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Eis mit Abstand

Mit etwas Kühlem auf die Hand und Schnitzel zum Mitnehmen trotzen Wirte und Gäste zu Ostern der Corona-Krise in der Weißeritzregion.

Silke und Aron aus Freital bekommen hier an der Eisoase in Paulsdorf ein Softeis von Mirko Göschel. Verkauf zum Mitnehmen ist erlaubt. Sitzmöglichkeiten darf er seinen Gästen aber nicht anbieten.
Silke und Aron aus Freital bekommen hier an der Eisoase in Paulsdorf ein Softeis von Mirko Göschel. Verkauf zum Mitnehmen ist erlaubt. Sitzmöglichkeiten darf er seinen Gästen aber nicht anbieten. © Andreas Weihs

Mirko Göschel fragt: „Wann hatten wir zuletzt so schönes Wetter zu Ostern? Das ist es bestimmt ein paar Jahre her.“ Ein Ostersonntag wie dieser 12. April es gewesen ist, wäre unter normalen Umständen für den Gastronomen, der in Paulsdorf an der Talsperre Malter die „Eisoase“ betreibt und das „Bunte Häusel“ in Altenberg, das pure Vergnügen. Aber nicht so dieses Jahr. Unter den Vorzeichen der Corona-Epidemie ist alles ganz anders.Göschel hat das Glück, dass wenigstens der Verkauf von Eis auf die Hand noch erlaubt ist und er zumindest an der Malter noch öffnen kann. Auch andere Gastronomen an der Talsperre oder in Freital nutzten diese Möglichkeit, Spaziergängern und anderen hungrigen Mündern ein Angebot zu machen. Die SZ hörte sich um, wie diese Angebote gelaufen sind.

Tom, Hanna, Holly und Maria aus Rabenau haben auf ihrem Familienausflug in Malter beim Eispinguin eine Erfrischung gekauft.
Tom, Hanna, Holly und Maria aus Rabenau haben auf ihrem Familienausflug in Malter beim Eispinguin eine Erfrischung gekauft. © Andreas Weihs

Es steht eine kleine Schlange vor dem Eisverkauf in Paulsdorf. Die sieht aber eindrucksvoller aus, als sie in Wirklichkeit ist. Denn im Großen und Ganzen respektieren die Besucher die Regel „Abstand halten“, die Göschel groß auf seine Tafel geschrieben hat. In anderen Zeiten wirbt diese für seine Sonderangebote. „Es sind hier die Gäste aus Dippoldiswalde und Umgebung unterwegs. Wir haben Betrieb, aber bei Weitem nicht so viel wie sonst möglich wäre“, sagt er. Wenn noch Gäste aus Dresden und dem weiteren Umland an die Talsperre gekommen wären, hätte ihm das sicher den dreifachen Umsatz gebracht, schätzt Göschel. Doch das ist nicht erlaubt. Die Polizei hat das auch kontrolliert. 

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An der B170 in Oberhäslich und an der Talsperrenstraße in Dippoldiswalde waren am Osterwochenende Kontrollposten aufgebaut. „Die haben aber nur auf auswärtige Kennzeichen geschaut“, berichtet Göschel. So fahren nur wenige Autos an der Talsperre, Radfahrer, Jogger, Spaziergänger prägen das Straßenbild. Auch gegenüber auf der anderen Seite der Talsperre in Malter haben das Restaurant „Bella Vista“ und der „Eispinguin“ für den Außer-Haus-Verkauf geöffnet.

In der vierten Stunde am Nachmittag steht auch vor dem Eispinguin eine Schlange. „Wenn es ein normaler Sonntag wäre, wäre die genauso lang, aber mit viel mehr Leuten und wir müssten länger warten“, sagt ein Mann im Radfahrerdress zu seiner Frau und stellt sich hinten an - mit dem gebotenen Abstand zur Familie vor ihm. Claudia Klöber mit ihrem Sohn Robin und ihr Partner Stephan Wurzinger mit seiner Tochter Maria haben sich gerade für alle eine bunte Portion Eis geholt. „Wir wollten Eis essen gehen, jetzt spazieren wir ein wenig am Wasser“, sag Claudia Klöber.

Nadine, Hannah, Niklas und Thomas aus Freital freuen sich am Ostersonntag auf Pommes und Wurst beim Straßenverkauf am Hotel zur Linde in Freital.
Nadine, Hannah, Niklas und Thomas aus Freital freuen sich am Ostersonntag auf Pommes und Wurst beim Straßenverkauf am Hotel zur Linde in Freital. © Andreas Weihs

Genau hier in Malter hat früher Frank Gliemann ein Restaurant mit Imbiss betrieben. Jetzt hat er in Freital das Hotel „Zur Linde“. Er hat sich seine Erfahrungen aus Talsperrenzeiten zunutze gemacht, und in der Linde zu Ostern auch einen Straßenverkauf gestartet. Auf die Karte kamen Klassiker wie Bratwurst, die man gut mit der Hand essen kann. Den österlichen Lammtopf oder das Schnitzel haben sich die Kunden auch mit nach Hause genommen. „Damit haben wir vielleicht ein Fünftel des Umsatzes gemacht, wie wir es an einem solchen Ostersonntag unter normalen Umständen gehabt hätten“, schätzt der Hotelier. Aber er kann damit wenigstens einige der Kosten tragen, die für sein Haus weiterhin anfallen und er hofft, dass er damit auch seinen Gästen positiv im Gedächtnis bleibt.

Eines freut ihn bei seiner Aktion besonders: „Wir bekommen so viel positive Reaktionen von den Gästen, mehr als normal. Das hat richtig Spaß gemacht. Und eines haben manche Kunden besonders gewürdigt – wieder einmal ein frisch gezapftes Bier zu trinken.“

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