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Einige Übungen im Rätselraten

Eine Vorstellung vom Verschlüsselungssystem Elisabeths vermitteln diese drei abgebildeten Worte. Sie bedeuten „Verräterei“, „Freunde“ und „Herzog August“. Um einen auf diese Weise geschriebenen Brief entziffern zu können, brauchte der Empfänger einen Nomenklator.

Eine Vorstellung vom Verschlüsselungssystem Elisabeths vermitteln diese drei abgebildeten Worte. Sie bedeuten „Verräterei“, „Freunde“ und „Herzog August“. Um einen auf diese Weise geschriebenen Brief entziffern zu können, brauchte der Empfänger einen Nomenklator. Also eine Tabelle mit einem Geheimtextalphabet und einer Anzahl von Codewörtern. Grundsätzlich lässt sich das Geheimalphabet entschlüsseln, „denn der Großteil der Nachricht kann durch Häufigkeitsanalyse entschlüsselt werden und Kryptoanalytiker können Wörter aus dem Textzusammenhang herausfinden“.

Eine der wenigen Abbildungen Elisabeths aus dem Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden. Repro: SZ
Eine der wenigen Abbildungen Elisabeths aus dem Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden. Repro: SZ

Neben der Geheimsprache für ihre Korrespondenz ist auch die „normale“ Schriftsprache der Elisabeth von großer Aussagekraft. Ihr eigenwilliger Charakter schlug sich auch in „ganz eigenen Schreib- und Sprachgewohnheiten nieder“, erklärt der Historiker André Thieme. Sie scherte sich nicht um die gültige Kanzleisprache der höfischen Verwaltungen. „Prinzipiell neigte Elisabeth dazu, zusammengehörige Wortbestandteile getrennt zu schreiben: etwa forscht sam = furchtsam oder vor botten = verboten.“

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Lehn- und Fremdwörter schrieb sie nach dem Hörensagen, also etwa bobest = Papst und kesser = Kaiser. „Konsequent verzichtete Herzogin Elisabeth zudem auf Satzzeichen und Absätze.“ Das heißt, dass Satz- und Sinnzusammenhänge rekonstruiert werden müssen. „Die urpersönliche Rechtschreibung der Herzogin Elisabeth, die zunächst einige Übungen im Rätselraten voraussetzt, ist der Hauptgrund für die schwierige Entzifferung ihrer Briefe“, schrieb Elisabeth Werl, die als erste in den 1930er Jahren Forschungen über die Fürstin angestellt hatte.

Ein Teil der 2 000 überlieferten Briefe Elisabeths wurde 2010 veröffentlicht. Am „Rest“ wird derzeit im Dresdner Institut für Geschichte und Volkskunde gearbeitet. (SZ/ul)