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Einsamer Tod im Drogenrausch

Ein Asylbewerber stirbt in einem Leipziger Heim und wochenlang merkt keiner etwas.

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Von Sven Heitkamp

Ein tragischer Todesfall eines Drogenabhängigen erschüttert erneut Leipzig: Ein junger Mann aus dem Libanon lag wochenlang unbemerkt tot im Zimmer seines Asylbewerberheims. Als der Verwesungsgeruch und der Insektenbefall unerträglich wurden, ging der private Heimbetreiber Hinweisen von Nachbarn nach und öffnete die Tür, berichtete das MDR-Magazin „Exakt“ am Mittwochabend.

Laut Obduktionsbericht war der 34-jährige Hisham Yazbek, der in Deutschland geboren wurde, bereits Anfang Mai an einer Überdosis eines Heroingemisches gestorben, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz der SZ. Aber erst am 13. Juni – vier bis sechs Wochen später – wurde er gefunden. Das genaue Todesdatum sei nicht mehr feststellbar, so Schulz. Für ein Tötungsdelikt gebe es keine Hinweise. Das Ermittlungsverfahren sei seit Anfang dieser Woche abgeschlossen.

Hisham Yazbek wurde 1978 in Berlin geboren. Seine Eltern waren aus dem libanesischen Bürgerkrieg geflohen, die Familie ging aber bald zurück nach Beirut. Mit Anfang 20 zieht es den gelernten Tischler und Fußballfan wieder nach Deutschland. Yazbek lebt jahrelang im Asylbewerberheim in der Torgauer Straße. In der riesigen Unterkunft sind fast 300 Menschen untergebracht. Hisham verfällt den Drogen, gerät mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt. Sein Asylantrag wird abgelehnt, sein Status als Geduldeter in Deutschland wäre im Juli abgelaufen. Kurz vor seinem 35. Geburtstag starb er unbemerkt, er ist jetzt in Beirut bestattet.

Leipzigs Sozialamt bedauerte den tragischen Todesfall sehr und kündigte gegenüber der SZ eine genaue Untersuchung an. Yazbeks Wohnung sei bereits Anfang Mai nach Hinweisen von Heimbewohnern einmal gereinigt worden. Asylbewerber und Geduldete könnten sich aber längere Zeit auch außerhalb ihrer Unterkunft aufhalten. Kontrollen gebe es nur in begründeten Einzelfällen. Sachsens Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU) kritisierte indes, dass Asylbewerber keinen Zugang zur deutschen Sprache und zu Arbeit bekommen. Auch an Sozialarbeitern mangele es. Grüne und Linke kritisierten, es fehle an Geld und Personal für eine bessere Betreuung.

Vor einem Jahr war in Leipzig eine drogenabhängige Mutter in ihrer Wohnung unbemerkt gestorben, ihr zweijähriger Junge verdurstete neben ihr.