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Eine wundersame Rückkehr

Vor drei Wochen war Manuel Friedrich noch ein arbeitsloser Ex-Nationalspieler. Ausgerechnet bei seinem Ex-Verein Mainz findet er zu alter Stärke zurück.

© dpa

Von Sebastian Stiekel und Detlef Rehling

Einen halben Tag lang hat Manuel Friedrich bei seiner Rückkehr Hände geschüttelt, Interviews gegeben und Gratulationen entgegengenommen. Nur am Ende bekam er noch Ärger. „Mein Vater ist richtig böse“, sagte der Verteidiger von Borussia Dortmund – und man muss das verstehen. Hubert Friedrich ist Jugendleiter und Vorstandsmitglied bei Mainz 05, er hatte gerade mit ansehen müssen, wie der neue Verein seines Sohnes eher glücklich als verdient mit 3:1 (0:0) in der Mainzer Arena gewann. Mit etwas Abstand wird aber selbst der eingefleischteste Nullfünfer erkennen, dass dieses Spiel für Manuel Friedrich die vorläufige Krönung einer wundersamen Geschichte war. „Heute ist für mich ein besonderer Tag“, sagte der 34-Jährige selbst.

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Zwei Umarmungen, zweimal Manuel Friedrich: Beim 3:1-Sieg in Mainz feiert der Neu-Dortmunder Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang (großes Foto rechts). BVB-Trainer Jürgen Klopp kennt er aus gemeinsamen Zeiten bei Mainz 05 (Foto links). Fotos: dpa/Friedrich
Zwei Umarmungen, zweimal Manuel Friedrich: Beim 3:1-Sieg in Mainz feiert der Neu-Dortmunder Torschütze Pierre-Emerick Aubameyang (großes Foto rechts). BVB-Trainer Jürgen Klopp kennt er aus gemeinsamen Zeiten bei Mainz 05 (Foto links). Fotos: dpa/Friedrich © dpa

Noch vor drei Wochen war er ein arbeitsloser Ex-Nationalspieler, der sich mit einigen Trainingseinheiten bei einem Viertliga-Club und regelmäßigen Joggingrunden vor der eigenen Haustür fit hielt. Auf einmal aber ist Friedrich ein fester Bestandteil der Abwehr eines Champions-
League-Finalisten – und ausgerechnet das Spiel bei seinem Heimatverein Mainz 05 gab allen Beteiligten am Sonnabend zum ersten Mal das Gefühl, dass diese Geschichte tatsächlich gut ausgehen kann.

Zwar habe Friedrich „ein bis zwei Bälle gespielt, die er mir vielleicht irgendwann erklärt“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. „Ansonsten bringt er keine Verunsicherung, sondern Stabilität rein. Das hilft uns in dieser Situation. Er hat heute einen Schritt nach vorne gemacht“, meinte Klopp nach diesem durch einen Freistoß von Pierre-Emerick Aubameyang und zwei Elfmetern von Robert Lewandowski gewonnenen Spiel. Friedrich empfand das trotz einiger Wackler in den ersten Spielminuten und einiger Probleme mit dem flinken Mainzer Torschützen Eric-Maxim Choupo-Moting ganz ähnlich. „Ich merke, dass es von Tag zu Tag besser wird“, erklärte er. „Vom Timing, von der Spritzigkeit, vom Kopfball und vom Antizipieren her ist es fast schon wieder, wie es früher war. Das ging schneller, als ich dachte.“

Zu dieser Geschichte gehört auch, dass der Ex-Mainzer, Ex-Bremer und Ex-Leverkusener wahrscheinlich nie in Dortmund gelandet wäre, wenn der Trainer dort nicht Klopp heißen würde. Beide spielten und arbeiteten früher schon in Mainz zusammen – und wurden am Sonnabend bei ihrer gemeinsamen Rückkehr lautstark gefeiert. „Das ist außergewöhnlich, wie frühere Spieler hier begrüßt werden. Diese Warmherzigkeit ist einzigartig“, meinte Friedrich. Er habe Mainz „alles zu verdanken. Hier bin ich groß geworden und Nationalspieler geworden. Der Aufstieg mit Mainz 05 war die geilste Sache der Welt“. 2004 war das. „Ich werde das nie vergessen.“

Aber selbst Klopp hätte den Routinier wahrscheinlich nie nach Dortmund geholt, wenn ihn das fast schon unheimliche Verletzungspech des BVB nicht zur Verteidigersuche gezwungen hätte. Neven Subotic, Mats Hummels, Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan stehen allesamt nicht zur Verfügung, Lukas Piszcezk spielte in Mainz zum ersten Mal nach seiner Hüftoperation wieder von Beginn an.

Und dann kamen am Sonnabend zu allem Überfluss noch drei weitere Sorgenkinder hinzu: „Marco (Reus) hat es mit der Wade, Manni (Bender) mit dem Oberschenkel, Kuba (Blaszczykowski) mit der Hüfte. Das ist alles nicht so günstig“, zählte Klopp auf. Man müsse gucken, „wen wir in Saarbrücken noch bringen können“. Morgen trifft sein Rumpfteam im DFB-Pokal auf den einzigen verbliebenen Drittligisten im Wettbewerb. Der typische Klopp-Satz dazu lautete: „Wir sind nett genug, uns auf ein Niveau herunterzuverletzen, dass das am Ende doch noch ein spannender Wettkampf wird.“

Auf die Bundesliga trifft das momentan nicht zu. Sieben Punkte sind die Bayern schon enteilt, Leverkusen hat sich zwischen die Dauerrivalen geschoben. Dass Friedrich am Ende der Saison die Meisterschale in die Höhe streckt, hält BVB-Boss Hans-Joachim Watzke deshalb für unwahrscheinlich. „Die Bayern haben irgendwann beschlossen: Wir verlieren gar nicht mehr. Das macht es nicht einfacher“, erklärte er. München habe momentan die beste Mannschaft der Welt. „Und wenn man Sportler ist, muss man das anerkennen“. Die Bayern hätten 30 Jahre Vorsprung.

Dies wird insbesondere bei der Stärke des Kaders deutlich – und dort vor allem der zweiten Reihe. Auch die Bayern haben derzeit große Verletzungssorgen, nur fällt es dort kaum auf. Die Borussia dagegen muss den arbeitslosen Friedrich holen. Auf den wird der BVB auch beim Pokal in Saarbrücken nicht verzichten können. Diesmal allerdings wird ihm auch sein Vater wieder die Daumen drücken. (dpa/mit sid, SZ)