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Einigung nach Treppenunfall

Ein Bautzener lieferte sich nach einem Sturz auf kaputten Stufen vor seinem Haus monatelang mit dem Vermieter einen Papierkrieg. Nun gab es eine Überraschung.

Von Stefan Schramm

Eigentlich wollte Frank Müller doch nur seinen Müll wegbringen. Wie jeden Morgen. Doch auf dem Rückweg von der Mülltonne wieder hinein in seine Erdgeschosswohnung auf der Gustav-Hertz-Straße in Gesundbrunnen stürzte der 53-Jährige auf der maroden Treppe vorm Hauseingang und verletzte sich. Daraus entwickelte sich ein langwieriger Rechtsstreit mit dem Vermieter, der Bautzener Mietergenossenschaft Gaia. Jetzt ging er zu Ende – mit einem außergerichtlichen Vergleich.

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„Bin ich froh, dass die Sache vorbei ist“, freut sich Frank Müller. Der Konflikt habe ihn eine Menge Nerven gekostet. Ab dem ersten Moment. „Die Treppe war völlig verschlissen“, erinnert er sich. Der Beton sei von den Stufen gebröckelt, die Trittflächen waren in desolatem Zustand und auch das Geländer war nicht mehr fest. Beschwert habe man sich bei der Genossenschaft mehrfach. Denn es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis dort mal jemand hinfällt. Am 23. Mai 2013 war es dann soweit. „Ich bin mit dem Fuß abgerutscht und schon lag ich auf der Treppe“, berichtet Frank Müller.

Der Arzt diagnostizierte Schulter- und Rückenprellungen, schrieb ihn für mehr als eine Woche krank. Ärgerlicher war für den Arbeitslosen aber eine finanzielle Folge: Er konnte wegen seiner Verletzungen eine lange geplante Reise in die Niederlande nicht antreten und blieb auf den Flugkosten nach Düsseldorf sitzen, denn die schon bezahlten Tickets waren als günstige Sonderangebote nicht mehr stornierbar.

Deshalb meldete Frank Müller den Unfall und bat den Vermieter, die 98 Euro für die Billigflugtickets zu begleichen, doch der stellte sich quer. Eigene Unachtsamkeit habe den Unfall verursacht, nicht etwa der Zustand der Treppe, hieß es in einem Schreiben der Anwälte der Genossenschaft vom August 2013. Mittlerweile hat sich ein Hefter voll mit Papierkram angesammelt. „So ein Wahnsinn. Über jeden Brief regt man sich neu auf. Ich dachte, das wird unbürokratisch und schnell geregelt“, sagt Müller. Stattdessen blieben die Fronten verhärtet – trotz des für einen Großvermieter eher geringen Geldbetrags, um den es ging. Frank Müller forderte 460 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld. Für vorgestern war am Amtsgericht der Termin für eine Güteverhandlung vorgesehen.

Kurz zuvor dann die Überraschung: Die Gegenseite schlug als Vergleich die Zahlung von 230 Euro vor – genau die Hälfte des Streitwerts. Müller und sein Anwalt nahmen das Angebot an. Das Gericht bestätigte die gütliche Einigung und hob den Termin auf. „Ich denke, die Berliner Anwälte wollten wegen einer 20-minütigen Verhandlung am Gründonnerstag nicht nach Bautzen kommen“, mutmaßt Müller über mögliche Gründe für die Kehrtwende.

Heute hat er keine Beschwerden mehr von seinem Treppenunfall. Und die Gefahr für einen neuerlichen Sturz ist nun auch vorerst gebannt. Die Gaia ließ Ende 2013 in ihren Häusern über 70 Treppen erneuern, auch in der Gustav-Hertz-Straße bei Frank Müller. Der wertet das als Eingeständnis, dass die Stufen kaputt waren. Die Genossenschaft ließ schriftliche Nachfragen zu dem Vorfall unbeantwortet. Auch telefonisch war dazu niemand zu sprechen.