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Einen Traum auf dem Lande erfüllt

Simone und Patrick Fischer sind mit ihren fünf Kindern in die Zschäbitzmühle von Heyda gezogen. Aber warum?

Familienidylle pur: Simone und Patrick Fischer wohnen mit ihren fünf Kindern Lia, Sanjo, Ari, Madai und Marik seit knapp einem Monat in Heyda. „Wir haben viel zu lange in der Großstadt gelebt“, sagen die Eltern zum Umzug in die Zschäbitzmühle.
Familienidylle pur: Simone und Patrick Fischer wohnen mit ihren fünf Kindern Lia, Sanjo, Ari, Madai und Marik seit knapp einem Monat in Heyda. „Wir haben viel zu lange in der Großstadt gelebt“, sagen die Eltern zum Umzug in die Zschäbitzmühle. © Thomas Riemer

Hirschstein. Das Tor zum Grundstück öffnet sich. Patrick Fischer (36) hat schwer zu tragen: Im Tragetuch auf dem Bauch hat es sich Madai gemütlich gemacht, auf dem Rücken ruht Marik. 

Oder ist es andersrum? Egal, die drei Monate alten Zwillinge fühlen sich wohl. Ihre Geschwister Lia (10), Sanjo (7) und Ari (5) spielen auf dem Hof. Täglich finden sie Neues auf dem Grundstück der Zschäbitzmühle in Heyda. Mama Simone (38) hingegen sitzt im Haus, hat am frühen Nachmittag endlich Zeit zum Mittagessen.

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Knapp einen Monat ist es her, dass die Großfamilie aus Radebeul in den Hirschsteiner Ortsteil gezogen ist. „Wir wollten unbedingt aufs Land“, erklärt Simone Fischer kurz und knapp die Beweggründe. Patrick fügt schnell und schmunzelnd hinzu: „Ich wollte zurück nach Riesa.“ 

Denn er stammt ursprünglich aus der Elbestadt, hat danach in Freiberg studiert. Die Liebe zu Simone führte ihn zu einem „Gastspiel“ in den Schwarzwald. Dort lebte die gebürtige Thüringerin, war von einer „Zwischenstation“ in Berlin nach der Geburt ihres heute 18-jährigen Sohnes aus früherer Beziehung dahin gezogen.

Immer wieder schauen sich Simone und Patrick bei der Aufzählung der bisherigen Lebensstationen fragend an, korrigieren sich gegenseitig, wenn es um genaue Jahreszahlen geht. 

Sicher ist aber: Vor zwölfeinhalb Jahren lernten sie sich über eine christliche Internetplattform kennen, seit elf Jahren sind sie verheiratet. Noch im Schwarzwald wurde Lia geboren – dann ging es nach Sachsen. Dresden-Tolkewitz und -Reick, dann Radebeul.

Und nun Heyda. Durch Zufall stießen die Fischers auf die leerstehende Zschäbitzmühle. Die letzte Bewohnerin war vor drei oder vier Jahren ins Altersheim gegangen, die Nachfahren stellten das Grundstück zum Verkauf. „Das sind 2.000 Quadratmeter Land, der Zustand des Hauses ist okay. Und es war für uns finanzierbar.“ 

Patrick Fischer erklärt mit wenigen Worten, warum es nun unbedingt die Zschäbitzmühle sein sollte. „Wir haben uns einen Traum erfüllt“, sagt der Familienvater. Der Blick auf den Hof, auf dem Lia, Sanjo und Ari täglich etwas Neues entdecken, entschädigt schon jetzt für das, was unweigerlich noch bevorsteht. 

Denn: So richtig zum Auspacken ist die Familie noch gar nicht gekommen. Zwei Schlafräume sind soweit hergerichtet, zwei Küchenräume sind fertig, ein zweites Badezimmer im Endstadium. Doch der Blick in die Räume des „Haupthauses“ gibt Patrick recht. „Es gibt hier viel zu tun“, sagt der 36-Jährige. 

Zwar liegen Abwasser und Internet – und das ist keineswegs unwichtig – an. Doch unter den Tapeten ist an so mancher Stelle Schimmel zum Vorschein gekommen. Hinter Holzverkleidungen muss damit noch gerechnet werden. Das Nebengebäude wird zumindest auf absehbare Zeit als Wohnraum nicht nutzbar sein. Die große Scheune indes – „da kann man einiges draus machen“, glaubt Patrick. 

Nach und nach will die Familie, dass es Stück für Stück wohnlich wird. „Manchmal ist es zwar bedrückend, wie groß die Baustellen hier sind. Aber wir kriegen das schon hin“, sagt Simone Fischer. Die 38-Jährige hat Dinge ausgemacht, die aus ihrer Sicht weit „schwerwiegender“ und wichtiger sind: Der Kontakt zu Dorfbewohnern baut sich langsam auf, hier hilft man sich noch unter Nachbarn. 

Oder: „Wo hat man denn heutzutage noch eine einzügige Grundschule?“ fragt Simone Fischer mit Blick auf die Einrichtung in Prausitz. Demnächst wird Sanjo dort eingeschult, Lia geht ab neuem Schuljahr ins Städtische Gymnasium nach Riesa. Und Ari soll so schnell wie möglich eine Kita besuchen. Für die drei größeren Kinder sei zusätzlich aber ganz wichtig, dass Oma und Opa in Riesa nur einen Steinwurf entfernt wohnen.

Erst einmal nutzen Simone und Patrick die Möglichkeit der Elternzeit. Ein Jahr, in dem sie für die Zwillinge und die drei „Großen“ da sein und natürlich auf dem Grundstück vorankommen wollen. Simone, die gelernte Gärtnerin, will irgendwann möglichst in dieser Branche wieder arbeiten. „Hauptsache draußen“, so ihr Credo. 

Patrick, der studierte Programmierer und Anwendungsentwickler, wird sich nach der Elternzeit in Riesa auf Jobsuche begeben und ist optimistisch. Zeit für sein Hobby hat er derzeit eher selten. Der eingefleischte Fußball-Fan ist absoluter Kenner der Riesaer Fußball-Szene, betreibt eine Homepage, auf der wirklich sämtliche bekannte oder auch nicht bekannte Details aus den Riesaer Vereinen der Vergangenheit und Gegenwart zu finden sind. 

Der Kontakt zu den Fußballern, vor allem aber zur Kirche, gibt den überzeugten Christen auch die Hoffnung auf weitere Hilfe, wenn es um die Herrichtung des Grundstücks geht. Erste Erfahrungen stimmen zuversichtlich.

Bei einer Sache können allerdings wohl nur Ämter und Behörden helfen: Zwar gilt auf der Straße von Boritz nach Heyda auf Höhe der Zschäbitzmühle Tempo 50. „Doch viele Autos rasen hier mit 100 Sachen vorbei“, empört sich Simone Fischer. Sie hat bereits erste vorsichtige Versuche bei den Behörden dagegen unternommen – bislang ohne Erfolg. 

Der Verkehrslärm sei aber wirklich so ziemlich das Einzige, was sie als störend empfinde. Dresden und Radebeul – das haben Fischers hinter sich gelassen. Jetzt genießen sie die grüne Idylle mit Blick über die Felder Richtung Nünchritz über die Elbe und Riesa. „Wir haben viel zu lange in der Großstadt gelebt“, sagt Simone nachdenklich. Ihre Augen leuchten dabei.

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