, die in Weißwasser arbeiten. Immerhin gibt es solche Angebote beispielsweise in Skandinavien schon lange. Nur in Deutschland gab es das nicht, ist „wildes Zelten“ sogar verboten. Also überlegten Patrick und Anne-Sophie, selbst leidenschaftliche Globetrotter und Camper, wie so was legal sein könnte und kamen auf den Gedanken, private Anbieter zu finden, sie über eine Art Online-Landkarte bekannt zu machen und ein Buchungsportal mit Interessenten zu verbinden. Das war im Sommer 2018.

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Startkapital war ein Preisgeld

Die Idee samt Konzept reichten die beiden im Vorjahr beim sächsischen Mitmach-Fonds ein. Dort begeisterte es die Jury. Als Preisträger erhielten Anne-Sophie udn Patrick auch Geld als Startkapital, um ihre Vision und die Online-Plattform „1nitetent.com“ umsetzen und aufbauen zu können.

Inzwischen ist die Seite erfolgreich im Netz. Bundesweit hat sie täglich bis zu 1.000 Klicks. Tendenz steigend. Möglich wird das durch knapp 200 Menschen im In- und Ausland, die schon rund 250 eigene Flächen angemeldet haben und durch jene, die solche Angebote des freien und entschleunigten Reisens suchen. Denn das Prinzip hat viele Vorteile: kostengünstiges Reisen ohne Gegenleistung; positive ökonomische Effekte in der jeweiligen lokalen Umgebung; Begegnung von Menschen und gegenseitiger Austausch in familiärer Atmosphäre sowie Abbau von Vorurteilen. Immerhin gehören zu denen, die Freiheit, Abwechslung und eigenständiges Reisen lieben, mittlerweile alle Bevölkerungsschichten. Die Zeiten, als das Klientel für kostenlose Übernachtungen aus Lehrlingen oder Studenten bestand, sind vorbei.

„Selbst in Weißwasser haben wir schon drei Anbieter im alten Dorf, nahe dem Braunsteich und am Neufert-Bau“, erzählt Anne-Sophie stolz. Auch in den Gemeinden rundherum gibt es sie. Überhaupt sei die Lausitz zwischen Spreewald und Zittau inzwischen zu einem Hotspot der Angebote geworden. Manche Anbieter, sagt Patrick, seien aufgrund der Nachfragen sogar schon überfordert.

Schutzhütten als neues Angebot

Durch Corona kam das Projekt kurzzeitig ganz zum Erliegen. Notgedrungen. Inzwischen boomen die Nachfragen nach kostenlosen Zeltübernachtungen wieder. „Es ist eine coole Entwicklung. Aber wir müssen auch sehen, dass es wirtschaftlich läuft“, bekennen Anne-Sophie und Patrick, die daher die Corona-Zeit nutzten, um parallel eine Online-Shop aufzubauen. Hier gibt es, was sonst, T-Shirts, Beutel, Poster mit 1nitetent-Label. „Außerdem arbeiten Programmierer derzeit an einer App mit allen Infos zum Projekt. Die wird jedoch gegen Gebühr sein“, verrät Anne-Sophie Hüßler. Doch das ist längst nicht alles.

Nun wollen die beiden Weißwasseraner auch stationäre Schutzhütten aus Einzelbauteilen „im speziellem, auf die jeweilige Umgebung angepassten Design“ anfertigen und errichten lassen. Die Übernachtungsmöglichkeiten für vier Personen samt Sitzmöglichkeiten – so der Plan – sollen an öffentlichen Plätzen im Lausitzer Revier stehen. Beispielsweise an Wanderwegen, Badessen, Campingplätzen, touristischen Hotspots, im Biosphärenreservat oder dem Geopark Muskauer Faltenbogen. Ein Hotel in Rheinland-Pfalz habe sogar schon seine Wiese angeboten, weil die in der Hütte schlafenden Leute „sicher im Hotel was essen und trinken“.

Die Entwicklung und Konstruktion der Hütten wird in Kooperation mit dem Dresdner Verein „Konglomerat e. V.“ erfolgen. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr einen Prototypen zu haben“, verrät Patrick. Die Chancen dafür stehen gut. Denn auch für diese fortführende Idee erhielten die beiden engagierten Macher aus Weißwasser innerhalb des sächsischen Mitmachfonds 2020 einen Preis samt Preisgeld. Nicht zuletzt, weil sie für die Schutzhütten-Anbieter wie Kommunen, Vereine oder Kirchen ihr Netzwerk zur Verfügung stellen. Dies bedeutet, dass die Standplätze der Hütten über die Online-Landkarte bekannt gemacht und vermarktet werden, wodurch die vorhandene Angebotspalette erweitert und die Attraktivität des ländlichen Raums für Tourismus im „Slow Travel“-Prinzip erhöht wird.

Noch ist es das Ziel von Patrick und Anne-Sophie, als Existenzgründer von ihren Ideen leben zu können. Bis dahin, wissen sie, ist der Weg lang und beschwerlich. Aber sie sind optimistisch, es zu schaffen.

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