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Einsam und kein Geld

Ein eigenes Heim haben sie. Aber nach mehreren Jahren Arbeitslosigkeit fühlen sie sich wie abgeschnitten von Familie, Freunden und Bekannten. Das lastet schwer auf ihrer Seele, macht krank und einsam. Für sie ist das Kontaktzentrum auf der Hotherstraße 31 eine gute Adresse.

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Von Christine Marakanow

Ein eigenes Heim haben sie. Aber nach mehreren Jahren Arbeitslosigkeit fühlen sie sich wie abgeschnitten von Familie, Freunden und Bekannten. Das lastet schwer auf ihrer Seele, macht krank und einsam. Für sie ist das Kontaktzentrum auf der Hotherstraße 31 eine gute Adresse. Es hält für Langzeitarbeitslose mit seelischen Problemen täglich seine Türen geöffnet.
Freiwillig, unverbindlich, leicht zugänglich. So heißt es auf einem Info-Faltblatt des Görlitzer Kontaktzentrums. Freiwillig kommen die Männer und Frauen. Unverbindlich ist ihr Besuch. Sie können kommen und gehen, wann sie wollen, ob einmal in der Woche oder täglich, ein paar Stunden oder den ganzen Tag. Leicht zugänglich ist das Haus. Eine Bushaltestelle ist in der Nähe, keiner braucht einen Ausweis vorzeigen und keiner wird gleich nach Namen oder Herkunft gefragt.
Das Kontaktzentrum hat fast den schönsten Raum des Service- und Informationszentrums (ehemals Arbeitslosenverband): Es ist groß und hell, Bilder hängen an den Wänden, Basteleien auf Schränken und Tischen sind Ergebnisse gemeinsamen Gestaltens. Geduldsspiele wie Mikado und Bausteine stehen griffbereit auf einem Tisch. Es gibt ein Videogerät ...
Zwei Frauen und zwei Männer sitzen heute an einem Tisch, erzählen von ihren Sorgen, von dem, was sie so vorhaben, bieten sich gegenseitig Unterstützung an. Die vier gehören schon zum Stamm von elf ständigen Besuchern. Gemeinsam mit den Betreuerinnen planen sie die Höhepunkte der Woche. Heute abend ist Kegeln angesagt. "Dafür wurde schon eine Weile gespart, denn auf einmal würden die meisten nicht die Summe fürs Kegeln im Tivoli aufbringen", erzählen Sabine Pröger und Brigitte Winde. Sie sind die Initiatorinnen und Ansprechpartnerinnen für alle, die den Weg auf die Hotherstraße 31 finden. Sie haben das Projekt erarbeitet und es vorgestellt bei Ärzten und Psychologen sowie in sozialen Einrichtungen. Ihr Angebot wird gebraucht, davon sind sie überzeugt. Da sie selbst längere Zeit arbeitslos waren, wissen sie, "wie schnell man dadurch in ein seelisches Tief rutschen und richtig krank werden kann. Weil jemand nicht mehr mitreden kann, zieht er sich zurück, vereinsamt. Mancher guckt nachts in die Fernsehröhre, schläft am Tag." Ein Teufelskreis, aus dem der oder die Betroffene meist nur noch mit Hilfe anderer rauskommt. Pillen gegen Unruhezustände, Depressionen oder Schlaflosigkeit können auf Dauer nicht helfen. Das Kontaktzentrum will eine Adresse sein für Menschen in solchen Situationen. Hier können sie Kontakte knüpfen und reden, vielleicht Freunde finden. Einer der Männer bekennt, er komme jeden Tag, das ist, "als würde ich zur Arbeit gehen". Die tägliche Öffnung des Kontaktzentrums ist auch einer der Frauen sehr wichtig. "Anderswo gab es nur einmal die Woche ein Angebot. Hatte ich mal ein großes Problem, stand ich alleine da", berichtet sie. Hier ist immer jemand ansprechbar.