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"Ich bin froh, dass es jetzt wieder losgeht"

Die Einzelhändler und Baumärkte in der Region atmen auf. Die Kunden kommen wieder, stehen teils Schlange. Es gibt aber auch nachdenkliche Töne.

Der Obimarkt in Pirna war am Montag sehr begehrt.
Der Obimarkt in Pirna war am Montag sehr begehrt. © Norbert Millauer

Es geht wieder los: das Einkaufen. Nach Wochen des verordneten Einkaufsstopps können Kunden endlich wieder in den Geschäften kaufen. Jedenfalls wenn sie nicht größer als 800 Quadratmeter sind. Und wenn Kunden und Personal Mundschutz tragen. Am Montag kam vor dem einen oder anderen Geschäft noch eine Schlange dazu. Mit Maske und Warten jedoch scheint am ersten Tag der neuen Einkaufskultur kaum jemand ein Problem gehabt zu haben. Ein Resümee.

Baumärkte: Es gibt immer was zu bauen

Montag , 9.50 Uhr: Der Parkplatz des Obi-Baumarktes in Pirna ist rappelvoll. Mindestens 30 Kunden stehen Schlange, denn mehr als 100 Personen dürfen sich nicht im Markt aufhalten. Genörgelt wird nicht. Im Gegenteil, die Kunden freuen sich, dass die Baumärkte wieder öffnen dürfen. Werner Berge aus Dohma ist bereits fündig geworden. Er brauchte ein Wasserrohr und Anschlüsse für seinen Garten. Außerdem hat er gleich noch ein paar  Geranien mitgenommen. "Schön, dass wir jetzt wieder einkaufen können", sagt er. Den notwendigen Mundschutz hatte er bereits seit zehn Jahren. "Jetzt kommt er das erste Mal zum Einsatz", sagt Berge.

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Im Obi-Markt gelten strikte Vorschriften. Eingelassen wird nur, wer Mund-Nasen-Schutz trägt. "Den haben die meisten. Wir mussten aber auch einen Herren darauf aufmerksam machen, dass der Schutz ebenfalls die Nase bedecken muss. Er kam der Aufforderung sofort nach", sagt Marktleiterin Claudia Kappis. Die Kunden seien sehr diszipliniert und verständnisvoll. Zwei Türsteher achten am Eingang nicht nur auf die Mundschutzpflicht, sondern desinfizieren auch den Griff des Einkaufswagens, ohne den auch niemand reinkommt. Der Wagen sorgt automatisch für den Sicherheitsabstand von zwei Metern. Im Markt achten die Mitarbeiter auch darauf.

Disziplin ist ebenso in der langen Warteschlange vor dem Eingang angesagt. Ein Ehepaar aus Pirna übt das seit 15 Minuten. "Das nehmen wir gern in Kauf. Wir sind nur dankbar, dass hier wieder einkaufen können und somit in unserem Garten weiterkommen", sagt die Dame, die sich dann ihren Mundschutz aufsetzt, weil sie und ihr Mann jetzt an der Reihe sind.

Der Markt hat seit 8 Uhr geöffnet. Und seitdem erlebt er einen Ansturm, sagt  Marktleiterin  Claudia Kappis. Besonders begehrt seien Gartenartikel, wie Blumenerde und Frühblüher aber auch Estrich." Bevor die Regale leer sind, wurde schon nachbestellt. 

Die Wiedereröffnung der Baumärkte schient für ganz Neustadt und Umgebung wohl das Wichtigste gewesen zu sein. 8.30 Uhr ist der Parkplatz vor dem BHG hagebaumarkt in Neustadt knackend voll. Viele Kunden sind mit Hänger unterwegs. Da es weniger Einkaufswagen gibt, sind sie begehrt. Abstand halten, war da schnell vergessen. Sicherheit gab einzig der junge, freundliche Mann am Eingang. Er kontrollierte die Maskenpflicht und desinfizierte die Wagen bei denen, die keine Handschuhe trugen. An ihm kam keiner vorbei, auch nicht der grauhaarige Herr mit Hut und Lodenjacke. Keine Maske, kein Zutritt. "Habens sie nicht ein Tuch oder einen Schal?", fragte der Kontrolleur freundlich. Nein, habe er nicht und er wolle jetzt rein, beharrte der Mann. Die Diskussion nutzte ihm nichts. Er muss wohl ein anderes Mal wieder kommen. Er blieb aber fast die Ausnahme. Die meisten Kunden hatten ihren Mundschutz dabei. Besonders begeht waren Baumaterial und Gartenartikel.

Eine Kundin hatte ihre Einkäufe gleich mit der Schubkarre erledigt. Gisela Mehnert hat einen Kleingarten nebenan. "Das ist sonst praktisch. Aber während der Schließzeit, blieb nur der Blick über den Gartenzaun", sagt sie. Dafür habe sie beobachtet, wie fleißig die Mitarbeiter unterdessen die Blumen und Pflanzen gepflegt haben. Gisela Mehnert hat Geranien gekauft. Eigentlich wollte sie noch etwas mehr. Doch auch im hagebaumarkt wartet man noch auf Nachschub.

In der Holzabteilung ist Matthias Winter auf der Suche nach einem Spielhaus für seinen Sohn. "Ich bin auf Kurzarbeit und müsste eigentlich sparen. Aber etwas Sinnvolles will man ja trotzdem tun", sagt er. Die Einführung der Maskenpflicht hält er für richtig. "Diskutiert wird ja schon lange darüber, also hatte auch jeder Zeit, sich so etwas anzuschaffen oder zumindest ein Tuch umzubinden, sagt er. Kritisch sieht er jedoch die Kontrollen. Beim hagebaumarkt gab es die. In anderen Einkaufsmärkten jedoch nicht. Da weisen nur Schilder daraufhin.

Werner Petzold aus Putzkau bei Bischofswerda hat im hagebaumarkt Neustadt zehn Säcke Rindenmulch für den Garten gekauft.
Werner Petzold aus Putzkau bei Bischofswerda hat im hagebaumarkt Neustadt zehn Säcke Rindenmulch für den Garten gekauft. © Daniel Schäfer

Innenstadt Pirna: Direkt statt Gutscheine und Internet

Belebt ist am Montagvormittag auch Pirnas Innenstadt, die bis vor Kurzem noch wie ausgestorben wirkte. Die meisten der kleineren Einzelhandelsläden haben geöffnet. So auch die Buchhandlung von Steve Gladrow in der Dohnaischen Straße. "Für uns Händler ist es enorm wichtig, dass wir jetzt wieder öffnen dürfen", sagt der Inhaber. Zwar konnte er in den vergangenen vier Wochen, in denen sein Geschäft schließen musste, einige Bücher online verkaufen, aber das sei nicht sein Ziel. "Es geht mir um die Beratung und um das Gespräch mit dem Kunden."

Steve Gladrow hat seine Buchhandlung in Pirna wieder aufgemacht.
Steve Gladrow hat seine Buchhandlung in Pirna wieder aufgemacht. © Norbert Millauer

Da das komplette Ostergeschäft sowie auch Geschenk-Einkäufe für Jugendweihen und Konfirmationen weggefallen seien, schätzt Gladrow seine Umsatzeinbuße auf weit über 10.000 Euro ein. Zwar wurde ihm die Soforthilfe des Staates bereits bewilligt, das sei letztlich aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Denn auch die Tourismusbranche ist komplett weggebrochen. Bei uns kaufen sonst viele Gäste ein", sagt Gladrow. Und er hat noch ein weiteres Problem. Da seine Frau ebenfalls arbeitet, muss er auch seine beiden Kinder betreuen. Der jüngere Sohn Luis ist deshalb mit ins Geschäft gekommen. Langweilig dürfte es ihm nicht werden, er hat genug zum Schmökern...

Zur Wiedereröffnung des wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Modegeschäftes „Absolut Britt“ im Alten Bahnhof in Pirna präsentiert Inhaberin Britt Schramm ein sommerliches Damenkleid.
Zur Wiedereröffnung des wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Modegeschäftes „Absolut Britt“ im Alten Bahnhof in Pirna präsentiert Inhaberin Britt Schramm ein sommerliches Damenkleid. © Norbert Millauer

Überlegen, wer betreut die Kinder, muss  Britt Schramm nicht. Sie ist die Inhaberin des Bekleidungsgeschäfts "Absolut Britt" im Alten Bahnhof. Mit den Frühlingsblumen und den zwei weißen Liegenstühlen am Eingang heißt das Geschäft die Kunden willkommen.  Auch sie atmet auf, dass sie nach gut vierwöchiger Zwangspause jetzt wieder öffnen darf.  Es hat sie hart getroffen, da März und April normalerweise die umsatzstärksten Monate sind. Schramm rechnet mit einem Verlust von 70.000 bis 100.000 Euro. Zwar konnte sie während der Schließzeit Gutscheine verkaufen, das kompensiere jedoch nicht das entstandene Minus. "Glücklicherweise habe ich treue Stammkunden und einen Vermieter, der mir Stundung der Mietzahlung angeboten hat", sagt die Geschäftsfrau. 

Neustadt: Gewohnte Umgebung neu entdecken

Der in den letzten Tagen wie leer gefegte Neustädter Markt belebte sich am Montag auch wieder. Alle Geschäfte haben hier geöffnet. Am ersten Tag war das Kaufverhalten noch eher zurückhaltend. Die Geschäfte wurden vielmehr genutzt, um die offenbar vermisste gewohnte Umgebung wieder neu zu erkunden. Andrea Hennig schaute sich die Auslagen im ABC-Schuhgeschäft an. "Ich hätte auch online bestellen können. Aber mir ist die Beratung vor Ort wichtig. Außerdem wollen wir ja unsere Händler unterstützten", sagt sie. Vor den Geschäften werden die Kunden auf die Verhaltensregeln hingewiesen. Und wer die übersieht, bekommt den Hinweis der Verkäufer. Im Großen und Ganzen hätten sich die Kunden aber daran gehalten, so das Fazit in Neustadt. 

Sebnitz: Geht es gemächlich an

In Sebnitz fährt das Leben langsamer wieder hoch. Der Marktplatz ist zwar etwas voller, doch vor den Geschäften drängelt sich niemand. Das könnte erst am Mittwoch und Freitag, den traditionellen Sebnitzer Wochenmarkttagen, der Fall sein. Einige die unterwegs waren, kommen gleich mit Mundschutz. "Das ist doch praktisch, bevor ich erst jedes Mal das Ding zurecht fummeln muss", sagt Eleonore Schwarzbach. Sie wartet mit ihrer Enkelin vor dem Spielwarengeschäft in der Schandauer Straße. Auf eine Bestellung im Internet hat sie verzichtet. Die Enkelin soll sich die Puppe im Geschäft aussuchen. "Wir hatten ja alle gehofft, dass es am Montag wieder losgeht", sagt die Rentnerin. Das Kaufverhalten ist insgesamt am ersten Tag eher zurückhaltend. Nur bei Connys Container gehen Blumenkästen und Gartenartikel weg wie warme Semmeln.

Steffi Sturm, die Vorsitzende des Sebnitzer Gewerbevereins freut sich für alle Händler, dass es wieder losgeht, auch in ihrem Uhren- und Schmuckgeschäft. Sie weiß, wie dringend notwendig es für die Sebnitzer Geschäfte ist, wieder öffnen und verkaufen zu können. Um die Zeit zu überbrücken, hatte der Gewerbeverein mit Gutscheinaktionen geworben. Bereits am Wochenende waren die meisten Geschäftsleute vor Ort, um Willkommens-Schilder anzubringen sowie die notwendigen Verhaltensregeln. Fazit: Die Kunden haben sich daran gehalten. 

Vor allem Gartenartikel waren in Sebnitz gefragt, wie bei Connys Container.
Vor allem Gartenartikel waren in Sebnitz gefragt, wie bei Connys Container. © Daniel Schäfer

Bad Schandau: Hoffen auf Touristen

Auf Bad Schandaus Marktplatz war es am Montagmittag noch etwas ruhig. Dafür war in den Seitenstraßen, wo sich die meisten Geschäfte befinden wieder mehr los. "Schön, dass wieder Leute hier sind. In den letzten Wochen war es doch recht einsam", sagt Anwohnerin Henriette Kaubisch. Sie hoffe für die Geschäftsleute, dass die Durchhalten und vor allem wieder an Umsätze kommen. Davon ist man wohl auch hier noch weit entfernt. "Geld bringen die Touristen. Und die kommen ja nach wie vor nicht wegen der geschlossenen Hotels und Pensionen ", sagt eine Geschäftsfrau. Sie hoffe deshalb auf die Kunden aus Dresden.

Rathmannsdorf: Kein freier Parkplatz

Anders dagegen bei der RHG in Rathmannsdorf. Kein freier Parkplatz mehr um die Mittagszeit. Hastig eilen die Kunden hin und her. Vor lauter Aufregung haben einige wohl nur an die Maskenpflicht, aber nicht mehr an die Abstandspflicht gedacht. Vor allem Baumaterial, Gartenwerkzeug sowie Pflanzen stehen bei den Kunden hoch im Kurs. "Ich finde es zwar gut, dass die Baumärkte wieder öffnen dürfen. Aber wenn ich das so sehe mit den vielen Menschen auf einem Haufen, klar alle mit Mundschutz, habe ich doch so meine Bedenken", sagt Yvonne Pietzsch. Sie habe lieber ihren Mann reingeschickt, weil es doch alles bissel zuviel sei. 

Ronald Lerch aus Bad Schandau lädt am RHG-Markt in Rathmannsdorf zwei Blumenampeln für seine Frau ein.
Ronald Lerch aus Bad Schandau lädt am RHG-Markt in Rathmannsdorf zwei Blumenampeln für seine Frau ein. © Daniel Schäfer

Berggießhübel: Ausverkauf im Schuhgeschäft

Damit hatte Ramona Schönfeld nicht gerechnet: Lange Schlangen geduldig wartender Kunden vor ihrem Schuhgeschäft in Berggießhübel. Da mag wohl auch eine Rolle gespielt haben, dass ihr Ausverkauf begann. Das habe sich wohl herumgesprochen, sagt sie. Es stehen Stühle für die Älteren bzw. die, die sich setzen wollen. Am Eingang steht ihr Sohn und wacht darüber, dass nicht zu viele im Laden sind und jeder seinen Schutz trägt. Auf einem kleinen Tisch steht zusätzlich Desinfektionsmittel. Die Leute warten mit Abstand und geduldig. Es ist der einzige Laden mit so einem Andrang. In kleineren Orten wie Berggießbübel, Bad Gottleuba oder auch Dohna wird deutlich, dass es eben auch leider kaum noch viele Geschäfte gibt. Die Friseure müssen noch zwei Wochen warten. 

Ob stehend oder sitzend: Warten am Schuhgeschäft von Ramona Schönfeld in Berggießhübel
Ob stehend oder sitzend: Warten am Schuhgeschäft von Ramona Schönfeld in Berggießhübel © Heike Sabel

Heidenau: Wer kommt, kauft auch

Im NKD an der Stadtgrenze zwischen Heidenau und Dohna dürfen maximal 14 Leute rein, am Vormittag ist es mitunter gar niemand. Eine Frau kommt gerade mit einem vollen Einkauf heraus. Die Verkäuferinnen sind tiefenentspannt, sagt eine. Die andere räumt gerade die Ware vorm Eingang zurecht. Die Kunden kommen noch, sind sie sicher. Das werde noch mehr. Viele denken vielleicht, am Anfang sind es zu viele Leute überall, lautet eine der Vermutungen. 

Erst lesen, dann einkaufen: Hier beim NKD in Heidenau, an der Stadtgrenze zu Dohna.
Erst lesen, dann einkaufen: Hier beim NKD in Heidenau, an der Stadtgrenze zu Dohna. © Heike Sabel

An der Heidenauer Bahnhofstraße stehen ein paar Leute vorm Tedi-Laden und warten, rein zu dürfen. Die meisten tragen schon beim Warten ihren Schutz. Nebenan beim Kik am Vormittag kaum jemand im Laden. Schließlich können die Leute ja nicht überall gleichzeitig sein.

Cölestina Urban macht in ihrem Modeladen auf der Heidenauer Ernst-Thälmann-Straße die Erfahrung: Wer jetzt kommt, kauft auch. Nur mal so gucken und bummeln, ist im Moment nicht. Vielleicht, weil doch viele das Geld zusammenhalten angesichts unsicherer Zukunft. Vielleicht auch, weil man sich nicht so zum Spaß anstellt. Das muss bei Cölestina Urban niemand, auch wenn maximal vier Leute in den Laden dürfen. Die Händlerin spürt den Druck, der seit Beginn des Jahres auf ihr lastet. Der Januar und Februar waren mies, sagt sie. "Der März fing doof an, die letzte Woche, wo wir offen hatten, stieg der Umsatz." Sie ist froh über die 9.000 Euro Unterstützung vom Staat. Die haben ihr etwas über die Runden geholfen. Nun liegt es an den Kunden, wie es weitergeht. 

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