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Einkaufsfreuden

oh nein, da guckte sie wieder aus ihrer Wohnungstür heraus, die gute Frau Lehmann. Knapp 85 Jahre ist sie alt und hat immer viel aus grauer Vorzeit zu berichten. Das interessiert zwar niemanden, aber das kann sie ja nicht wissen.

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oh nein, da guckte sie wieder aus ihrer Wohnungstür heraus, die gute Frau Lehmann. Knapp 85 Jahre ist sie alt und hat immer viel aus grauer Vorzeit zu berichten. Das interessiert zwar niemanden, aber das kann sie ja nicht wissen. Ich jedenfalls wohne eine Etage über ihr in einem oberländischen Mehrfamilienhaus und muss notgedrungenermaßen an ihrer Tür vorbei. Und wenn man die Treppe so hochläuft und die Tür schon einen kleinen Spalt offen steht, ist das ein ganz schlechtes Zeichen. Es kam, wie es kommen musste. Als ich nach oben ging, schob sich die Tür auf und ein faltiges Gesicht, aus dem eine freundliche Stimme drang, begrüßte mich.

Nun war guter Rat teuer. Die nette alte Dame einfach so stehen zu lassen, brachte ich nicht übers Herz, auch wenn ich keine Zeit hatte. Also gut, dann hörte ich mir eben zum 20. Mal den Monolog an, wie ihr längst verstorbener Mann mal im Keller einen Nachbarn beim Klauen erwischt hatte. Doch nach fünf Minuten die Erlösung: „Liebling, kommst du? Du musst noch einkaufen gehen“, schallt es plötzlich von einer Etage weiter oben. Meine Frau hatte meine Notlage erkannt und sie geschickt für sich zu nutzen gewusst. Ist zwar nicht mein Ding, aber so gern war ich sicher noch nie einkaufen. Ihr Landstreicher