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Nachbarn wollen Saunapark verhindern

In Weißig bei Rathen will eine Investorin ein Spa bauen - gegen den Willen vieler Anwohner. Ein neuer B-Plan soll das Problem lösen und wird zum Streitobjekt.

Früher Kuhstall, bald ein Saunapark? Viele Weißiger wünschen sich hier lieber neue Wohnhäuser.
Früher Kuhstall, bald ein Saunapark? Viele Weißiger wünschen sich hier lieber neue Wohnhäuser. © Daniel Förster

Es ist einer der kleinsten Orte in der Sächsischen Schweiz: An die 100 Einwohner leben in Weißig, einem Ortsteil von Struppen. So klein das Dorf, so beliebt ist es bei Touristen und Wanderern. Tausende verschlägt es jedes Jahr hierher. Bald könnten es einige mehr werden. Denn Investoren wollen in Weißig einen Saunapark bauen. Auf einem Grundstück am Ortseingang, auf dem sich unter anderem ein ehemaliger Kuhstall befindet, soll das Hotel inklusive Spa mit mehreren Innen- und Außensaunen entstehen.

Der Plan stößt jedoch auf wachsenden Widerstand. Der Großteil der Einwohner möchte die Fläche lieber als neuen Wohnbaustandort nutzen. Weißig soll damit Familien anlocken und weiter wachsen, argumentieren die Bewohner. Ob Wohnhäuser oder Saunapark? Diese Frage sollte mit einem neuen Bebauungsplan geklärt werden. Die Gemeinde Struppen arbeitet in der Tat seit mehr als zehn Jahren an einem B-Plan für das fragliche Areal. Bisher gab es aber nur Entwürfe, eine gültige Version nicht. Jetzt steht Entwurf Nummer zehn zur Debatte. Und genau dieser wird zum Zankapfel.

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Mehr Wohnhäuser, weniger Tourismus

Das wurde bei der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend deutlich. Knapp 20 Weißiger waren gekommen, um den Räten bei der Entscheidung auf die Finger zu schauen. Sie wollten den neuen B-Plan eigentlich endlich abnicken. Wie dieser final aussehen soll, das war bereits bei zwei Einwohnerversammlungen im Frühjahr Thema. Dabei ging es unter anderem um die Frage, welche Baugebietstypen für Weißig das Beste wären - auch im Hinblick auf den geplanten Bau des Saunadorfes. Dorfgebiet, allgemeines Wohngebiet oder gar ein Sondergebiet Tourismus, das den Weg für das Spa frei gemacht hätte? 

In einer Bürgerbefragung konnten sich die Weißiger zuletzt dazu äußern. Das Ergebnis: Die Mehrheit will selbst landwirtschaftlich tätig sein. Auch Weißig als reines Wohngebiet fand eine breite Zustimmung. Dass der ehemalige Kuhstall am Ortseingang touristisch genutzt wird, zum Beispiel als Hotel, das konnte sich nur ein Bruchteil vorstellen. Die deutliche Mehrheit wünscht sich an dieser Stelle neue Wohngrundstücke.

Die Meinung der Weißiger sollte die Fahrtrichtung für den finalen B-Plan vorgeben. Eigentlich. Der überarbeitete Entwurf entsprach jedoch so gar nicht ihren Vorstellungen. Der Planerin Marlies Ehrt, die den B-Plan im Auftrag der Kommune überarbeitet, blies viel Gegenwind ins Gesicht. Denn die besagte Fläche am Ortseingang, auf dem Investoren einen Saunapark planen, soll ihrem Vorschlag nach zu einem Mischgebiet werden. Das erlaubt laut Baunutzungsverordnung zwar Wohngebäude und Geschäfte, aber ebenso auch Beherbergungsbetriebe und Anlagen für sportliche oder gesundheitliche Zwecke. Hotels sind damit nicht ausgeschlossen. Gleiches gilt für ein Spa. 

Vom Dorf- zum Mischgebiet

Als Marlies Ehrt den B-Plan mit diesen Details vorstellte, ärgerten sich viele Weißiger im Publikum. Der Plan gehe komplett an den Wünschen der Einwohner vorbei, machten sie deutlich. In der letzten Einwohnerversammlung hätte sich noch ein Dorfgebiet als Vorzugsvariante für Weißig herauskristallisiert. Das stieß auf breite Zustimmung. Wird es tatsächlich angewandt, hätten es die Investoren des Saunaparkes schwer gehabt, ihre Pläne umzusetzen. Warum das Dorfgebiet plötzlich gar keine Rolle mehr spielt, fragten sich nun viele Gäste. Marlies Ehrt wollte Weißig ursprünglich zum Großteil als Dorfgebiet ausweisen. Nach einem Gespräch mit dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde habe sich jedoch herausgestellt, dass Weißig keine Voraussetzungen für ein Dorfgebiet habe. "Ihnen fehlt ein großer landwirtschaftlicher Betrieb, um das Kriterium zu erfüllen", erklärte die Planerin. Deshalb habe sie sich alternativ für ein Mischgebiet entschieden.

"Ein Mischgebiet ist die denkbar schlechteste Variante an dieser Stelle, denn sie lässt alles zu, was wir nicht wollen", sagte Hotelier Jörg Ettrich aus Weißig. Er erinnerte Bürgermeister Rainer Schumann (CDU) noch einmal an sein Versprechen, nichts gegen den Willen der Weißiger entscheiden zu wollen. Das gelte weiter, entgegnete der Ratschef. Auch unter den Gemeinderäten erntete der vorgelegte B-Plan Kritik. Das Mischgebiet lasse genau das zu, was die Investoren wollen, äußerte Ronny Raschke (CDU). "Die Weißiger haben einen Willen und den sollten wir umsetzen", ergänzte Volker Schwarz (CDU). Nicht jeder Gemeinderat sei ein Fachmann für Bebauungspläne. Deshalb habe man bislang nichts negatives an einem Mischgebiet gefunden. Wenn Weißig sich jedoch klar dagegen positioniert, müsse man umplanen.

Entscheidung auf Juli vertagt

Nach mehr als 90 Minuten Diskussion einigten sich die Gemeinderäte genau darauf. Planerin Marlies Ehrt muss den zehnten Entwurf erneut überarbeiten. Das für den Saunapark angedachte Grundstück am Ortseingang soll nun zu einem allgemeinen Wohngebiet werden. Dort sind neben normalen Wohnhäusern auch "die der Versorgung des Gebiets dienenden Läden, Schank- und Speisewirtschaften sowie nicht störenden Handwerksbetriebe" zulässig. Auch kleinere Tierhaltungen beispielsweise mit Hühnern, Ziegen und Schafen sollen möglich sein. 

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Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung Anfang Juli soll der B-Plan stehen und beschlossen werden. Danach wird der Plan öffentlich ausgelegt. Genehmigen muss ihn am Ende das Landratsamt.

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