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Wie weiter mit der Widmann-Fläche?

Eine der bekanntesten Brachen Riesas soll zu einem Einkaufszentrum werden. Unter Stadträten ist das aber umstritten.

Einen Edeka gibt es bisher in Riesa nicht, deswegen ist für diese Fotomontage die Außenansicht der Filiale in Nünchritz zum Einsatz gekommen. Ob ein Edeka auf der Riesaer Widmann-Brache Sinn ergibt, da haben viele Stadtpolitiker Zweifel.
Einen Edeka gibt es bisher in Riesa nicht, deswegen ist für diese Fotomontage die Außenansicht der Filiale in Nünchritz zum Einsatz gekommen. Ob ein Edeka auf der Riesaer Widmann-Brache Sinn ergibt, da haben viele Stadtpolitiker Zweifel. © Klaus-Dieter Brühl/Sebastian Schultz

Riesa. Gerade erst waren die Pläne öffentlich geworden, die Brache im Zentrum Riesas in ein Einkaufszentrum zu verwandeln – mit einem Edeka, einem Aldi, Flächen für Dienstleister und Parkplätzen.

Dass sich der Stadtrat mit der im Privatbesitz befindlichen Fläche befassen muss, hat Gründe: Der einstige Standort des Autohauses Widmann ist derzeit noch als Wohnbaufläche ausgewiesen und müsste in ein Sondergebiet umgewandelt werden. Erst wenn das beschlossen und genehmigt ist, dürften die Märkte entstehen. 

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Offenbar wird das Thema aber kurzfristig doch noch von der Tagesordnung des Stadtrates am Mittwoch genommen, wie die SZ am Montag erfuhr. Im nichtöffentlich tagenden Bauausschuss hatte es zu dem Vorhaben in der vergangenen Woche offenbar kontroverse Diskussionen gegeben.

Und das nicht zum ersten Mal. CDU-Stadtrat Kurt Hähnichen erinnert daran, dass die Räte schon vor Jahren, noch unter der damaligen Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer, über zusätzliche Handelsflächen auf dem Widmann-Areal debattierten – und es kritisch bewerteten. Seitdem seien in fußläufiger Entfernung noch Märkte dazugekommen. Auch die Auswirkungen auf die Elbgalerie mit dem dortigen Kaufland seien nicht zu unterschätzen.

Das geplante Einkaufszentrum auf der Widmann-Brache.
Das geplante Einkaufszentrum auf der Widmann-Brache. ©  SZ-Grafik

"Vor allem aber ist die Widmann-Brache ein Filetstück von Riesa, das man nicht nach dem Muster 08/15 bebauen sollte", sagt Kurt Hähnichen. "Dort müsste etwas hin, was Riesa tatsächlich aufwertet." Deshalb solle die Projektentwicklungsfirma, die hinter dem Vorhaben steht, den Stadträten die geplanten Gebäude noch einmal detailliert vorstellen.

AfD-Fraktionschef Joachim Wittenbecher fürchtet negative Auswirkungen für den vorhandenen Lebensmittel-Einzelhandel in Riesa durch das Projekt. "Die Kaufkraft in Riesa wird nicht stärker, weil Edeka und Aldi bauen", sagt der Stadtrat. Und neue Kunden aus dem Umland werde man damit wohl eher nicht in die Stadt holen. Man werde sich nun in der Fraktion absprechen, wie man mit dem Thema umgeht.

Ähnlich argumentiert Linken-Stadträtin Sonja György. Sie merkt zudem an: "Wir haben in Riesa schon so viele leer stehende Geschäfte: an der Hauptstraße, aber auch der Riesapark und die Elbgalerie sind nicht voll." Hinzu komme das Thema Zufahrtstraßen. "Der Zustand der Pausitzer Straße ist mehr als schlecht." Auch der Lutherplatz würde durch das geplante Einkaufszentrum belastet.

Klientel wäre da

Aus Sicht von Stadtrat Gunnar Hoffmann (parteilos) besteht in Riesa durchaus Bedarf für einen Lebensmittel-Vollsortimenter mit hochwertigem Angebot wie Edeka. "Ich denke, es gibt dafür auch ein genügend Menschen in der Stadt, die sich das leisten wollen", so das Mitglied der Fraktion "Gemeinsam für Riesa". Ein hochwertiges Einkaufserlebnis würden weder Real im Riesapark, noch Kaufland in der Elbgalerie bieten – Edeka aber schon. "Wer zum Beispiel das Edeka-Center an der Hamburger Straße in Dresden kennt, weiß, was damit gemeint ist."

Kritisch sieht indes nicht nur Gunnar Hoffmann die mit dem Edeka verbundene Aldi-Ansiedlung. Dadurch entstünde im Umkreis von wenigen hundert Metern eine hohe Discounterdichte, weil es mit Netto und Lidl an der Bebelstraße bereits zwei Märkte gebe. Komme ein dritter Markt in der Gegend hinzu, werde einer wohl verschwinden. "Dann beseitigen wir eine Brache und woanders entsteht eine neue", so Hoffmann. Das nütze niemandem.

Hoffmann, der auch beruflich im Handel unterwegs ist, kritisiert zudem den Umgang der Stadt mit dem Thema insgesamt. Aus seiner Sicht hätte vorab das Einzelhandelskonzept der Stadt fortgeschrieben werden müssen, damit die Räte eine Entscheidungsgrundlage zu dem geplanten Einkaufszentrum haben.

Sportverein ist informiert

Eine gründliche Analyse fordert Hoffmann außerdem für die städtische Turnhalle, in der vor allem die Sportakrobaten trainieren. "Wir können den Sportakrobaten ja nicht einfach ihre Halle wegnehmen und dann irgendwann, irgendwo vielleicht für mehrere Millionen eine neue Halle bauen." Auch CDU-Stadtrat Hähnichen betont, dass man zunächst Alternativen für die bisherigen Nutzer des Areals finden müsse: Auf dem städtischen Anteil der geplanten Fläche steht ein höchst sanierungsreifes Gebäude, das als Gerätehaus der Feuerwehr Riesa-Stadt und als Turnhalle genutzt wird.

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Die Freiwillige Feuerwehr, so der aktuelle Stand, soll ohnehin in einen Neubau an der Klötzerstraße umziehen. Was die Städtische Turnhalle angeht, ist eine Sanierung laut städtischem Konzept erst "langfristig" vorgesehen. "Das wäre dann hinfällig", sagt Rathaus-Sprecher Uwe Päsler. Die Halle gehöre zu den Sportstätten, die ohne Sanierung mittelfristig nicht mehr nutzbar seien. "Die Entscheidung zwischen Sanierung oder Neubau der Sportstätten ist im Einzelfall zu prüfen und zu bewerten." Der betroffene Verein SC Riesa sei informiert. Es werde dann Aufgabe der Stadt sein, mit den Sportlern eine zukunftssichere Lösung zu entwickeln.

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