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Einmal über den Knappensee

In mehreren Sanierungsabschnitten gibt es jetzt Veränderungen. Ab 2022 soll aber wieder gebadet werden können.

Am Knappensee hat die Rütteldruckverdichtung im Bereich D-West das Angelzentrum erreicht. Sie wird nun auf die andere Seite umgesetzt. Eigentümer und Oberbergamt sind hier in Verhandlungen, über deren Stand es keine Auskünfte gibt.
Am Knappensee hat die Rütteldruckverdichtung im Bereich D-West das Angelzentrum erreicht. Sie wird nun auf die andere Seite umgesetzt. Eigentümer und Oberbergamt sind hier in Verhandlungen, über deren Stand es keine Auskünfte gibt. © Foto: Uwe Schulz

Knappenrode/Groß Särchen. Es ist eine Woche der Veränderungen am Knappensee. Großgeräte werden umgesetzt, Holzungen beginnen in einem Abschnitt, ein paar Hundert Meter weiter werden Gebäude abgerissen. Marko Walter hat das alles im Blick. Er ist der zuständige Projektmanager des Staatlichen Bergbausanierers Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Seit 2014 wird hier unter Vollsperrung saniert. Ende 2021 sollte man fertig sein, sodass die Vollsperrung der Wasserfläche des Sees aufgehoben, der See wieder genutzt werden kann. Dazu wurde bereits mehrfach informiert. Man arbeitet bis April 2022, dann kann der See wieder genutzt werden. Aber im Herbst wird man weiterarbeiten und dafür den See auch wieder sperren. Im Sommer auf, im Winter zu.

Niedrigwasser wie im Vorjahr

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An diesem Tag darf Tageblatt mit auf den See. Es ist einer der seltenen Momente, in denen die Sanierer auch mal jemanden aufs Wasser lassen, der nicht zu den beauftragten Firmen gehört. Doch von Bord des Schubbootes aus sieht man am besten, was sich vor Ort tut. Von außen, außerhalb des seeumlaufenden Bauzauns sieht man das nicht. Da erahnt man die Inseln, sieht die Masten der Rütteldruckverdichter, kann in Groß Särchen einen Blick über den See werfen. Dort blickt man über den Strand, der momentan keiner ist, aber im Frühjahr 2022 dank frischen feinen Sandes wieder einer sein soll.

Wer den Knappensee kennt, sieht, dass gerade Niedrigwasser ist. Marko Walter sagt, dass die Situation wie im vergangenen Jahr ist. Um arbeiten zu können, wurden vor dem betonierten Rand der Einlassstelle Gummimatten befestigt, sodass sich beladene Schuten nicht darunter verkeilen können. Und im Bereich Koblenz wurden die Fahrrinnen für Schubboot und Schuten vertieft, sodass man auch jetzt noch fahren kann. Im Herbst, wenn dann die Fischteiche oberhalb des Knappensees abgelassen werden, wird sich auch der Wasserspiegel wieder erhöhen.

Abreißen, Fällen, Verdichten

Wir fahren die Runde über den See gegen den Uhrzeigersinn. Bei Koblenz schaut etwas verbogenes Metall aus dem Wasser. Es ist ein Stück Gleis, das sich nicht herausziehen lässt. Erst dachte man, es ist eine Slipanlage aus DDR-Zeiten. Vielleicht ist es aber auch ein Relikt aus den Tagebauzeiten. Man wird dafür eine Lösung finden.

Die erste Phase der Seesicherung ist abgeschlossen, die zweite und dritte läuft seit vergangenem Jahr. Jetzt starten Phase IV und V.

Karsten Handro, Abteilungsleiter Sanierung Ostsachsen, weist im Sanierungsbereich D-Ost auf die Abbruchkanten am Ufer. Eines der Beispiele, an denen sich erklären lässt, warum hier der geschüttete Boden verdichtet werden muss. Die Rütteldruckverdichtung (RDV) erfolgt von einem Ponton von der Seeseite aus. „Hier haben wir über die Hälfte geschafft“, sagt Marko Walter. Dieser Tage beginnen weitere Fällarbeiten in den Bereichen G, S und T. Man arbeitet sich in Richtung Särchen vor. Anfang 2020 ist die RDV durch, dann wird noch einmal mit leichter Rütteldruckverdichtung (LRV) drübergegangen. Bei der RDV verdichten sich die oberen Meter nicht so gut. Da muss man dann nacharbeiten, erläutert Handro. Bis zur Saison 2022 soll das geschafft sein.

Während der Rodungsarbeiten setzt der Ponton samt RDV zum Bereich A auf der anderen Seeseite um und macht dort weiter, wo man im Sommer 2018 aufhören musste. Etwas über 100 Meter Uferlinie müssen hier verdichtet werden. Dauert so zwei, maximal drei Monate. Dann kann hier durchgehend das Ufer profiliert werden. Der nördlich an A angrenzende Abschnitt untersteht der Landestalsperrenverwaltung. Auch hier muss saniert werden. Die Arbeiten sind natürlich mit denen der LMBV abgestimmt. So kann Marko Walter sagen, dass die Arbeiten seitens der LTV im Oktober dieses Jahres öffentlich ausgeschrieben werden.

Das Schubschiff ist im nördlichen Bereich des Sees angekommen. Nördlich von Koblenz sieht man noch die bewaldete Höhe der Hochkippe im Bereich S und G. Ein Bereich wurde schon zu DDR-Zeiten abgespült. Jetzt wird die Kippe aus den 1940er-Jahren komplett geholzt. Letztlich wird man bis zu acht Meter Material abtragen, um den Druck auf den Untergrund zu vermindern. Einen Großteil der Massen wird man an anderer Stelle des Seeufers auffüllen. Hier werden gleich zwei RDV-Geräte von Seeseite aus arbeiten, räumlich versetzt wie einst am Bahndamm in Lohsa. Mitte 2021 soll dann auch hier die LRV die RDV ablösen.

Oben im Bereich U der einstigen Maukendorfer Bungalowsiedlung ist die RDV das erste Mal durch. Im Juli war der 45 Meter breite unterirdische Damm bis hinunter auf das Liegende, also den gewachsenen Boden, hergestellt worden, sodass die Hochkippe Knappenrode nicht mehr in den See rutschen kann. Jetzt werden neben diesem Damm bis in 16 bzw. 20 Meter Tiefe sogenannte schwebende Dämme gerüttelt, an der breitesten Stelle 500 Meter messend. Immerhin soll der Bereich wieder bebaut werden können. Ende 2021 will man die Technik abziehen können.

Untersuchungen zu Inseln laufen

Wir drehen ab und fahren nach Süden an den Inseln vorbei. Es sind gekippte Massen und wie im Senftenberger See sind sie Gegenstand von Untersuchungen. Entscheidend wird sein, was das Sächsische Oberbergamt anordnet. Wenn hier etwas geschieht, dann nach 2021 und außerhalb der Saison. Eine wirkungsvolle Sicherung der Inseln gegen Betreten ist das Geringste.

Graureiher sind unterwegs, zahlreiche Kormorane sind in den Bäumen zu sehen. Ein Reh steht am Ufer im Wasser. Wir befinden uns südlich der Inseln vor dem Abschnitt D-West. Das RDV-Gerät hat die Flurstücksgrenze zum Bereich des Angelzentrums mit vier Anteilseignern erreicht. Hier ist anders als in den anderen Bereichen des Knappensee-Sanierungsgebiets nichts geregelt. Sächsisches Oberbergamt und die Besitzer verhandeln miteinander.

Ziel der Behörde ist, dass auch dieser Bereich von den Gebäuden beräumt, die Bäume hier gefällt und der Bereich verdichtet werden kann. Solange es kein Ergebnis gibt, ist das Gelände für die Sanierer tabu. Also wird das RDV-Gerät abgebaut und über die Bundesstraße an die Nordkante von Bereich D-West umgesetzt. Rund 500 Meter Ufer können dann gerüttelt werden, dann steht man auf der anderen Seite des Flurstücks.

Das Schubschiff steuert zur Einsatzstelle zurück. So ist er, der aktuelle Stand.

Gearbeitet wird im Knappensee von Land und vom Wasser aus. Unter anderem per Bagger vom Ponton aus.
Gearbeitet wird im Knappensee von Land und vom Wasser aus. Unter anderem per Bagger vom Ponton aus. © Foto: Uwe Schulz
Die Bebauung am Ostufer verschwindet dieser Tage. Dann geht hier auch die Rütteldruckverdichtung drüber.
Die Bebauung am Ostufer verschwindet dieser Tage. Dann geht hier auch die Rütteldruckverdichtung drüber. © Foto: Uwe Schulz
Die zentrale Einlassstelle wurde mit Gummibahnen beplankt und ist auch bei Niedrigwasser nutzbar.
Die zentrale Einlassstelle wurde mit Gummibahnen beplankt und ist auch bei Niedrigwasser nutzbar. © Foto: Uwe Schulz

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