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Einheimische Kirschen sind Mangelware

Die Ernte fällt mager aus – auch im Landkreis Bautzen. Doch das liegt nicht allein am kalten und nassen Frühjahr.

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Von Matthias Klaus, Gabriele Nass und Madeleine Siegl-Mickisch

Karla Kitsche wartet auf die Kirschen. „Wir haben in dieser Saison tatsächlich noch nicht eine angenommen“, erzählt die Frau von der Laubaer Kelterei Kekila. „Es hängen kaum Früchte an den Bäumen.“ Bernhard Stolle bestätigt das. Der Obstbauer aus Schirgiswalde hat auf neun Hektar Kirschbäume stehen. In einem guten Jahr könnte er da schon mal 40 bis 50 Tonnen ernten, sagt Stolle. „Aber das hatten wir schon seit zehn Jahren nicht mehr.“ Während voriges Jahr viele Kirschen aufplatzten, fielen sie dieses Jahr Anfang Juni einfach herunter. „Die Kerne waren zum Teil hohl“, hat Stolle festgestellt.

Der Mai sei einfach zu kühl und zu dunkel gewesen. So rechnet Stolle diesmal nur mit einer mageren Ernte von vielleicht drei Tonnen. Das sei noch schlechter als bei den Erdbeeren, die bei Stolle-Obst noch bis letzten Sonnabend gepflückt wurden. Immerhin wurden da etwa zwei Drittel der Vorjahresernte erreicht. Dass Kirschen dieses Jahr rar sind, das ist auch in den Kleingärten zu beobachten. „Bei meiner Nachbarin im Garten steht ein schöner großer Baum, aber es sind ganz wenig Früchte drauf“, sagt Volkmar Paidok, der Vorsitzende des Bautzener Territorialverbandes der Gartenfreunde. Ein mageres Kirschen-Jahr gibt es 2013 aber nicht nur in der Oberlausitz, sondern offensichtlich in ganz Deutschland.

Das Statistische Bundesamt prophezeit jedenfalls eine „unterdurchschnittliche Kirschenernte“. Zwar soll die Menge noch über der von 2012 liegen – bundesweit gesehen –, aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. „Verursacht werden die Einbußen je nach Region durch lang anhaltende Kälte und Nässe im Frühjahr“, heißt es vom Statistischen Bundesamt. Schlechte Blütenbildung und verminderter Insektenflug seien Folgen gewesen.

Franz Löffelholz, Chef vom Regionalverband der Kleingärtner in Bischofswerda und Umgebung, will die Probleme gar nicht nur dem Wetter zuschieben. „Man wird des Ungeziefers nicht mehr Herr“, sagt Löffelholz. Ohne chemische Keule werde man im kleinen Garten kaum noch Kirschen ernten können. Handelsübliche Mittel seien kaum tauglich. Nur große Plantagen mit ihren Möglichkeiten hätten noch gute Chancen, dem Ungeziefer an der Kirsche beizukommen. Eines der großen Probleme sei die Kirschfruchtfliege.

Egal ob Wetter oder Ungeziefer schuld sind – dass es dieses Jahr wenig Kirschen gibt, bekommt auch Klaus Jäger, Chef der Kelterei Dressler in Denkwitz, zu spüren. Auch bei ihm wurden bisher kaum Kirschen zum Entsaften abgeliefert. Er erwartet dieses Jahr generell keine gute Ernte. Selbst bei Äpfeln sehe es nicht allzu üppig aus, habe er schon von vielen Kunden gehört, die regelmäßig Obst aus ihrem Garten zu ihm bringen. „Da werde ich wohl zukaufen müssen.“

Kekila in Lauba kauft generell zu – gerade auch bei Sauerkirschen, die aus ganz Europa kommen. Sonst reicht es für die Saftherstellung nicht – egal, ob es ein gutes oder schlechtes Kirschenjahr in der Oberlausitz ist. Ob weniger Kirschen am Ende zu höheren Preisen beim Kirschsaft führen – Karla Kitsche kann es noch nicht sagen. „Bisher haben wir von unseren Zulieferern noch keine entsprechende Meldung bekommen“, sagt sie. Auch bei Linke Fruchtsäfte in Neugersdorf werden Kirschen zugekauft – aus Deutschland, vor allem aber aus Polen, ein kleinerer Teil auch aus Ungarn. „Nur mit den Früchten, die bei uns aus der Region abgegeben werden, funktioniert es nicht“, sagt der Chef Rene Linke.