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Private Autos sollen Lücken im Busnetz schließen. Klingenbergs Bürgermeister geht mit gutem Beispiel voran.

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Von Regine Schlesinger

Der Klingenberger Bürgermeister Torsten Schreckenbach ist ein Flincer der ersten Stunde. Nein, das ist kein Rechtschreibfehler. Bei Flinc handelt es sich um eine Internetplattform, die Mitfahrgelegenheiten vermittelt. Bei einem Workshop in Friedersdorf wurde vor Kurzem die Flinc-Gruppe „Mobil auf der Höhe“ gegründet. Sie bildet die Basis für den Aufbau eines Mitfahrnetzwerkes für die Region Klingenberg, Hartmannsdorf-Reichenau, Hermsdorf/E. und Altenberg. Autofahrer, die Mitfahrer mitnehmen wollen, können sich dort anmelden. Außer Torsten Schreckenbach hat das auch schon Johannes Korff getan. Seine Agentur kümmert sich um das Pilotvorhaben „Mobil auf der Höhe“, bei dem am Beispiel der vier Gemeinden nach Lösungen dafür gesucht wird, wie trotz der demografischen Entwicklung die Bevölkerung auf dem Land mobil bleiben kann.

Wie funktioniert die

Internetplattform Flinc?

Der Kfz-Bestand ist in der Region sehr hoch. Auf 100 Einwohner kommen bis zu rund 80 Fahrzeuge. Bei vielen Fahrten gibt es freie Platzkapazitäten. Hier will das Mobilitätsnetz mit Flinc anknüpfen. So funktioniert es: Autofahrer bieten über die Internetplattform Flinc kostenlos Fahrten an, bei denen sie Platz für Mitfahrer haben. Braucht jemand eine Mitfahrgelegenheit, gibt er bei Flinc Start und Ziel ein und bekommt umgehend Vorschläge für passende Fahrten. Der Preis fürs Mitfahren wird untereinander ausgehandelt.

Wie steht es um die Mobilität

auf dem Lande?

Für die vier am Pilotprojekt beteiligten Gemeinden läuft aktuell eine Online-Befragung zum Mobilitätsverhalten der Bürger. Anhand der damit gesammelten Daten sollen der Bedarf und das Potenzial für gemeinsame Fahrten ermittelt werden. Den Hut dafür hat Thomas Wette auf, Mitarbeiter der Agentur von Johannes Korff und Student der TU Dresden am Lehrstuhl Landmanagement. Er schreibt seine Abschlussarbeit zum Thema Mobilität. „Wir freuen uns über jeden, der sich ein paar Minuten Zeit für das Ausfüllen des Fragebogens nimmt“, sagt er.

Wie kommt die Flinc-Idee bei

den Bürgern an?

Durchaus positiv, gibt Johannes Korff den Eindruck wieder, den er kürzlich bei dem Workshop in Friedersdorf gewonnen hat. Aber die Vorstellung, Fremde im eigenen Auto mitzunehmen, ist ungewohnt. „Dabei helfen sich auch heute schon Nachbarn auf diese Weise“, so Korff. Es brauche aber wohl noch eine gewisse Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass es bei dieser Hilfe nicht nur um den unmittelbaren Nachbarn gehen muss. Die Projektmitarbeiter suchen sich daher für den Ausbau des Netzwerkes konkrete Ansprechpartner, bei denen die Mobilität eine große Rolle spielt. Johannes Korff sieht sie in Sportvereinen, aber auch Jugendklubs. „Unser Ziel ist, möglichst viele Leute zu erreichen.“ Nur wenn ein großes Angebot an Fahrten da ist, kann das Mobilitätsnetzwerk erfolgreich sein.

Was bringt das Flincen für die Autofahrer sowie die Mitfahrer?

Autofahrer können, zumindest zum Teil, ihre Spritkosten refinanzieren, zum Beispiel bei regelmäßigen Mitfahrern für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Mitfahrer können mit einem Klick bei den von Flinc vorgeschlagenen Fahrern anfragen und die Mitfahrt vereinbaren. Durch das Netzwerk weiß er, mit wem er fährt und kann sich auch die Bewertungen des Fahrers durch andere Mitfahrer ansehen.

Besteht Gefahr, dass der Öffentliche Nahverkehr weiter ausgedünnt wird?

Die DB Regio ist mit im Boot bei der ganzen Geschichte. Wenn das Mobilitätsnetzwerk steht, soll in einem weiteren Schritt das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs in die Flinc-Plattform integriert werden, sodass Mitfahrer bei ihrer Anfrage sowohl auf dieses Angebot als auch auf die privaten Fahrten zugreifen können.

Gibt es schon Erfahrungen mit der vernetzten Mobilität?

Die gibt es. Bereits seit einem Jahr wird in St. Georgen im Schwarzwald der öffentliche Nahverkehr mit den privaten Mitfahrangeboten über Flinc kombiniert. Inzwischen haben sich rund 900 Personen auf der Plattform angemeldet und organisieren ihre Fahrten gemeinsam. Mittlerweile ist auch der Schwarzwald-Baar-Kreis dazugestoßen, sodass das Mitfahrangebot noch weiter ausgebaut werden kann.

www.flinc.org/groups/2305-mobil-auf-der-hoehe

Onlinebefragung über: www.soscisurvey.de/gemeindeflitzer