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Einzelunternehmer in der Schuldenfalle

Es hat zuerst die Schwächsten getroffen. Ein Pirnaer Experte rechnet nun mit einem weiteren Anstieg der Zahlen.

Ein zu zeitig gibt es für die Schuldnerberatung nicht.
Ein zu zeitig gibt es für die Schuldnerberatung nicht. © Archiv: Claudia Hübschmann

Keine Aufträge, kein Geld, dafür weiter Rechnungen und Ausgaben - und dann geht es ganz schnell. Vor allem für Einzelunternehmer ging es bei Beginn der Corona-Krise besonders schnell.  Sie waren die Ersten, die vermehrt zur Schuldnerberatung gingen, sagt Jens Heinrich, Einrichtungsleiter der Awo Sonnenstein GmbH, die die Schuldnerberatung im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und in Dresden anbietet.

Hilfen konnten Einbruch nicht verhindern

Grund waren in den meisten Fällen die laufenden hohen Belastungen und geringen Rücklagen. Während kein Geld mehr reinkam, liefen die Ausgaben für Krankenkasse, Miete privat und dienstlich, Lebenshaltungskosten etc. weiter, sagt Jens Heinrich. Die staatlichen Hilfen waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein, ist seine Erfahrung. Auch weil viele der Einzelkämpfer kein finanzielles Polster haben.

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Die Unterstützungen konnten den Einbruch bei Einzelunternehmern nicht verhindern, sagt Heinrich. Für sie treffen Regelungen wie Kurzarbeit, die eine große Errungenschaft seien,  nicht zu. Und Heinrich befürchtet, es wird noch schlimmer. 

Was ist bei der Schuldnerberatung zu beachten

  • Jeden Donnerstag gibt es in Pirna zwischen 9 und 12 und 13 und 16 Uhr eine offene telefonische Sprechstunde, da kann jeder anrufen. Am Telefon können bereits viele Informationen gegeben werden. Ist eine weitere Beratung erforderlich, werden Termine vereinbart.
  • In Pirna arbeiten drei Berater.
  • Die Beratung ist kostenlos und ohne Verpflichtungen für den Ratsuchenden. Es kann sich jeder an die Beratung wenden. Die Arbeiterwohlfahrt erhält dafür Geld vom Landratsamt sowie bei Insolvenzverfahren vom Freistaat.
  • Die Beratung ist unabhängig und auch konfessionell ungebunden.

Erfahrungsgemäß gehen die  meisten nämlich erst zur Schuldnerberatung, wenn die erste Mahnung oder gar Pfändungsbescheide ins Haus flattern, wenn die Situation nicht mehr unter Kontrolle ist. Bis dahin denken viele, es noch irgendwie in den Griff zu bekommen und versuchen verbissen, selbst noch etwas zu retten, sagt Heinrich. Er rechnet deshalb, dass es noch etwa ein halbes Jahr dauert, bis die Schuldnerberatungsstellen den wahren Ansturm erleben. Ein Grund ist auch das Ende des Mietaufschubs. Die Miete bis Ende Juni nicht zahlen zu müssen, heißt ja nicht, dass sie gestrichen sind. Sie muss dann irgendwie nachgezahlt werden. 

Berater als Vermittler

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An den fehlenden Einnahmen und weiterlaufenden Ausgaben kann die Beratung zwar nichts ändern, aber sie kann gemeinsam mit allen Betroffenen Wege finden, die Schlimmeres verhindern. Das heißt zum Beispiel, Ratenzahlungen zu vereinbaren. Die Beratung versteht sich dabei als Vermittler zwischen Gläubiger und Schuldner.  "Doch dafür ist notwendig, dass die Leute rechtzeitig zu uns kommen", sagt Heinrich.  Ein zu früh gibt es da nicht. 

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