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Einfach nur abschalten

Manuela Schmidt ist seit Anfang Mai Gartenbesitzerin in Großenhain. Hier wird sie mit ihren Kindern dieses Jahr auch Urlaub machen.

Manuela Schmidt aus Meißen hat in Großenhain ihren Ruheort im Garten gefunden.
Für die Kinder Emma-Lena, Florian, Emily und Hündchen Alwin ist es ein Spielplatz im Grünen.
Manuela Schmidt aus Meißen hat in Großenhain ihren Ruheort im Garten gefunden. Für die Kinder Emma-Lena, Florian, Emily und Hündchen Alwin ist es ein Spielplatz im Grünen. © Kristin Richter

Großenhain. Immer wieder streift Manuela Schmidt über den Gartenweg. Unzählige Tomaten werden langsam reif. Auf dem Nachbarbeet findet sie Unkraut, zupft es schnell heraus. Im kleinen Gewächshaus werden die Gurken größer. "Wir haben auch schon viel geerntet", erzählt die 43-Jährige. Beeren jedweder Art zum Beispiel, aus denen inzwischen Marmelade gekocht wurde. "Der Garten ist cool", ruft Töchterchen Emily (11). Bruder Florian (7) nickt beifällig und schaut angesichts der sommerlichen Temperaturen sehnsuchtsvoll auf den Pool. Der, das sei vorweggenommen, ist von der Größe und Beschaffenheit her zulässig in der Gartensparte "Am Stadtpark" in Großenhain. 

"Einen Garten zu haben, war schon immer mein Traum", sagt Manuela Schmidt. Den hat sie sich nun seit 1. Mai in der Röderstadt erfüllt. In Meißen wohnt sie mit ihren Kindern in einem großen Wohngebiet. Dort werde ständig gebaut, sei es ziemlich laut. "Ruhe, Abstand, fernab von Nachbarn" - diese Wünsche sieht Manuela Schmidt für sich und ihre Sprösslinge in der kleinen grünen Oase von Großenhain nun erfüllt. "Und es ist ja gar nicht so weit von Meißen", fügt sie hinzu.

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Das Gärtchen hat sie von einer Familie übernommen, die sich künftig privat anderen Dingen zuwenden möchte. Die Schmidts haben nicht nur Bäume, Sträucher und Anpflanzungen "geerbt", sondern auch eine geräumige Gartenlaube und das Gewächshaus. Ob sie den sogenannten grünen Daumen hat, will Manuela Schmidt jetzt erst einmal erkunden. Aber Gartenarbeit kennt sie bereits seit ihrer Kindheit. Wie viele Kinder durfte sie im elterlichen Kleinod ein Beet bewirtschaften. "Meist waren dort Erbsen drauf", erzählt die gelernte Zahntechnikerin. In jedem Fall möchte sie auch ein bisschen was ausprobieren. Ein gesteckter Mangokern zeigt bereits gute Fortschritte, auch Mini-Wassermelonen sind schon da. "Mein kleiner Urwald", nennt Manuela Schmidt ihre Oase - und die Kinder freuen sich mit ihr.

Drei Wochen Urlaub haben für Manuela gerade begonnen, die Ferien für Emely ebenfalls. Florian freut sich auf den Schuleingang. Die gemeinsamen freien Tage hat sich das Trio redlich verdient. Anfang März nämlich schlug die Corona-Krise zu. Weil Florian gerade aus dem Winterurlaub mit seinem Vater aus Österreich zurückgekehrt war, musste die Familie in eine zweiwöchige Quarantäne. "Keine Arbeit, keine Schule, kein Kindergarten -  das war schon heftig", beschreibt Manuela das Szenario. Eine Freundin habe zu jener Zeit für sie eingekauft. Gegessen werden musste in der Wohnung, bestenfalls auf dem Balkon. Später, während der allgemeinen Ausgangsbeschränkungen und Schulschließung, wurde es noch komplizierter. Florian durfte zum Glück trotzdem in die Notbetreuung der Kita. "Emily musste ich mit zur Arbeit nehmen", so Manuela Schmidt. 

Die ursprünglichen Urlaubspläne für den Sommer musste die Familie begraben. "Wir wollten eigentlich Zelten fahren, haben extra ein großes Zelt gekauft", berichtet die Mutti. Aber wegen der riesigen Nachfrage bekamen sie nirgends einen entsprechenden Zeltplatz. Einen Urlaub an der Ostsee - hier fühlt sich Manuela Schmidt quasi wie in einem zweiten Zuhause - wird es nun wohl frühestens im Herbst geben.

Der Garten in Großenhain ist daher natürlich mehr als nur "Ersatz", bietet Raum für Entschleunigung. Ein Fernsehgerät sucht man vergebens. "Das ist nicht wichtig. Ich finde es auch ohne Fernsehen schön", sagt Manuela Schmidt. Ihre Freundin mit Töchterchen Emma-Lena (3) sowie Hund Alwin kommen öfter zu Besuch, auch andere Bekannte helfen, wenn Hilfe gebraucht wird. Gemeinsame Abende am Grill gehören dazu. Nur übernachtet haben Schmidts noch nicht im Garten. Da hat sich die zweifache Mutter bislang dem Widerstand ihrer Sprösslinge gebeugt. Aber demnächst wird es wohl einen neuen Versuch geben.

In der Sparte "Am Stadtpark" ist man natürlich froh, dass der freigewordene Garten so schnell wieder belegt ist. Die Suche nach Urlaubs- und Erholungsalternativen sei in diesem Jahr besonders groß, sagt Hans-Jürgen Kriegler vom Verband der Gartenfreunde. Vor allem junge Leute zieht es wieder mehr auf die Scholle. Der Ansprechpartner des Dachverbandes für Großenhain und Umland freut sich darüber natürlich. "Ich kriege viele Anfragen nach Gärten, gebe diese dann an die Vereine weiter", so Kriegler. Mit Belegungszahlen der einzelnen Sparten kann er zwar nicht aufwarten. Doch er schätzt, dass zwischen 70 und 80 Prozent der Parzellen in der Region belegt sind. Leerstände gebe es in vielen Sparten, anderswo aber auch Wartezeiten auf einen freiwerdenden Garten. Manche potenziellen Laubenpieper kämen zudem mit falschen Vorstellungen, so dass Verträge hin und wieder auch nach kurzer Zeit wieder platzen. "Wir streben in jedem Fall längerfristige Vereinbarungen an", spricht Hans-Jürgen Kriegler für die rund 30 Sparten, denen der Dachverband beratend wie auch kontrollierend zur Seite steht.

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Manuela Schmidt ist aus Meißen gekommen, um in Großenhain zu bleiben. "Ich habe hier Einiges vor", sagt sie und weist auf die Laube, wo sie ein paar Dinge baulich ändern will. Natürlich alles unter dem Aspekt, dass der Kleingarten auch Kleingarten bleibt. Und letztlich mit dem großen Wunsch, hier einfach abschalten zu können.

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