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Eingeschränkter Tag der Kunst in Pirna

Lange stand die Veranstaltung auf der Kippe. Nun findet sie statt, mit 80 Künstlern. Einer aber wird wohl nicht kommen.

Die Organisatoren des Tages der Kunst stehen vor der Galerie Vielfalt in der Badergasse in Pirna (v.l.): Volker Lenkeit, Brigitta M. Arnold und Doris Schubert.
Die Organisatoren des Tages der Kunst stehen vor der Galerie Vielfalt in der Badergasse in Pirna (v.l.): Volker Lenkeit, Brigitta M. Arnold und Doris Schubert. © Thomas Morgenroth

So ganz geheuer ist ihr nicht, als Brigitta M. Arnold am Dienstag auf die bunt bekleckste Leiter von Frank-Ole Haake steigt und mit langgestreckten Armen an der Markise über dem Eingang der Galerie Vielfalt drei quadratische Poster aus Kunststoff anbändelt. Nun drehen sie sich in der Badergasse in Pirna lustig im Wind, der Wagemut der Vorsitzenden des Kunstvereins Sächsische Schweiz wird belohnt.

Es ist so ziemlich die erste sichtbare Werbung für den diesjährigen Tag der Kunst, der,  allen mit Corona begründeten Verboten zum Trotz, nun doch stattfinden wird. Mehr als achtzig Künstler beteiligen sich an dem Projekt, das es seit fast zwanzig Jahren gibt. Am ersten Juliwochenende bevölkern Maler, Grafiker, Bildhauer oder Fotografen die Altstadt zwischen Klosterhof und Steinplatz. An 35 Orten zeigen sie ihre Arbeiten und wollen zwei Tage lang mit Neugierigen und Kunstinteressierten ins Gespräch kommen. Mit einbezogen sind das Stadtmuseum und der Skulpturensommer auf dem Sonnenstein.

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Der Tag der Kunst, der auf eine Initiative des lange in Pirna wirkenden chilenischen Künstlers Hernando León zurückgeht, ist längst eine feste Größe im kulturellen Leben der Stadt. Schon zweimal, in den Flutjahren 2002 und 2013, war er der Startschuss zur kulturellen Wiederbelebung Pirnas nach verheerenden Katastrophen. So ähnlich sieht es die Dohnaer Künstlerin Brigitta M. Arnold jetzt auch im Jahr der Corona-Pandemie. Sie ist sehr froh, dass sie die 19. Auflage nicht absagen musste – und dass die Stadt Pirna trotz aller Unwägbarkeiten das Vorhaben fördert.

Brigitta M. Arnold bangte bei jeder neuen Corona-Verordnung des Freistaates Sachsen, ob die Restriktionen den Tag der Kunst ermöglichen würden. Erste Entscheidungen allerdings mussten die Organisatoren, neben ihr vor allem der Wünschendorfer Künstler Volker Lenkeit und Doris Schubert, Galeriemitarbeiterin im Landschloss Zuschendorf, bereits im März treffen, als der behördlich verfügte Stillstand begann.

Keine offizielle Eröffnung

Deshalb wird das Programm in diesem Jahr weniger umfangreich sein als im Vorjahr. Mitmachangebote zum Beispiel wurden gestrichen, wie auch Konzerte, eine offizielle Eröffnung und andere Veranstaltungen, selbst wenn diese unter Einhaltung bestimmter Vorgaben jetzt wieder möglich wären. „Das konnten wir nun nicht mehr planen“, sagt Brigitta M. Arnold.

Musik aber gibt es trotzdem, und zwar unter freiem Himmel mit Benjamin Doppscher und Ralf Roßmann aus Dresden, die mit ihren Gitarren durch die Straßen ziehen wollen. Zudem setzt Doris Schubert auf die Initiative der beteiligten Künstler. Anne Kern aus Stadt Wehlen zum Beispiel, die mit Thomas Matauschek aus Dresden ihre Bilder zum Steinbruch Wehlen in der Remise Am Zwinger/Ecke Badergasse zeigt, lädt am Sonnabend, 16 Uhr, zu einem Konzert für Flöte und Gitarre ein.

Brigitta M. Arnold zeigt ihre Bilder in der im Februar eröffneten neuen Galerie Vielfalt, die sie mit weiterein dreizehn Künstlern betreibt. Zu den etablierten Ausstellungsorten gehören außerdem das Stadthaus am Markt mit einer Ausstellung des Kunstvereins Sächsische Schweiz, das Uniwerk, die Galerie Ansichtssache oder das Kuratorium Altstadt mit Arbeiten des Mal- und Zeichenzirkels Sonnenstein.

Volker Lenkeits Kursteilnehmer aus seinem „Atelier für künstliche Bilder“ zeigen ihre Ergebnisse auf der Dohnaischen Straße. Sie nutzen dafür einen leerstehenden Laden, wie die meisten der Künstler. Das ist ein grundlegender Ansatz des Tages der Kunst. Leider, sagt Brigitta M. Arnold, würde es immer schwerer werden, die Besitzer davon zu überzeugen, ihre Räume für ein Wochenende der Kunst zur Verfügung zu stellen, und das möglichst kostenfrei.

Auf der Langen Straße stellt zum ersten Mal seit Jahren wieder ein Künstler aus einer Pirnaer Partnerstadt beim Tag der Kunst aus, der Maler und Kunstprofessor Henning Eichinger aus Reutlingen. Er zeigt seine Bilder zusammen mit Volker Lenkeit, Petra Lorenz und Frank Voigt.

Teil des Tages der Kunst ist die Schaufenstergalerie, die im Grunde schon fast eine Dauereinrichtung ist. Mehr als vierzig Geschäfte beteiligen sich daran, und die Nachfrage, sagt Doris Schubert, sei groß. „Die Inhaber haben inzwischen erkannt, dass die Kunst eine gute Werbung sein kann.“ Auch Künstler profitieren natürlich von der prominenten Präsentation, manches Bild oder Objekt ist mitunter schon nach wenigen Tagen verkauft.

Straßengalerie mit 26 Künstlern

Volker Lenkeit betreut zudem die Straßengalerie in der Schmiedestraße, an der sich diesmal 26 Maler und Grafiker beteiligen. Darunter ist auch Hernando León. Es ist freilich ungewiss, ob der 86-Jährige, der vor Corona von Spanien nach Dresden geflüchtet ist, zum Tag der Kunst nach Pirna kommen wird. León hat dort aus Altersgründen endgültig seine Zelte abgebrochen, sein Atelierhaus steht wohl zum Verkauf.

Dafür werden an vielen anderen Stellen der Stadt kleine weiße Flaggen mit dem vor zehn Jahren von Jens Dauterstedt entworfenem Logo des Tages der Kunst wehen. Auch an der Galerie Vielfalt, aber dafür muss Brigitta M. Arnold noch einmal die Wackeltour auf der Leiter wagen.

Tag der Kunst in Pirna, 4. und 5. Juli, Sonnabend 11 bis 19 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr, alle Infos:

http://tag-der-kunst-pirna.de/

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