SZ +
Merken

Einer der letzten Husaren tritt ab

über das Karriere-Ende von Jens Voigt.

Teilen
Folgen

Berthold Neumann

Ja, jetzt wird es wohl doch passieren. Jens Voigt steht vor dem Ende seiner Tour-Karriere und damit auch vor dem Schlusspunkt unter seiner sowohl erfolgreichen als auch ungewöhnlichen Laufbahn. Alle horchten auf, als der bald 42-Jährige vor der Final-Etappe den so lange hinausgezögerten Abschied nun doch thematisierte. „Es war höchstwahrscheinlich meine letzte Tour“, sagte er.

Und tat gleich wieder dies, womit er sich zwei Jahrzehnte in die Herzen vieler Sportfans fuhr. Er quälte sich noch einmal auf der letzten schweren Hochgebirgs-Etappe der 100. Tour in seiner Paraderolle als Ausreißer allein gegen den Rest und gegen alle Prognosen. Typisch Voigt eben. Eine würdige Reminiszenz an seine besten Jahre.

Eine ganze Generation ist mit ihm aufgewachsen. Kaum lief der Fernseher mit den Übertragungen, war auch schon Voigt mit seinen Attacken und spektakulären Aufholjagden im Husaren-Stil zu sehen. Seit 1998, seinem Debüt für den französischen Rennstall GAN, absolvierte er die Tour de France 16-mal. Damit ist er deutscher Rekordhalter.

Voigt, der seine ersten Radrunden als Schuljunge fast am damaligen Hochsicherheits-Grenzzaun in seinem mecklenburgischen Heimatort Dassow drehte, hat sich seine Bodenständigkeit bewahrt. Trotz allen Termindrucks sauste Voigt mehrfach nach Dresden, um als prominentes Zugpferd für die Sachsen-Tour, die er 1996 gewonnen hatte, aufzutreten.

Dass der Radsport trotz des Doping-Sumpfes im letzten Jahrzehnt sich einen großen Teil seiner Anhängerschaft bewahrt hat, ist auch ein Verdienst des Berliners. Und dem deutschen Radsport hat er ein sympathisches Gesicht gegeben. Die Kollegen im Peloton schätzen seine integrierende Art. Und in Frankreich, wo Voigt eine Zeitlang lebte, gehört er immer noch zu den populärsten Deutschen.

Nun ist es aber genug. „Am meisten leide ich in den Abfahrten. Mit 80 Kilometern pro Stunde da hinunterfahren – das ist einfach nichts mehr für mich“, bekannte der sechsfache Familienvater.

Chapeau und tschüss, Jens Voigt.