merken
PLUS

„Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“

Warum Angela Merkel eine alte Karte verschenkte, wie Horst Seehofer die Sommerzeit verpennte, und was Christian Schmidt im Schreibtisch fand.

Von Peter Heimann

Der Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping in Deutschland hatte interessante Nachwirkungen. Ausgelöst wurden die durch das Geschenk, das Angela Merkel ihrem Gast überreichte: eine historische China-Karte. Sie zeigt das Gebiet Chinas in seiner unter der Qing-Dynastie erreichten Blütezeit um 1735. Damals, wurde schon bald im Internet ausgerechnet, war China – landmäßig – fast 40 Prozent größer als heute. Vor allem chinesische Blogger warfen nun im Netz die Frage auf, warum die Kanzlerin ausgerechnet dieses Mitbringsel für ihren Gast aussuchen ließ.

Gesundheit
Gesund und Fit
Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Die eine Seite argumentiere, es wüsste doch fast jeder, dass ein großer Teil der verlorenen Gebiete im Norden durch unfaire Verträge in die Hände Russlands gefallen sei. Merkel also wollte wohl Pekings Führung daran erinnern, wie übel Russland China einst mitspielte. Einige Blogger erkannten sogar eine Ermunterung Chinas, seine „geraubten“ Gebiete von Moskau zurückzufordern. Wieder andere schrieben, dass Tibet in den damaligen Karten nicht eingezeichnet war. Damit hätte Merkel andeuten wollen, dass die Zugehörigkeit zu China zumindest historisch nicht verbürgt ist.

Die Aufregung im Netz zwang sogar Vize-Regierungssprecher Georg Streiter abzuwiegeln: Die Karte sei ein Geschenk der Freundschaft ohne Hintergedanken: „Sie können sicher sein, dass ein Staatsgast nie ein Geschenk bekommt, was er nicht haben möchte. Das ist ein langwieriger Prozess, der vom Protokoll des Auswärtigen Amtes lange vorbereitet wird.“ Die Karte spiegele „halt eine Situation wieder, die lange, lange her ist“. Man könne auf ihr sehen, dass China schon früher eine bedeutende Rolle spielte. Kurzum: „Niemand bekommt also etwas geschenkt, was ihn irgendwie vor den Kopf stoßen würde oder was ihm nicht gefällt. Im Gegenteil.“

Dies wiederum provozierte im Umkehrschluss in der Bundespressekonferenz die Frage: „Also: Die ganzen Pötte, Plaketten und ähnliche Dinge, die man im Kanzleramt bewundern kann, die wollte Frau Merkel wirklich haben?“ Streiter grinste: „Nein.“ Die „ganzen Pötte, die Sie da sehen, beziehen sich auf die gesamte Geschichte des Landes. Natürlich spielt auch der Geschmack des Schenkers eine gewisse Rolle.“ Dann hatte er auf das Thema keine Lust mehr: „Es ist alles gut. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“ Basta.

Horst Seehofer hat die Zeitumstellung schlicht verpennt. Er habe am Montag noch geschlummert, als das Handy klingelte, so der CSU-Anführer. Seine Uhr zeigte kurz vor Sieben, deswegen ignorierte er das Bimmeln. Erst als es permanent klingelte, wurde ihm klar, dass die Sommerzeit begonnen hatte und er mit Angela Merkel zum Gespräch verabredet war. Jetzt will Seehofer seiner Wirtschaftsministerin Ilse Aigner helfen, die die Zeitumstellung abschaffen will: „Du kannst dich darauf verlassen, wir werden das unterstützen.“

Ältere Hinterlassenschaften seines Parteichefs hat jetzt der neue Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt entdeckt. Im Dienstschreibtisch fand er mehrere Schreibblöcke mit dem Aufdruck „Horst Seehofer – Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“. Nichts wird weggeschmissen. Auf die Blöcke seines Vor-Vor-Vorgängers kommen nun halt Schmidts Notizen.