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PLUS Radebeul

Einkaufen mit Giffey, Zuhören bei Schäuble

Die Bundesfamilienministerin und der Bundestagspräsident besuchten kurz hintereinander Radebeul.

Das Nudossi-Glas weckt bei Franziska Giffey Kindheitserinnerungen, sagt sie. Die Bundesfamilienministerin hat am Donnerstag zusammen mit der Radebeulerin Annelie Naumann eingekauft im Supermarkt des Löma Centers.
Das Nudossi-Glas weckt bei Franziska Giffey Kindheitserinnerungen, sagt sie. Die Bundesfamilienministerin hat am Donnerstag zusammen mit der Radebeulerin Annelie Naumann eingekauft im Supermarkt des Löma Centers. © Arvid Müller

Radebeul. Blumenkohl mit gebackenem Ei drüber. Das kennt Franziska Giffey (SPD) in dieser Kombination noch nicht. „Schmeckt wunderbar“, klärt Annelie Naumann die Bundesfamilienministerin beim gemeinsamen Einkaufsbummel im Rewe im Löma-Center auf. Ein normaler Wocheneinkauf ist das natürlich nicht. Die Ministerin macht im Rahmen ihrer Sommertour Halt in Radebeul, um sich hier über das Projekt „Engagierte Stadt“ und den vom Familienzentrum organisierten Einkaufsdienst zu informieren. Einmal in der Woche werden Radebeuler Senioren mit einem Kleinbus zu Hause abgeholt und zum Supermarkt gebracht. Dann können sie eine Stunde in Ruhe einkaufen, bevor der Bus sie wieder bis zur Haustür bringt und der Fahrer die schweren Tüten in die Wohnung trägt.

Wenn die Bundesfamilienministerin dabei ist, läuft so ein Einkauf ausnahmsweise nicht sehr ruhig ab. Die beiden werden von einer Menschenkolonne quer durch den Markt verfolgt. Ministeriumsmitarbeiter und Hauptstadtjournalisten, mit denen Giffey unterwegs ist. Mikrofone von rbb und Deutschlandfunk sind auf die Frauen gerichtet, bei jedem Handgriff werden sie fotografiert. Obwohl ja eigentlich die Seniorin einkaufen soll, sticht auch der Ministerin etwas ins Auge, das sie unbedingt haben möchte: ein Glas Nudossi. Das war als Kind etwas ganz Besonderes, wenn es das mal gab, erzählt sie den mitgereisten Berliner Journalisten. „Wie, das kennt ihr nicht? Das ist das Ost-Nutella“, erklärt Giffey, die in Fürstenwalde an der Spree aufwuchs.

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Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach am Mittwochabend vor rund 150 Gästen im Goldenen Anker. 
Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach am Mittwochabend vor rund 150 Gästen im Goldenen Anker.  © Arvid Müller

Wie wichtig der Einkaufsdienst ist, erzählt Christine Krause, die das kostenlose Angebot ebenfalls regelmäßig nutzt. „Ich wohne einen halben Kilometer oberhalb der Meißner Straße. Dort gibt es außer einem Bäcker gar keine Einkaufsmöglichkeiten mehr.“ Die 78-Jährige fährt kein Auto, ihr Mann lebt im Pflegeheim. „Ein Taxi kann ich mir nicht leisten“, sagt sie. Der Einkaufsservice bedeutet für sie, auch mal rauszukommen und Leute im Bus zu treffen. „Wir sind alle sehr dankbar. Das hilft uns sehr.“ Auch die Familienministerin zeigt sich beim anschließenden Mittagessen in der Fami beeindruckt. „Das ist ein ganz tolles Projekt, wo Nächstenliebe und Nachbarschaftlichkeit im ganz Konkreten gelebt wird“, so Giffey. Sie habe im Familienzentrum viele engagierte Menschen getroffen, die dafür sorgten, dass diese Stadt lebenswert ist und mit Leben gefüllt wird.

Tags zuvor, nur wenige Meter entfernt: Auf der anderen Seite am Kötzschenbrodaer Anger, im Goldenen Anker, hat sich ebenfalls Politprominenz aus Berlin angekündigt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) will hier am Mittwochabend darüber referieren, was Deutschland und Sachsen zusammenhält. Der Saal ist bis auf die hintersten Reihen gefüllt, geschätzt rund 150 Leute wollen das CDU-Urgestein hören. Doch erst einmal ist Geduld von den Gästen gefragt, Schäuble steht im Stau und verspätet sich. Den Leuten im Saal bleibt als Zeitvertreib die Lektüre der Wahlwerbung von Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landtagspräsident Matthias Rößler. Manchmal ist Stau aus CDU-Sicht wohl gar nicht so schlimm. Schäuble ist freilich gekommen, um im Landtagswahlkampf für beide Werbung zu machen.

Mit 25 Minuten Verspätung trifft er kurz vor halb acht ein. Es folgt ein Vortrag, in dem Schäuble einen großen Bogen zieht von den rasanten Veränderungen, welche die Digitalisierung für die Kommunikation mit sich bringt, über Flüchtlinge bis zum Klimaschutz. Deutlich wird der CDU-Mann beim Thema EU. „Wer uns einredet, es ginge uns ohne die europäische Gemeinschaft besser, der täuscht die Menschen über die Realität“, sagt er. „Wenn wir unseren Wohlstand stabil halten wollen, müssen wir dafür sorgen, dass es anderen auch gut geht.“ Auch die Flüchtlinge dürften nicht zur Ursache aller Probleme erklärt werden. Die AfD nennt Schäuble kein einziges Mal. Als es geradezu aus ihm heraus poltert „Wählt sie nicht“, dürfte trotzdem jedem im Raum klar sein, wer damit gemeint ist.

Was die sächsische Wirtschaft anbelangt, wirbt der Bundestagspräsident für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarländern. Sachsen müsse eine europäische Metropolregion sein.

Viel Bekanntes, wenig Neues bekommen die Gäste schlussendlich von Schäuble zu hören. Letzteres ist aber offenbar auch gar nicht mehr der Anspruch des 77-Jährigen. Die Frage, ob das Parteiensystem für junge Leute nicht mehr cool genug sei, wiegelt er ab. So etwas dürften Jugendliche ihn als Opa doch nicht fragen. Die junge Generation habe selbst die Chance, sich einzubringen und etwas zu erreichen, sagt er.

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