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Eis verkaufen als Lebensaufgabe

Schon seit 40 Jahren betreibt Familie Huß ihr Café in Dresden. Knapp waren die Eiszutaten nicht nur zu DDR-Zeiten. 

Ohne Leidenschaft lasse sich kein Eis verkaufen, davon sind Karl und Bergit Huß überzeugt.
Ohne Leidenschaft lasse sich kein Eis verkaufen, davon sind Karl und Bergit Huß überzeugt. © René Meinig

Bei Temperaturen von über 30 Grad war am Wochenende wieder Schwitzen angesagt. Im traditionsreichen Eisgarten Huß am Tolkewitzer Elbufer herrschte Höchstbetrieb. Seit mehr als 40 Jahren kann das Café schon seinen Kultstatus aufrechterhalten, sogar die Sitzgarnitur mit Blick aufs Elbufer ist noch dieselbe. Das hat nicht nur Charme, sondern auch einen ganz pragmatischen Hintergrund. Schließlich dürfen die besten Plätze nicht zu bequem sein. Denn der Andrang aufs Eiscafé ist seit Jahrzehnten ungebrochen. Für Inhaberin Bergit Huß hänge der Erfolg ganz klar an der Qualität. „Wir essen jeden Tag unser eigenes Eis und wissen deshalb auch, was wir produzieren.“

Seit die 53-Jährige das Eiscafé ihres Vaters im Jahr 1983 übernommen hatte, ist es mehr als nur ein Vollzeitjob. An gut besuchten Tagen wie an diesem Wochenende gibt es spätestens ab 16 Uhr keine Verschnaufpause mehr. Bis in die Dunkelheit hinein wird durcharbeitet. „Das muss man wirklich wollen“, sagt sie. Doch im Hause Huß ist die ganze Familie mit Herzblut dabei. Anders würde das auch gar nicht funktionieren: „Weil wir genau dann arbeiten, wenn andere am See liegen. “

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Im Eisgarten Huß wird das Eis hinter der Theke von Matthias Huß höchstpersönlich hergestellt. 
Im Eisgarten Huß wird das Eis hinter der Theke von Matthias Huß höchstpersönlich hergestellt.  © René Meinig

Direkt hinter der Eistheke schüttet ihr Mann Matthias einen Kübel mit dickflüssiger Milch in eine große silberne Eismaschine. Gemeinsam mit Sohn Karl werden hier Tag für Tag bis zu zwölf verschiedene Eissorten hergestellt – alles streng nach Familienrezept.

Wobei die Rezepturen schon ein bisschen abgewandelt worden sind. Denn heute werde penibel darauf geachtet, nur mit natürlichen Zutaten und ganz ohne Geschmacksverstärker zu arbeiten. Das sah in den 70er-Jahren, als eine Kugel Eis noch 15 Pfennige kostete, anders aus. Da ging es darum, überhaupt irgendwie die Zutaten für das Vanille-, Erdbeer- und Schokoladeneis zusammenzubekommen. Nur wenn es richtig lief, wurde das Sortiment noch um Stachelbeereis erweitert. „Da war jede Menge Planung notwendig“, erzählt Bergit Huß. Wenn es zum Beispiel Eiswaffeln gab, sei mindestens ein ganzer Jahresvorrat gekauft und auf dem Dachboden gelagert worden. „Letztendlich hat es immer irgendwie geklappt. Bei uns war nicht einen Tag zu.“ Diese Erfahrungen helfen noch heute weiter. Denn während im vergangenen Jahr viele Eisdielen aufgrund der extrem teuren Vanillepreise ihre Rezeptur umstellen oder gar die Preise erhöhen mussten, konnte Huß ganz entspannt auf ihre Bestände schauen. „Wenn der Preis gut ist, dann muss man eben in Massen kaufen. Damals wie heute.“

Und noch eine andere Sache ist gleich geblieben: Trotz der großen Auswahl verkaufen sich die drei Klassiker aus DDR-Zeiten nach wie vor am besten. Dennoch müsse ein Eiscafé heutzutage ein bisschen mehr Auswahl haben, findet die Inhaberin. Um auf neue Ideen zu kommen, sucht Huß auch bei anderen Eisdielen Inspiration. „Mit dem Gaumen zu klauen, ist ja schließlich nirgends unter Strafe gestellt“, sagt sie.

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Mittlerweile arbeitet bereits die dritte Familiengeneration fest im Eiscafé Huß, denn auch ihr Sohn Karl ist ins Eisgeschäft eingestiegen. Ansonsten würde sich Bergit Huß ernsthafte Sorgen um die Zukunft des Ladens machen müssen. Vernünftiges Personal lasse sich nur äußert schwierig finden, sagt sie. „Zum Glück ist er bei uns noch da, der Nachwuchs.“

Und sogar ungewöhnlich gut ausgebildet, denn Karl Huß sei Sachsens erster ausgelernter Speiseeis-Hersteller. Wo heute meistens nur noch angelernt wird, habe der 31-Jährige eine zweijährige Ausbildung absolviert.

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