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Eingesperrt im Traumhotel

Ein italienischer Urlauber und seine Frau sind auf Teneriffa positiv auf Covid-19 getestet worden. Jetzt steht sein Hotel mit rund 900 Gästen unter Quarantäne.

Hotelgäste stehen auf den Balkonen des Hotels
H10 Costa Adeje Palace auf Teneriffa. Nach einem bestätigten Coronavirus-Fall ist das Hotel unter Quarantäne gestellt worden.
Hotelgäste stehen auf den Balkonen des Hotels H10 Costa Adeje Palace auf Teneriffa. Nach einem bestätigten Coronavirus-Fall ist das Hotel unter Quarantäne gestellt worden. © Uncredited/AP/dpa

Von Martin Dahms

Am Dienstagmorgen bekamen die Gäste in den 467 Zimmern des Hotels H10 Costa Adeje Palace einen Zettel unter die Tür geschoben. Auf Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch stand darauf: „Das Hotel ist aus sanitären Gründen geschlossen worden. Sie müssen so lange auf den Zimmern bleiben, wie es die Gesundheitsbehörden anordnen.“ Das traumhafte Vier-Sterne-Hotel im Südwesten Teneriffas war zum Gefängnis geworden. Rund um das Gebäude zog Polizei auf, die das Strandhotel mit Plastikbändern absperrte.

Der Auslöser für die Quarantäne ist ein neuer, der dritte Covid-19-Fall in Spanien. Ein 69-jähriger italienischer Arzt aus der Lombardei hatte gemeinsam mit seiner Frau eine Woche Urlaub im Costa Adeje Palace verbracht, als er Symptome einer Grippe an sich bemerkte. Er ging zum Arzt, und am Montagnachmittag bestätigte das Universitätskrankenhaus der Inselhauptstadt Santa Cruz de Tenerife den Verdacht auf Covid-19. Der Arzt und seine Frau befinden sich seitdem isoliert in einem Krankenhaus auf der Insel. Am Dienstagnachmittag wurde auch die Erkrankung der Frau durch die Gesundheitsbehörden bestätigt.

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An der Hotelrezeption nahm am Dienstag niemand das Telefon ab. Auch in der Zentrale der Hotelkette H 10 in Barcelona gab es keine Informationen über die Lage innerhalb der luxuriösen Anlage mit ihren vier Schwimmbädern und zwei Whirlpools, sieben Restaurants und Bars – und direktem Zugang zum Strand, normalerweise. Ob deutsche Gäste im Hotel sind, wusste in Barcelona niemand zu sagen. Einige britische Gäste setzten sich mit Medien ihres Heimatlandes in Kontakt: Sie hätten jetzt, wo sie eingeschlossen seien, größere Angst sich anzustecken, sagten David Hoon und Pamela Scott zur Daily Mail.

Auch Angestellte müssen bleiben

Das Fachblatt Hosteltur berichtete am Dienstag, dass 890 Touristen im Costa Adeje Palace festsäßen. Einer von ihnen, der Brite Christopher Betts, erstellte ein kurzes, von Reuters verbreitetes Video, in dem er unter anderem erzählt: „Das Hotel funktioniert normal, aber wir kommen nicht raus. An jeder Tür stehen Polizisten. Das Personal ist sehr freundlich, es tut alles, was es kann, um uns zu helfen, und wir haben normal frühstücken können.“ Myriam Kelly vom Verband der Zimmermädchen Las Kellys sagte, dass die 30 Beschäftigten der Nachtschicht am Morgen erfahren hätten, dass sie das Hotel nicht verlassen dürften.

Die Hotelkette H 10 beschränkte sich auf eine knappe Pressemitteilung. Man befolge alle Vorgaben der Gesundheitsbehörden, um die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen im Hotel sicherzustellen. „Wir geben Kunden und Hotelbelegschaft alle nötige Fürsorge und Aufmerksamkeit”, so dass sie trotz den Unannehmlichkeiten „bestmöglich betreut” seien.

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Die kanarischen Gesundheitsbehörden berichteten, dass nun diejenigen Personen, die engeren Kontakt mit dem erkrankten Italiener hatten, untersucht würden. In Spanien hatte es bisher zwei Covid-19-Fälle gegeben: den eines deutschen Urlaubers auf Gomera und den eines britischen Residenten auf Mallorca. Beide Männer sind wieder gesund, ohne weitere Ansteckungen verursacht zu haben. Die Sprecherin der spanischen Regierung, María Jesús Montero, sagte am Dienstagmittag: „Spanien hat ein qualifiziertes und gut vorbereitetes Gesundheitssystem.” Die Regierung verfolge die Lage und werde, nach den jeweiligen Erfordernissen, „mit Augenmaß, Verhältnismäßigkeit und Transparenz” handeln.