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Einmal einen 1.000-Tonner fahren

Ein Beruf, bei dem er große Baumaschinen führen kann, das war der Wunsch von Emil Schulz aus Döbeln. Der geht jetzt in Erfüllung.

Emil Schulz sitzt in der Straßenmeisterei Döbeln auf einem Schneepflug. Das sind die einzigen Geräte, die im Sommer auf dem Gelände der Straßenmeisterei bleiben. Die ist ab September Emils Ausbildungsbetrieb.
Emil Schulz sitzt in der Straßenmeisterei Döbeln auf einem Schneepflug. Das sind die einzigen Geräte, die im Sommer auf dem Gelände der Straßenmeisterei bleiben. Die ist ab September Emils Ausbildungsbetrieb. © Lutz Weidler

Region Döbeln. Viele Fahrzeuge stehen nicht auf dem Gelände der Straßenmeisterei Döbeln. Trotzdem ist Emil Schulz begeistert. Das wird sein Ausbildungsbetrieb. Am 1. September beginnt er die Lehre als Straßenwärter – als Einziger in Döbeln. 

Mutter Anja Schulz bezeichnet das als Sechser im Lotto. Nicht nur, weil sich ihr Sohn bei der Aufnahmeprüfung gegen zahlreiche Mitbewerber durchgesetzt hat. Mit diesem Beruf geht ein Kindheitstraum des 16-Jährigen in Erfüllung.

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Bereits im Alter von vier Jahren habe er mit seinem Vater auf dem Bagger gesessen, als im heimischen Garten gebaut wurde. „Und er besaß alle Baufahrzeuge als Spielzeug“, sagt Anja Schulz. Dabei waren auch einige größere, mit denen er auf dem Grundstück auch mal dort Löcher gebuddelt habe, wo keine hingehörten, erzählt sie schmunzelnd.

Die Faszination für Baumaschinen habe nie nachgelassen. Während der Woche der offenen Unternehmen habe er sich bereits als Siebtklässler in der Straßenmeisterei Freiberg umgesehen. Als er sich wieder zu seiner im Auto wartenden Mutter setzte, war Emils erster Satz: „Das ist es!“ 

Gern hätte er auch noch das schulische Praktikum dort absolviert, aber das sei aufgrund seines jungen Alters nicht möglich gewesen. Bei einem Garten- und Landschaftsbauer klappte es. Der arbeitete mit ähnlichen Maschinen in kleinerer Ausführung und Emil war mehr denn je davon überzeugt, solche will er selbst einmal steuern.

Ausbildung bei Meisterei ist auch körperlich schwere Arbeit

Fortan habe er schulisch auf dieses Ziel hingearbeitet, „es nie schleifen lassen“. Voraussetzung für die Ausbildung zum Straßenwärter ist ein Realschulabschluss mit einem Notendurchschnitt bis 3,0. Der junge Ebersbacher war wesentlich besser. Er bringt auch das geforderte Interesse an handwerklichen Arbeiten, mathematisches und technisches Verständnis mit.

Und Emil, der bei der HSG Neudorf Handball spielt, scheut sich auch vor schwerer körperlicher Arbeit nicht. „Das Schwerste ist das Auf- und Abbauen der Schneezäune“, erklärt der stellvertretende Straßenmeister Norbert Kraft. 

Er beschreibt den Beruf des Straßenwärters als sehr vielseitig. Und der Arbeitsbereich ist riesig. Die Straßenmeisterei Döbeln betreut 304 Kilometer Bundes-, Staats- und Kreisstraßen zwischen Salbitz und Littdorf sowie zwischen Zschoppach und Choren.

Als Kraft erzählt, dass zur Ausbildung der Lkw-Führerschein gehört und später, mit einer extra Bedienberechtigung auch das Fahren eines Unimog, Ladekrans, einer Walze und eines Hubsteigers möglich ist, ist sich Emil wieder sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Und welches Fahrzeug würde er am liebsten führen? – „Einen 1.000-Tonnen-Bagger“, muss Emil nicht lange überlegen. Den gibt es in der Straßenmeisterei leider nicht.

Drei Jahre wird Emil jetzt lernen. Bei erfolgreichem Abschluss bestehen gute Chancen zur Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. „Das Landratsamt Mittelsachsen bildet bedarfsorientiert aus“, sagt Pressesprecherin Peggy Zill. Nach dem Lehrabschluss bestünden zudem Entwicklungsmöglichkeiten zum Straßenbau- und Baugeräteführer.

Emil Schulz ist einer von vier Straßenwärtern, die beim Landkreis Mittelsachsen ihre Ausbildung beginnen. Im September und Oktober starten außerdem neun Verwaltungsfachangestellte und sechs Studierende.

Region Döbeln: Lehrlinge für 2021 zahlreich gesucht

Die diesjährigen Lehrlinge haben noch gar nicht begonnen, trotzdem sucht das Landratsamt bereits für 2021 Auszubildende und Studenten. Noch bis 30. November nimmt das Landratsamt Bewerbungen für den Ausbildungsberuf Verwaltungsfachangestellter entgegen. Etwas länger gilt die Frist für die Straßenwärter – bis 31. Dezember 2020.

Bis zum 1. Oktober 2020 können sich Interessierte für einen Studienplatz im Studiengang Allgemeine Verwaltung an der Hochschule Meißen (FH) sowie parallel beim Landratsamt bewerben. 

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„Die Einsatzgebiete sind sowohl die Hochschule Meißen für den berufstheoretischen Teil als auch die verschiedenen Bereiche des Landratsamtes sowie externe Praktikumseinrichtungen für den praxisorientierten Teil des Studiums“, erklärt Ausbildungsleiter Stefan Schuricht. Nach erfolgreich absolviertem Studium erlangen die Studierenden den akademischen Titel „Bachelor of Laws (LL.B.)“.

>> Infos über Ausbildungsmöglichkeiten beim und Kontakt zum Landkreis Mittelsachsen

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