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Eisige Gefahr von oben

Mit dem Tauwetter lösen sich die Eiszapfen. Auch Dachlawinen sind ein Thema. Die Feuerwehr ist alarmiert.

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Von Jens Ostrowski und Nicole Preuss

Alles Gute kommt von oben? Für Marcel Odoj galt das nicht. Im Winter vor zwei Jahren wurde sein Auto auf der Goethe Straße in Riesa von einer Schnee- und Eislawine begraben: 6 000 Euro Schaden. „Hätte ich nur einen Meter versetzt gestanden, wäre es auch für mich böse ausgegangen“, glaubt der 31-jährige Riesaer.

Das einsetzende Tauwetter birgt auch in diesem Jahr wieder Gefahren von oben. In diesen Tagen sind die Feuerwehren im Altkreis Riesa unterwegs, Eiszapfen und Schneelawinen von Dächern zu beseitigen, bevor diese sich selbstständig machen. Das bestätigt der Riesaer Stadtwehrleiter Egbert Rohloff. An Unfälle mit Personenschaden könne er sich zwar in den vergangenen Jahren nicht erinnern, es komme aber immer mal vor, dass Fahrzeuge beschädigt werden. Wie der Audi von Marcel Odoj vor zwei Jahren.

„Ich habe auf der Goethestraße eingeparkt, bin ausgestiegen und dann passierte es“, sagt er. Eine etwa drei mal drei Meter umfassende Schnee- und Eislawine löste sich vom Dach eines Hauses und krachte vor allem im Bereich der Beifahrerseite auf sein Auto. „Die Heckscheibe war zerschlagen, die hintere Säule eingedrückt, das Schiebedach nicht mehr funktionsfähig und auch der Kotflügel zerbeult“, erinnert sich der 31-Jährige. Der Schaden lag bei 6 000 Euro. „Das war gemeingefährlich. Wenn ich einen Beifahrer dabei gehabt hätte“, sagt er, schweigt kurz und fügt dann hinzu: „Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn jemand die Lawine auf den Kopf bekommen hätte.“

Eine Entschädigung hat Marcel Odoj von der Versicherung des Hauseigentümers nicht bekommen. Denn nicht in jedem Fall kann er haftbar gemacht werden, weiß Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. So müsse der Hauseigentümer Schnee und Eis zwar in Gefahrensituationen vom Dach räumen. Aber auch Passanten und Autofahrer müssen aufpassen. Wenn sich Hauseigentümer und Passant gar nicht einigen können, muss der Fall vor Gericht. Und da gäbe es je nach Sachlage unterschiedliche Urteile.

Auf der sicheren Seite ist der Eigentümer, wenn er die Gefahren erkennt und beseitigt. In höheren Lagen hilft dabei auch die Feuerwehr Riesa, sagt Egbert Rohloff. Für 109 Euro rücke sein Team mit einem Leiterwagen aus, um Eiszapfen abzuschlagen. Telefonanruf bei der Feuerwehr Riesa reicht aus ( 03525 721120).

Warnschilder an Laternen

Wenn wirklich ein Schaden auftritt, sind Versicherungen ganz wichtig, sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale. Besonders für Hauseigentümer. Eine Privat-Haftpflicht-Versicherung entschädige zum Beispiel, wenn eine Dachlawine ein parkendes Auto verbeult habe. Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern reiche die private Haftpflicht-Versicherung aber nicht aus. Normalerweise springe bei ihnen dann die Grundbesitzer-Haftpflicht-Versicherung ein. Anders sei das, wenn die Schuld beim Passanten liege, der unter dem Dach vorbeigekommen ist. Autofahrer, die zum Beispiel ihr Auto trotz des Schildes „Achtung Dachlawinen“ abstellen, könnten auch kaum damit rechnen, dass eine Versicherung den Schaden übernehme. „Oft sind Dachlawinen gar nicht in der Kasko versichert, und wenn doch, prüft der Versicherer, ob sich der Halter durch das Abstellen grob fahrlässig verhalten hat“, sagt Andrea Heyer. Und das sei beim Parken neben einem solchen Schild möglich.

Auch an städtischen Gebäuden in Riesa ist die Feuerwehr in den letzten Jahren den Eiszapfen immer wieder zu Leibe gerückt. Vor allem auf dem Rathausplatz seien die Parkplätze unter den Laternen gefährlich, heißt es. Dort hat die Verwaltung deshalb auch ein Warnschild angebracht.

„Unsere Vollzugsbediensteten gehen aber nicht gezielt deswegen auf Kontrollgang. Wenn ihnen aber unterwegs eine Gefahr auffällt, versuchen sie, Kontakt zum Eigentümer zu bekommen und ihn darauf hinzuweisen. Über Unfälle mit Personenschäden in jüngerer Vergangenheit ist zum Glück nichts bekannt“, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler.