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Einigung bei Teigwaren Riesa

Streiks, mehrere Chef-Wechsel, ein Hausverbot: Anderthalb Jahre war um Tarifverträge gekämpft worden. Jetzt hat man sich gefunden.

Aktuelle und ehemalige Betriebsräte der Teigwaren Riesa - in der Mitte Vorsitzender Frank Meyer.
Aktuelle und ehemalige Betriebsräte der Teigwaren Riesa - in der Mitte Vorsitzender Frank Meyer. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Weil Corona kam, mussten die Tarifverhandlungen warten. Die Nachfrage nach Nudeln aus Riesa war im März förmlich explodiert - von einem Tag auf den anderen auf das fünffache. "Da hatten wir alle Hände voll zu tun, um die Bedürfnisse des Handels zu decken", sagt Geschäftsführer Mike Hennig. Gespräche mit der Gewerkschaft seien wegen der Kontaktbeschränkungen damals ohnehin nicht mehr möglich gewesen. 

Und für das Telefon war das Thema wohl zu sensibel: Anderthalb Jahre hatten die Gewerkschaft NGG und das Unternehmen Teigwaren Riesa mit harten Bandagen um einen Tarifvertrag gekämpft. Mehrfach hatte es Streiks im Werk gegeben. Gegenseitig waren schwere Vorwürfe erhoben worden, die Geschäftsführung hatte gleich mehrfach gewechselt. Und ein früherer Betriebsratsvorsitzender erhielt sogar Hausverbot.

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In Summe ein zweistelliges Lohn-Plus

Heute dagegen sitzen Betriebsratschef Frank Meyer und Geschäftsführer Mike Hennig wieder einträchtig am Tisch: Am Freitag wurde als letzter offenen Posten nun auch der Entgelt-Tarifvertrag unterzeichnet. Damit erhalten die 135 Mitarbeiter der Teigwaren rückwirkend zum 1. April ein Lohnplus von drei Prozent. "2019 hatte es aber schon sieben Prozent mehr gegeben. Zusätzlich erhielten viele Mitarbeiter durch eine neue Eingruppierung mehr, das macht in Summe ein zweistelliges Plus", sagt der Geschäftsführer.

2019 war zudem ein neuer Manteltarif abgeschlossen worden, der etwa Schichtzuschläge, Weihnachtsgeld, 30 Urlaubstage vorsieht.  Im Branchenvergleich stehe man damit vergleichsweise gut da, sagt Hennig.

Und für diese Lösung brauchte es gut anderthalb Jahre? Schwierig sei es vor allem gewesen, für alle Tätigkeiten im Unternehmen eine Entgelt-Gruppierung zu schaffen. "Vorher gab es Fälle, dass Mitarbeiter für ein und dieselbe Arbeit ganz unterschiedlich bezahlt wurden", sagt Betriebsrat Meyer. Deshalb hatte man für jede Entgeltgruppe nun detailliert die ausgeführte Tätigkeit, notwendige Erfahrungen und Ausbildungen definieren müssen. "So was lässt sich nicht in fünf Minuten verhandeln", sagt Geschäftsführer Hennig.

Mike Hennig wurde mitten in den Verhandlungen Geschäftsführer bei den Teigwaren Riesa.
Mike Hennig wurde mitten in den Verhandlungen Geschäftsführer bei den Teigwaren Riesa. © Sebastian Schultz

Als Ziel hatten sich die Vertragspartner eigentlich Ende März 2020 gestellt. Aber da kam Corona dazwischen. Als systemrelevanter Betrieb habe man die Tarifverhandlungen abbrechen müssen, um die Versorgung des Lebensmittelhandels sicherzustellen. Das betriebseigene Lager in Größe von zwei Handballfeldern sei zum ersten Mal seit Jahren komplett leergefegt gewesen. Noch heute sei die Nachfrage überdurchschnittlich, weil der Handel erst wieder seine Zentrallager mit Nudeln füllen muss.

Vom neuen Tarifvertrag profitieren allerdings nicht alle, die im Areal an der Merzdorfer Straße arbeiten: Das Nudelcenter samt Gaststätte mit knapp 20 Mitarbeitern war zuvor ausgegliedert worden. Auch deren Mitarbeiter sollen aber an der Entwicklung teilhaben - im Rahmen einer Betriebsvereinbarung. Nudelcenter und Restaurant sind längst wieder geöffnet, nur die Führungen in der Produktion sind noch nicht wieder möglich.

Neue Maschinen für Riesa

"Für uns ist es wichtig, in die Zukunft zu schauen", sagt Hennig. Man brauche einen funktionsfähigen Betrieb mit motivierten Mitarbeitern, um den Markt beliefern zu können. "Und wir wollen den Standort Riesa nicht nur erhalten, sondern ausbauen - das haben wir immer gesagt", so Hennig. Jetzt wolle man hier wieder investieren, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Auch hier hatte Corona für Verzögerung gesorgt: Nudelmaschinen werden vor allem in Italien hergestellt: von dort konnten zeitweise weder Planer anreisen noch war die Lieferung von Teilen möglich.

Und wie ist die Stimmung unter den Kollegen? "Allen kann man es nie recht machen", sagt Betriebsrat Meyer. "Aber der überwiegende Teil der Kollegen kann damit leben." Der nun geschlossene Vertrag gilt nur bis Ende Juni 2021. "Im nächsten Jahr werden wir über eine Erhöhung reden."

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