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Riesa

"Kein Aushängeschild für Riesa"

Daran, wie bestimmte Gehwege in Riesa hergestellt worden sind, gibt es teils geharnischte Kritik – die allerdings längst nicht jeder teilt.

Für manche schick, manch anderen aber schäbig: Wie hier am Riesaer Humboldtring hat die Stadt Fußwege herstellen lassen.
Für manche schick, manch anderen aber schäbig: Wie hier am Riesaer Humboldtring hat die Stadt Fußwege herstellen lassen. © Lutz Weidler

Riesa. Schräg angeschnittenes Pflaster, mit Splitt gefüllte Fugen zwischen alten Granitborden und neuen Betonsteinen: Wie mancherorts in Riesa die Gehwege aussehen, stößt bei einigen Stadtpolitikern auf Unverständnis.

"Das ist doch kein Aushängeschild für eine Große Kreisstadt", so Volker Barthel. Der AfD-Stadtrat monierte im jüngsten Bauausschuss, dass bei einem Gehwegbau an der Glauchauer Straße in Weida die alten Borde an Ort und Stelle belassen wurden, anstatt dass neue gesetzt wurden.

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Anlass für Grundsatzkritik

Einen Nerv traf Barthel mit seiner Kritik bei Stadtratskollegen Gunnar Hoffmann (parteilos). Hoffmann wies auf ähnliche Gehwegzustände nach Bauarbeiten in der Delle hin, etwa am Humboldtring – und nahm das zum Anlass für eine Grundsatzkritik. "Wenn man da irgendwann mal an die Straße ran muss – und das steht bevor, weil der Zustand der Straße grauenvoll ist – , fangen wir komplett von vorn an." Das sei "rausgeschmissenes Steuergeld ohne Ende", so Hoffmann, der der Stadtverwaltung vorwarf: "Planloser geht es kaum."

Auch die hergestellten Fußwege in der Pausitzer Delle (hier Humboldtring Ecke Lerchenweg) stellen manchen Stadtrat nicht zufrieden.
Auch die hergestellten Fußwege in der Pausitzer Delle (hier Humboldtring Ecke Lerchenweg) stellen manchen Stadtrat nicht zufrieden. © Eric Weser

Eine Schelte, die Ratskollege Volker Thomas (Die Linke) nicht stehenlassen wollte. "Wenn wir uns über Schönheitsmängel derart echauffieren, werden wir irgendwann komplett handlungsunfähig." Man sei in der Stadtpolitik einig gewesen, dass mit den vorhandenen Geldern nur eine neue Gehwegoberfläche ohne Änderung der Borde machbar war – die aber vor allem den älteren Anwohnern mit Gehbehinderungen helfe.

Schwierigkeit im Untergrund

Tatsächlich liegt das Problem bei Bürgersteigen, Borden und Straßen laut Stadtverwaltung unter der Erdoberfläche. Die oben eher schmalen Granitborde hätten im Boden  einen "riesigen" Fuß, so Tiefbau-Sachgebietsleiter Joachim Nagel.  Den bekomme man nicht mehr fest, sobald man ihn bei Baumaßnahmen anfasse. Das Problem gebe es an vielen Stellen in Riesa. Werde der Bord - wie von den Kritikern gefordert - herausgenommen, müsse er nach den geltenden Baurichtlinien wieder befestigt  werden – womit man einen halben Meter weit in den Straßenbereich eingreifen müsse. "Das heißt, Sie haben eine Kostenexplosion, weil sie einen Gehweg machen wollen", so Joachim Nagel vor den Bauausschuss-Mitgliedern. Dafür habe es keine Grundlage gegeben.

Auch ihm selbst gefalle der Zustand der Gehwege nicht, so der Rathaus-Mitarbeiter. Aber die Stadt könne auch nichts dafür, wie die Borde vor mehreren Jahrzehnten gebaut  worden seien. Der jetzige Zustand sei das, was unter den gegebenen Bedingungen möglich ist.

Aus Sicht von Gunnar Hoffmann bleibt bei alledem ein grundsätzliches Problem. Die Stadt reagiere, statt zu agieren. Weil in der Delle beispielsweise Straßen ohnehin bald saniert werden müssten, stehe ein erneutes Anfassen der Borde bevor – das wieder Geld koste. Ihm fehle es an der langfristigen Planung der Straßenbaumaßnahmen, so Hoffmann. Deshalb habe seine Fraktion Gemeinsam für Riesa auch einen Antrag im Stadtrat eingebracht, derlei Projekte vorausschauend zu priorisieren.

Ganz andere Probleme

Ganz andere Töne schlug die CDU an. Ähnlich wie zuvor schon Kurt Hähnichen lobte Friedhelm Preuß den jetzigen Zustand der Bürgersteige. "Wer oft in der Delle ist, der weiß, wie man auf den Fußwegen früher über die Schlacke gestolpert ist." Die Straßendecken in dem Wohngebiet seien für starken Verkehr nicht ausgelegt und ein Thema für sich. "Wir wollen froh sein, dass wir es geschafft haben, dass ein Großteil der Fußwege instand gesetzt worden ist." Der Zustand sei  "annehmbar unter der Maßgabe, dass wir sparsam mit unseren Möglichkeiten umgehen. Wir haben ganz andere Probleme." Welche das sind, ließ der Christdemokrat allerdings an der Stelle offen.