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Einwohner hatten damals keine Chance

Der große Stadtbrand, der am 24. Juli 1806 gegen 4.30 Uhr in einem Hinterhaus an der Enggasse nahe dem Schuhmarkt ausbrach, gibt auch nach 200 Jahren noch immer Rätsel auf. Der Döbelner Anzeiger wollte mehr wissen und sprach mit Vereinschef Georg Riedel.

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Der große Stadtbrand, der am 24. Juli 1806 gegen 4.30 Uhr in einem Hinterhaus an der Enggasse nahe dem Schuhmarkt ausbrach, gibt auch nach 200 Jahren noch immer Rätsel auf. Der Döbelner Anzeiger wollte mehr wissen und sprach mit Vereinschef Georg Riedel.

War es ein vorsätzlich entfachter Brand oder doch ein Unfall? Nachdem wir nun lange alle Unterlagen durchforstet haben, kann sich jeder seine eigene Meinung bilden. Ich persönlich bin der Auffassung, dass der Seifensieder Johann Wilhelm Kaulisch sein Haus absichtlich in Brand gesteckt hat, um von der Versicherung Geld zu kassieren. Aber das Ganze lief dann schließlich aus dem Ruder und die gesamte Stadt wurde ein Raub der Flammen.

Warum glauben Sie, dass es Brandstiftung war?

Ein Anhaltspunkt für diese These ist, dass Kaulisch Berichten zufolge am Vorabend des Brandes noch einige seiner Habseligkeiten in Sicherheit brachte.

Was wissen Sie noch über den Brand zu berichten?

Den meisten anderen Bürgern der Stadt Roßwein gelang dies nicht mehr. In rasender Geschwindigkeit breitete sich das Feuer, so wie wir es heute gezeigt haben, auf die ganze Stadt innerhalb der Stadtmauern aus. Auf Hilfe von außen konnten die Bürger damals nicht hoffen.

Wieso konnten die Roßweiner nicht auf Hilfe hoffen?

Die Stadttore standen ebenfalls in Brand. Somit konnte niemand aus der umliegenden Region zur Hilfe eilen. Die Bürger innerhalb der

Stadtmauern waren auf sich allein gestellt. Das muss schlimm gewesen sein.

Wer hat sich vom Verein intensiv mit der Geschichte des Brandes auseinandergesetzt?

Es war unser Feuerwehrhistoriker Reinhard Senf. Jahrelang hat sich der Rentner mit der Geschichte Roßweins befasst, Bücher und Zeitungen gelesen, in Archiven gestöbert und alle interessanten Daten in seinen Computer übertragen. Dank der Chronisten, in den meisten Fällen Lehrer aus Roßwein, blieben uns viele Informationen erhalten. Insbesondere zwischen den beiden Weltkriegen wurde viel Geschichtliches niedergeschrieben.

Was wurden noch für interessante Dinge zum Brand überliefert?

So ist überliefert, dass dem großen Stadtbrand von 1806 insgesamt 324 Bürgerhäuser mit Nebengebäuden, 16 öffentliche Gebäude, unter ihnen Rathaus, Brauhaus, Malzhaus, fünf Torhäuser, Kirche, Schule und Pfarramt sowie 20 Scheunen zum Opfer fielen. Ob Kaulisch damals tatsächlich Schuld am Brand war, konnte jedoch nie ganz geklärt werden. Der Prozess in Leipzig dauerte vier Jahre lang und musste am Ende eingestellt werden, da trotz der Zeugenaussagen kein eindeutiger Nachweis der Schuld gelang. Dennoch wurde Kaulisch der Stadt verwiesen. Er starb mit 35 Jahren in Wilsdruff an Tuberkulose.

Es fragte: Thomas Kretschmann