merken
PLUS Görlitz

Einsiedel: Wie die Kulturinsel jetzt weitermacht

Neue Aufträge für die Holzgestalter bahnen sich an. Auch das Folklorum soll stattfinden – wenn auch anders als sonst.

Tierpflegerin Ruth besucht die Hühner in ihrem neuen Gehege auf der Kulturinsel Einsiedel, die inzwischen „Die geheime Welt von Turisede“ heißt. Das Gehege gehört zu den Neuerungen, die auch beim Folklorum zu sehen sein werden.
Tierpflegerin Ruth besucht die Hühner in ihrem neuen Gehege auf der Kulturinsel Einsiedel, die inzwischen „Die geheime Welt von Turisede“ heißt. Das Gehege gehört zu den Neuerungen, die auch beim Folklorum zu sehen sein werden. © André Schulze

Selbst in ihrem momentanen Griechenland-Urlaub sind Jürgen Bergmann und Doreen Stopporka auch dienstlich unterwegs. „Auf der Hinreise haben wir in Ungarn bei einem potenziellen Kunden angehalten“, sagt der Gründer der Kulturinsel Einsiedel, die jetzt „Die geheime Welt von Turisede“ heißt. Die Geschäftsführerin ergänzt, dass auf der Rückreise zwei weitere Geschäftstermine geplant sind.

Das ist auch notwendig, denn durch die Corona-Krise sind der Firma Künstlerische Holzgestaltung, die für Freizeitparks und Zoos in ganz Europa Abenteuerlandschaften baut, viele Aufträge erst einmal weggebrochen. Oder besser gesagt: verschoben worden. Zwei waren in London geplant und zusammen fast zwei Millionen Euro wert: „Die kommen erst im Januar“, sagt Bergmann. Andererseits gibt es viele Freizeiteinrichtungen, die ihren Gästen jedes Jahr etwas Neues bieten wollen und immer in Einsiedel bestellen. „Das sind kleinere Aufträge, aber immerhin bis 250.000 Euro“, sagt Bergmann. Auf die sei immer Verlass gewesen. Aber weil im Frühling alle Parks wegen Corona schließen mussten, kamen solche Aufträge erst einmal nicht.

Anzeige
Görlitz zapft an!
Görlitz zapft an!

München muss pausieren, Görlitz feiert: Am 2. und 3. Oktober steigt im L2 Club die Premiere des Görlitzer Oktoberfestes!

Hoffen auf die Franzosen

„Am Wichtigsten für uns ist, dass unsere französischen Partner noch eine gute Feriensaison haben und wieder investieren können“, sagt Bergmann. Die Franzosen seien der wichtigste Auftraggeber: „Wir produzieren permanent für sie.“ Aber er ist zuversichtlich, denn die ersten Signale aus Frankreich gehen in die richtige Richtung: „Wenn wir Glück haben, erhalten wir Ende der Woche die ersten Aussagen zu weiteren Projekten mit ihnen.“

Oberinsulaner Jürgen Bergmann erweitert die geheimnisvolle Welt von Turisede auf der polnischen Seite der Neiße in Bielawa Dolna immer mehr.
Oberinsulaner Jürgen Bergmann erweitert die geheimnisvolle Welt von Turisede auf der polnischen Seite der Neiße in Bielawa Dolna immer mehr. © Archivfoto: André Schulze

Parallel arbeiten Bergmann und seine Leute an einer ganz anderen Herausforderung: Dem Folklorum, das wie geplant vom 4. bis 6. September auf der Kulturinsel stattfinden soll – vorbehaltlich der Detaileinigung mit dem Gesundheitsamt. „Aber die prinzipielle Zustimmung des Amtes ist da, nur die konkretisierten Maßnahmen fehlen noch“, sagt Bergmann. Daran arbeitet sein Team gerade. Fakt ist: Aufgrund der Corona-Situation wird das Folklorum ganz anders sein als sonst. Es wird diesmal nur eine Hauptbühne geben – mit begrenzter Besucherzahl über Los- und Wettbewerbsverfahren. Die großen Bands auf der Hauptbühne – Dota, Götz Widmann und Gankino Circus – haben zugesagt jeweils zweimal aufzutreten, sodass mehr Besucher die Chance haben, sie zu erleben.

Bands wieder ausgeladen

Andere große Bands musste Bergmann wieder ausladen. Stattdessen werden diesmal sehr viele kleine, unbekanntere Bands auftreten – und zwar an ganz vielen Stellen auf beiden Seiten der Neiße parallel. Mengenmäßig bekommen die Gäste also viel mehr geboten als in anderen Jahren. „Insgesamt wird es etwa 30 Veranstaltungsorte geben“, sagt der Oberinsulaner. Dadurch soll es gelingen, das Publikum breit auf das komplette Gelände zu verteilen.

Zudem werden an jeder Bühne Ordner stehen, die auf die Einhaltung der Abstandsregeln achten. Getanzt werden darf nirgendwo. Auch Veranstaltungen in geschlossenen Gebäuden, etwa im Krönum, gibt es diesmal nicht. Bei der Gastronomie sind ebenfalls Veränderungen geplant. Vieles davon ist aber noch im Fluss. Deshalb wird es diesmal nicht gelingen, ein Programmheft zu erstellen. Stattdessen bekommen die Besucher kurzfristig vor Ort einen Übersichts- und Bühnenplan.

Masken mit zwei Freiflächen

Und sie erhalten noch etwas, was Bergmann besonders wichtig ist: Mund-Nasen-Masken. Die müssen nicht die ganze Zeit getragen werden, aber überall da, wo man sich nicht aus dem Weg gehen kann. Und sie haben als spezielles Merkmal zwei Freiflächen, auf die Familien oder Freundeskreise ein Symbol malen können. „Das Besondere am Folklorum ist ja, dass nicht Einzelpersonen kommen, sondern oft ganze Familien oder Freundeskreise“, sagt Bergmann. Kommt zum Beispiel Familie Müller mit Kind und Kegel, dann können alle Familienmitglieder eine Schlange auf die freie Fläche der Maske malen. Dann erkennen die Ordner: Diese Leute gehören zusammen und dürfen bei Konzerten auch ohne Mindestabstand zusammensitzen. „Wir wollen Regeln, die zu Abständen zu Fremden führen, aber nicht als Gängelung wahrgenommen werden“, sagt Bergmann.

Halbherzig umgesetzt werden sollen sie aber nicht: „Wir sind uns unserer großen Verantwortung bewusst.“ Kein Besucher solle sich beim Folklorum mit Corona infizieren. Was jetzt noch fehlt, sind Besucher, die Festivalkarten erwerben. Der Vorverkauf war im Winter sehr gut angelaufen, aber mit Beginn der Corona-Zeit brach er massiv ein. Und er hat sich bis heute nicht erholt. Bergmanns Sorge ist, dass viele erst spontan entscheiden. Wenn dann aber schlechtes Wetter sein sollte und die Leute nicht kommen, hat er ein massives Problem: Er bleibt auf den – durch das geänderte Konzept besonders hohen – Kosten sitzen, das Folklorum wird zum finanziellen Desaster. Deshalb appelliert er an alle Folklorum-Fans, jetzt noch Karten im Voraus zu kaufen und der Insel somit etwas mehr Planungssicherheit zu geben.

50 Mitarbeiter weniger

Auf der Insel hat sich trotz Corona in den vergangenen Monaten so einiges getan, beispielsweise gibt es ein neues Hühnergehege und zwei neue Übernachtungsmöglichkeiten: Die Schamanenschaluppe auf Basis einer kasachischen Jurte auf der polnischen Seite und eine Übernachtungsstelle mit Steg zu einem Mini-Hügel im Behütum auf deutscher Seite. Andere Großbaustellen, etwa das Hochzeitslabyrinth, liegen coronabedingt auf Eis.

Die Kühe und Ziegen leben jetzt hoch über den Dächern der Kulturinsel. Die Tierpfleger Ruth und David kümmern sich um sie.
Die Kühe und Ziegen leben jetzt hoch über den Dächern der Kulturinsel. Die Tierpfleger Ruth und David kümmern sich um sie. © André Schulze

Weiterführende Artikel

Kulturinsel Einsiedel gibt nicht auf

Kulturinsel Einsiedel gibt nicht auf

Nach zwei Monaten Stillstand kehren endlich die Besucher auf die Kulturinsel Einsiedel zurück. Manches hat sich verändert.

Die Mitarbeiterzahl der Insel hat sich derweil bei 120 eingependelt. Mit Saisonkräften sind es 150 – und damit 50 weniger als voriges Jahr um diese Jahreszeit. Schuld am Rückgang ist Corona. Aber Bergmann sieht Licht: „Wir suchen derzeit wieder neue Leute für Gastronomie, Einlass und Rezeption.“ Holzgestalter wegen der verschobenen Aufträge hingegen erst einmal nicht – aber hoffentlich 2021 wieder.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz