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Eintrittspreise für Museen in Niesky erhöht

Die Stadt der Holzhäuser hat viel zu bieten – und will dafür jetzt auch mehr Geld. Draufzuzahlen ist bei der Kultur aber trotzdem seitens der öffentlichen Hand.

Von Wulf Stibenz

Drei Euro haben Familien bislang gezahlt, wenn sie sich im Raschkehaus-Museum umgesehen haben. Künftig wird das mehr kosten – allerdings wird auch mehr geboten. Denn ab dem Wochenende hat Niesky das durchsanierte Wachsmannhaus zu bieten. Und das ist weltweit einzigartig. Auch Oberbürgermeister Wolfgang Rückert stellt bei der Beratung im Verwaltungsausschuss stellt fest: „Es ist beachtlich, was wir als Stadt Niesky an kulturellen Einrichtungen vorhalten.“ Das ist einerseits Lob, andererseits auch ein banger Blick auf die Kosten. Denn zurzeit stehen die Haushaltsberatungen an, Niesky hat da einige Sorgen – und wenn gekürzt wird, dann meist bei den kulturellen Einrichtungen.

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Doch erstens ist das Wachsmannhaus eben erst fertig geworden. Und zudem will sich die Stadt es auch nicht mit den Interessenten verscherzen. Deshalb kommen Kinder auch künftig umsonst in die touristischen Attraktionen rein. Dass die Erwachsenen mit Ticketmodellen von zehn und 18 Euro klarkommen müssen, ist eine Preissteigerung, die zwar bei den Stadträten im Verwaltungsausschuss für Verwunderung gesorgt hat. Doch die Erklärung von Jeannette Tunsch von der Stadtverwaltung ist so logisch wie einfach: Es gilt fortan einen einzigen Eintritt für beide Einrichtungen. Die Standorte Raschkes und Wachsmanns sind während der Öffnungszeiten durchgängig besetzt. Sonder- und Dauerausstellungen ergänzen das kulturelle Angebot.

Der neue Preis liegt zudem im Lausitzer Schnitt. So viel Kulturgeschichte und Extras einen ganzen Eintrittstag lang gibt's nunmal nicht für lau. Was der Stadtrat Niesky in seiner Maisitzung – also nach der feierlichen Eröffnung des Wachsmannhauses – aber in Sachen Nieskyer Kulturlandschaft beschließen kann, geht über den Eintrittspreis weit hinaus. „Wir haben die Satzung ergänzt, um Spenden zu ermöglichen“, erklärt Tunsch. Die alte Satzung und die neuen Richtlinien in Sachsen, was Spenden an Kommunen angeht, haben das nötig gemacht. Und von der Hand zu weisen ist die Option keineswegs. So hat das Wirken Wachsmanns über die Grenzen des Kontinents hinaus ja zurfolge, dass Gäste aus Übersee sich Niesky ansehen. Zudem ist was dran am Spruch, dass Hochkultur nicht umsonst zu haben ist. Über die Vergleichbarkeit von Niesky mit anderen Kulturstädten muss zum jetzigen Zeitpunkt nicht debattiert werden. Häppchenweise entwickelt sich aber ein Vermarktungskonzept zur Geschichte der Stadt. So steht das Raschkehaus für die Herrnhuter Stadtgeschichte und das Wachsmannhaus für die Umgebinde- und Holzhaustradition. Letzteres soll laut Tunsch zudem „ein Ort des Lernens, Wissens, der Kommunikation, Kultur und für den Tourismus werden“.

Da zudem das Standesamt im Wachsmannhaus einzieht, Sonderausstellungen organisiert werden – und sogar der Stadtrat darüber nachdenkt, die Jahnhalle zu verkaufen und künftig im schicken Holzhaus zu tagen – entwickelt sich ein neues Selbstbewusstsein für die Geschichte der Stadt und ihrer Mitbegründer. Das wird in eine vertretbare Anzahl Euro umgerechnet. Und die Touristen können so etwas dazu beitragen, die Unkosten auszugleichen. Das ist trotz aller Fördergelder nötig, denn allein der neue Standesamtstisch soll 5 000 Euro kosten. Allerdings dürfte der Werbeeffekt mit den Hochzeitsgästen und den Besuchern der Kulturveranstaltungen durchaus beachtlich sein.