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Einkaufspassage wird attraktiver

Im Juli soll der Umbau des EKZ Radeberg beginnen. Auch die Fassade bekommt ein neues Gesicht.

Die Debatte um das Konsum-Aus beschäftigt Mitarbeiter und Kunden des EKZ.
Die Debatte um das Konsum-Aus beschäftigt Mitarbeiter und Kunden des EKZ. © Thorsten Eckert

Radeberg. Der Zooladen ist schon längere Zeit leer. Am Sportgeschäft steht Räumungsverkauf. Das ist nur der Anfang der Veränderungen. Ab Juli wird das Einkaufszentrum „EKZ Radeberg“ umgebaut. Dann werden hier etwa für ein dreiviertel Jahr keine Kunden, sondern nur noch Handwerker ein- und ausgehen. Eigentümer ist seit einigen Jahren die Deutsche Fachmarkt AG (Defama) in Berlin. Auf seiner jüngsten Sitzung stimmte der Aufsichtsrat der Gesellschaft dem Umbauplan zu. Es kann also losgehen. Das Projekt ist umfangreich. 8,5 Millionen Euro will der Eigentümer investieren.

Defama-Vorstand Matthias Schrade erläutert den Stand: „Wir haben den Bauantrag gestellt und hoffen auf die Genehmigung im ersten Quartal.“ Er selbst sehe baurechtlich keine Hindernisse für den Start des Umbaus im Sommer. Der ist für den Eigentümer unumgänglich. „Der größte Nachteil ist die langgezogene Passage“, schätzt Matthias Schrade ein, „Die Kunden wollen vom Parkplatz in den Laden und nicht erst 100 Meter mit dem Einkaufswagen laufen. Der ganze Bau von 1994 ist nicht mehr zeitgemäß, die verschlungene Passage, die kleinen Läden.“ Ein Zoomarkt zum Beispiel braucht heute 500 Quadratmeter, ansonsten könne man nicht vernünftig arbeiten. Solche Passagen baue man in großen Shopping-Centern, die mindestens dreimal so groß seien. Die Händler würden das nicht anders sehen, sagt der Investor.

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Keine Wand soll stehenbleiben

Mit dem neuen Konzept werde die Zahl der Läden auf der vorhandenen Miet-Fläche von 7 000 Quadratmetern deutlich geringer sein. Die Geschäfte werden dafür mehr Platz bekommen. Auch die Passage zum Flanieren soll schrumpfen. „Sie wird nicht mehr so langgestreckt sein wie heute. Wir wollen kurze Wege zu den Geschäften, eine kurze Erschließungspassage.“ Die werde in den vorderen Bereich rücken. Das Konzept ziehe zugleich Veränderungen am Eingangsbereich nach sich, der zentraler liegen wird. Die Eingänge rücken rechts und links neben den künftigen Gastronomieblock.

Der Investor kündigt an: „Keine Wand bleibt stehen.“ Das Gebäude werde total entkernt und werde sich in der Außenhülle ebenfalls völlig verändern: „Es wird keine Ähnlichkeit mehr mit der heutigen Optik haben, damit die Modernisierung auch von außen sichtbar wird“, sagt Matthias Schrade. Anfangs habe der Investor einen Teilumbau erwogen, aber das wäre dann nur eine wenig optimale Kompromisslösung gewesen. Die Passage müsse ohnehin komplett schließen, dann könnten auch alle Wände herausgenommen werden. Denn es stehe fest: Filialisten wie Aldi brauchten heutzutage größere Flächen, sagt Matthias Schrade. Die Händler haben neue Konzepte, breitere Gänge für mehr Bewegungsfreiheit, größere Sortimente, eigene Backbereiche. „Aldi wäre längst ausgezogen, wenn nicht der Umbau in Aussicht stehen würde“. Möglicherweise wären schon weitere Mieter gefolgt. Der Eigentümer habe etwas tun müssen, um das Einkaufszentrum zu erhalten. Und ist jetzt auch optimistisch, dass der Discounter im EKZ bleibt.

Gesprächsangebot erhalten

Klar sei zudem, dass das Bistro im Zentrum bleibt. Das Uhrengeschäft wird es weiterhin geben, auch das Reisebüro und das Blumengeschäft sowie den Friseur. Für die Bauzeit soll es zudem Containerlösungen für Mieter geben. Der kommende Komplett-Umbau bringt sowohl für alle Mieter und Beschäftigten, die bleiben, als auch jene die gehen Einschnitte. „Deshalb konzentrieren wir uns eben nicht stur auf den Umbau“, sagt Matthias Schrade. So sei er auch im Kontakt mit der Stadt, um andere Flächen für Mieter in Radeberg zu finden. Gerade in dem Bereich der Einkaufsmärkte sei er aber sicher, dass es nach dem Umbau mehr Arbeitsplätze geben werde als heute. Das EKZ werde insgesamt attraktiver und mehr Kunden anziehen. „Ohne Umbau würde es auch für den Konsum auf Dauer kein rentabler Standort bleiben.“ Derzeit sei es noch offen, ob der Konsum weiterhin vertreten sein wird. Es werde aber definitiv wieder einen Vollsortimenter geben: „Wir sprechen neben Konsum mit zwei anderen infrage kommenden Kandidaten. Es ist noch nichts entschieden“, lässt der Investor wissen. Kaufland sei nicht darunter. Er habe ein Gesprächsangebot erhalten. Es sei aber mit Rücksicht auf den Innenstadthandel keine Option. Der EP-Elektronikmarkt werde nicht mehr vertreten sein. Das hänge auch mit der Konkurrenzsituation im näheren Umfeld zusammen und sei eine schwierige Branche. Ein, zwei neue Geschäfte werde es geben. So will der Investor einen Drogeriemarkt gewinnen. Vieles sei aber noch im Fluss. So lasse sich derzeit keine Aussage zu den künftigen Textilanbietern treffen, den Kik-Markt eingeschlossen. Grundsätzlich sei es das Ziel, mit den etablierten Mietern weiterzumachen und die Ladenflächen nach ihren Vorstellungen zu gestalten. „Aus Platzgründen mussten wir aber einige Mieter herausnehmen, auch einige, die wir gern behalten hätten, wie den Getränkehandel.“ Der Inhaber der Confiserie gehe in den Ruhestand.

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Für die noch junge Gesellschaft ist der Umbau in Radeberg ein großes Projekt. Unter den 30 Fachmarktzentren deutschlandweit unter dem Dach der Gesellschaft habe nur das EKZ Radeberg einen riesigen Investitionsbedarf. So ist auch abzusehen, dass es nach dem Umbau nicht bei den bisherigen Mietpreisen bleiben wird. „Das EKZ ist über Jahre vernachlässigt worden. Wir haben es dennoch wegen der herausragenden Position in der Stadt übernommen.“ Die solle es mit der Sanierung ausbauen.