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Eintopf per Post aus Zschaitz

Lokale sind wegen Corona geschlossen, doch die Vorfreude auf den Neustart ist groß. Unsere Serie "Hier koche ich". Heute: Das Zschaitzer Wirtsehepaar Jentzsch.

Ute Jentzsch steht in der „Post“ an den Kochtöpfen. Auch wenn sie ihr Restaurant als Schnitzelkneipe bezeichnet, so kocht sie doch einmal in der Woche Eintopf, der auch unseren Lesern zu empfehlen wäre.
Ute Jentzsch steht in der „Post“ an den Kochtöpfen. Auch wenn sie ihr Restaurant als Schnitzelkneipe bezeichnet, so kocht sie doch einmal in der Woche Eintopf, der auch unseren Lesern zu empfehlen wäre. © Dietmar Thomas

Zschaitz-Ottewig. Pinsel schwingen statt am Kochtopf stehen. Das Wirtsehepaar Ute und Adalbert Jentzsch vom Zschaitzer „Gasthof zur Post“ nutzt die Corona-Krise für Renovierungsarbeiten. „Wir modernisieren unser kleines Gesellschaftszimmer, das gern von den Hasenzüchtern aus Döbeln, der Feuerwehr aber auch vielen anderen Vereinen genutzt wird“, sagt Adelbert Jentzsch, der den Gasthof als Wirt seit 41 Jahren führt. 

Die Chefin wäre allerdings seine Frau. Die würde kochen und darauf käme es vor allem an. Und das macht doch den Erfolg einer Gaststätte aus, sagt der 66-Jährige. „Wenn das Essen schmeckt, kann die Gastronomie immer überleben. Vorausgesetzt, es ist nicht zu wenig auf dem Teller und die Portionen sind nicht überteuert“, so Jentzsch.

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Pläne sahen anders aus

Wie alle Gastronomen in Deutschland hatten die Zschaitzer Wirtsleute für das Frühjahr anders geplant. Nicht nur gastronomisch, sondern auch die eine oder andere Veranstaltung und Feier sollte auf dem Saal der „Post“ über die Bühne gehen. „Dazu kommen die Leute von überall her“, erzählt Jentzsch.

Doch am 14. März hätte er erst den Abend mit der Rolling-Stones-Coverband Tacton aus Frankenberg absagen müssen und am kommenden Wochenende sollten die Academixer auftreten. Eigentlich. „Es war ausverkauft. Aber ich habe noch einen neuen Termin geschnackelt. Den letzten, der bei den Künstlern noch frei war, für den 4. Oktober“, blickt der Wirt voraus und denkt, dass dann wieder alles seinen geregelten Gang geht. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

So hofft Jentzsch darauf, dass die Grünlichtenberger Theatergruppe im Spätsommer ihr neues Programm aufführen kann. Und auch die weiteren Planungen wären fortgeschritten. „Ich habe viel umdisponiert in der Hoffnung, dass wir ab September wieder weitermachen können“, sagt der Wirt, und seine Frau fügt an: „Im Sommer selbst läuft ja ohnehin nicht so viel.“

Derzeit ist die Gaststätte aufgrund der Sächsischen Allgemeinverfügung geschlossen. Doch Ute Jentzsch kocht außer Haus, wenn der Wunsch dafür besteht. Das wurde auch über Ostern so praktiziert und hätte ganz gut funktioniert. Probleme, ihren Gasthof am Leben zu erhalten, sehen die Jentzschs bisher nicht. „Es ist ja nicht so, dass wir auf dem letzten Loch gelebt haben“, sagt Ute Jentzsch. „Es soll aber auch nicht so sein, dass die angesparte Altersvorsorge aufgebraucht wird“, fügt ihr Mann an. 

Die Zeit der Corona-Krise nutzt Adalbert Jentzsch, um das kleine Gesellschaftszimmer des Zschaitzer Gasthofs aufzuhübschen.
Die Zeit der Corona-Krise nutzt Adalbert Jentzsch, um das kleine Gesellschaftszimmer des Zschaitzer Gasthofs aufzuhübschen. © Dietmar Thomas

Ein Stück zusätzliche Sicherheit würde da natürlich die Corona-Soforthilfe des Freistaates bieten, mit der zumindest die laufenden Kosten zweckgebunden abgefedert werden können. Zudem hoffen Ute und Adalbert Jentzsch darauf, dass der Lieferdienst an den kommenden Wochenenden noch besser anläuft.

Optimistisch in die Zukunft

„Wir machen etwas, haben wir gesagt. Für uns Zwei geht das schon und rentiert sich auch“, sagt Ute Jentzsch und Adalbert fügt an: „Ein Risiko ist dabei. Aber als reiner Familienbetrieb geht die Gastronomie meist nicht kaputt.“ Entsprechend schauen die Wirtsleute trotz der Corona-Krise zuversichtlich in die Zukunft, zumal Adalbert Jentzsch noch mindestens dreieinhalb Jahre bis zu seinen 70. Geburtstag weiter hinter dem Tresen stehen will. 

Und so freuen sich die Zschaitzer, wenn sie demnächst wieder richtig loslegen können. Unter anderem auch bei den Familienfeiern, die ihre treuen Stammkunden nach der krisenbedingten Absage zeitnah nachholen wollen, aber auch mit deutschem Spargel auf der Karte, der dann geboten werden soll.

Zu guter Letzt hat Ute Jentzsch noch einen Tipp für all jene, die jetzt zu Hause sind und denen die Ideen fürs Kochen ausgehen. „Wir sind ja eigentlich eine Schnitzelkneipe“, meint sie, aber dass auch das Rostbrätel recht beliebt sei. 

Doch jede Woche würde sie auch – meist donnerstags – einen Eintopf kochen, wenn nicht gerade Feiertage anstehen würden. Mit Nudeln, Gräupchen, Reise, Gemüse oder auch gemischt. Es gebe da viele Möglichkeiten. Die Zubereitung würde zwar schon zwei bis zweieinhalb Stunden dauern, doch am nächsten Tag könnte der Eintopf noch mal aufgewärmt werden. „Und aufgewärmt, schmeckt er am besten“, weiß Ute Jentzsch und fügt an: „Denn dann ist der Eintopf richtig durchgezogen.“

Gemischter Gemüseeintopf

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  • Zutaten: Schweineknochen, Rindfleisch, Zwiebel, Sellerie, Möhren, Bohnen, Pfefferkörner, Salz, Kartoffeln, Petersilie.
  • Zubereitung: In einem Topf eine Brühe mit Rindfleisch, Schweineknochen mit Lorbeer, Zwiebeln, Pfefferkörnern, Möhren, Sellerie und Salz ansetzen und rund zwei Stunden kochen. Weitere Möhren werden geschält, klein geschnitten und bissfest gekocht, ebenso Kartoffeln und Bohnen. Die gegarten Zutaten werden zusammengekippt und mit der durchgezogenen und abgeseihten Brühe aufgegossen. Das Fleisch wird klein geschnitten und kommt mit etwas Petersilie garniert auf den mit Eintopf gefüllten Teller.

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