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Dippoldiswalde

Einmal mit der Schwalbe um die DDR

Dieter Hennig aus Höckendorf ist Ostalgie-Fan. Fast 2.000 Kilometer ist er dafür gefahren.

Dieter Hennig aus Höckendorf hat jetzt mit seiner Schwalbe die ehemalige DDR umrundet.
Dieter Hennig aus Höckendorf hat jetzt mit seiner Schwalbe die ehemalige DDR umrundet. © Egbert Kamprath

Vor zwei Jahren war Dieter Hennig schon mit seiner Simson auf der Insel Usedom, nun hat sich der Rentner aus Höckendorf wieder auf den Weg gemacht. 

Sein Ziel: Einmal die DDR umrunden. 1960 Kilometer ist er insgesamt gefahren, auf seiner Schwalbe KR 51/2E, Baujahr 1983, mit Anhänger. „Ich wollte unbedingt noch mal eine größere Tour machen. Man wird ja nicht jünger“, sagt der 69-Jährige und lacht herzlich.

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Im Vergleich zur Fahrt nach Usedom sei die Vorbereitung dieses Mal komplizierter gewesen, erklärt der Ostalgie-Fan, vor allem, was das Kartenmaterial betrifft. Die innerdeutsche Grenze verlaufe heute zum Teil auf Radwegen, auch das brachte Herausforderungen mit sich. „Ich bin dann einfach im Zick-Zack gefahren.“

An markanten Punkten seiner Reise, wie nahe des Kaps Arkona auf Rügen, hat Dieter Hennig zum Beweis Fotos gemacht. 
An markanten Punkten seiner Reise, wie nahe des Kaps Arkona auf Rügen, hat Dieter Hennig zum Beweis Fotos gemacht.  © privat

Eine Landkarte der DDR hatte sich der Höckendorfer kopiert, wetterfest eingeschweißt und auf seinem Anhänger befestigt. Um besser im Straßenverkehr gesehen zu werden, hatte er noch eine Sachsenfahne hinten befestigt. Damit war Dieter Hennig überall ein Hingucker. 

„Viele haben mich auf der Straße gegrüßt, oder wenn ich angehalten hab. Es waren nur freundliche Menschen unterwegs, die wissen wollten, was ich vorhabe und warum ich das mache.“ Einige hätten ihn im positiven Sinne für verrückt erklärt. „Ich würde es jeder Zeit noch mal machen“, so das Fazit des Höckendorfers.

Mit dem Moped habe er in den elf Tagen überhaupt gar keine Probleme gehabt. Bevor er aufgebrochen ist, habe er es bei einer Werkstatt in Freital, die auf Simson spezialisiert ist, zur Durchsicht gehabt. 

Zur Sicherheit hatte er trotzdem noch ein paar Ersatzteile im Gepäck, mit dabei ein komplettes Rad, ein Extra-Schlauch, eine Zündkerze und Werkzeug. Bekleidet war er mit einer Outdoor-Hose und einer wetterfesten Jacke, außerdem mit dabei hatte er noch Sachen des täglichen Bedarfs. „Und für alle Fälle einen Schlafsack, falls ich kein Quartier bekommen hätte.“

 Eine Karte der Route hatte er groß ausgedruckt und laminiert auf seinem Anhänger dabei.
 Eine Karte der Route hatte er groß ausgedruckt und laminiert auf seinem Anhänger dabei. © Egbert Kamprath

Denn ein Bett zum übernachten hat sich Dieter Hennig jeweils spontan vor Ort gesucht, ohne Reservierung. „Ab nachmittags, wenn ich in der Nähe meines Zielortes war, hab ich schon immer geschaut, und das hat einwandfrei geklappt.“

Mit Niesky stand nur das erste Tagesziel fest, als Dieter Hennig am 14. Juni in Höckendorf aufbrach. Alle weiteren Etappen plante er abends vor der Weiterfahrt. Auch das Wetter spielte mit, nur einmal habe es gewittert, kurz vor Prenzlau. „Bei Regen fahre ich nicht, das habe ich im Vorfeld schon entschieden.“

Die Tagesetappen lagen im Schnitt so bei 170 bis 180 Kilometer, so Dieter Hennig. Täglich fuhr er um die sieben Stunden. Alle 30 bis 40 Kilometer habe er angehalten, um seinem Hosenboden eine Pause zu gönnen. „Da habe ich bei meiner ersten Fahrt genug Erfahrung gesammelt, das hat mir jetzt genutzt.“

Der Höckendorfer machte Zwischenstopps ins Karlshagen, Binz, Warnemünde, Nienhagen, Lüchow, Wernigerode, Naumburg und Leutenberg. Längste Tagesetappe bei circa 50 Kilometern pro Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit war das letzte Stück nach Hause, mit 250 Kilometern.

Zu Hause, gewissermaßen nach dem erfolgreichen Zieleinlauf in Höckendorf, gab es als Anerkennung einen kleinen Siegerkranz.
Zu Hause, gewissermaßen nach dem erfolgreichen Zieleinlauf in Höckendorf, gab es als Anerkennung einen kleinen Siegerkranz. © privat

Als Simson-Liebhaber wollte er eigentlich in Suhl anhalten, wo die Simsons gebaut wurden. „Die vielen Umleitungsstrecken haben mir den letzten Nerv gezogen. Da wollte ich dann nur noch nach Hause“, sagt der Rentner.

Mit seiner blau lackierten Schwalbe ist der Senior täglich unterwegs. Für gewöhnlich in und um Höckendorf. Die Idee, mal eine größere Tour zu unternehmen, kam ihm, als er einen Medienbericht über eine Gruppe las, die mit Mopeds eine mehrtägige Tour machte. Nun will der Rentner mit seiner Geschichte selbst andere motivieren, auch mal eine größere Runde zu wagen. „Gerade im Alter ist es ideal, wenn man nicht mehr so unter Zeitdruck steht.“

Ob er noch einmal zu einer größeren Tour aufbricht, lässt Dieter Hennig noch offen. „Es kommt auf die Gesundheit an“, sagt er. „Ein Ziel hätte ich aber schon. Meine Nichte wohnt in der Nähe von Mannheim, die würde ich besuchen.“

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