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Eislöwe geht dahin, wo es wehtut

Erst schwer verletzt, dann zwei Zahnhälften verloren und jetzt der Mann für entscheidende Tore – die außergewöhnliche Geschichte des Feodor Boiarchinov.

© Lutz Hentschel

Von Maik Schwert

Im Sommer stimmte alles bei Feodor Boiarchinov. Er wechselte von den insolventen Hannover Indians zu den Dresdner Eislöwen und blieb dadurch in der 2. Eishockey-Bundesliga, die jetzt DEL 2 heißt. Der 20-Jährige erfüllte perfekt die Ansprüche von Trainer Thomas Popiesch: dynamisch, jung und robust. Außerdem durchlief Boiarchinov fünf Jahre die anerkannte Nachwuchsschule der Berliner Eisbären.

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„Meinem Vater genügte es nicht, dass ich als Kind nur mal so bei den Preussen spielte“, betont der gebürtige Berliner mit russischen Wurzeln. „Wenn Eishockey, dann sollte ich es richtig machen.“ Während seine Schulfreunde teilweise abhingen, fuhr er damals täglich eine Stunde vom Elternhaus im Stadtteil Wilmersdorf zum mehrstündigen Training in den Osten. Sein Vater behielt recht. „Bei den Eisbären lernte ich, dass Talent nicht genügt. Ich muss auch sehr viel arbeiten, um mich zu einem guten Spieler zu entwickeln.“

Boiarchinov überzeugte Popiesch. „Feodor trainierte in der Vorbereitung fleißig und verschaffte sich gute Grundlagen“, erklärt der Eislöwen-Trainer. Der Angreifer kam mit ehrgeizigen Zielen nach Dresden. In Hannover gab er zwar sein Debüt als Profi. Viele Einsätze bekam Boiarchinov bei den Indians aber nicht. „Hoffentlich kann ich bei den Eislöwen den nächsten Schritt machen.“ Deren Trainer ließ ihn von Beginn an häufig spielen.

Bis zum vierten Duell am 22. September: Beim 3:2-Heimerfolg gegen Bad Nauheim foulte ihn ein Gegenspieler so schwer, dass Boiarchinov verletzt vom Eis musste. Er erlitt einen Innenbandriss im rechten Knie. „Anfangs war ich deprimiert, dachte, die Saison ist gelaufen und die harte Vorbereitung umsonst gewesen. Doch Physiotherapeuten und Trainer bauten mich wieder auf.“ Noch vor der Deutschland-Cup-Auszeit vom 6. bis 14. November stand Boiarchinov bereits wieder mit der Mannschaft auf dem Eis. Dank einer besonderen Schiene konnte er sein Pensum problemlos steigern. „Wenn es sein muss, dann arbeite ich doppelt so viel.“

Am liebsten hätte Boiarchinov gleich in der ersten Heimpartie nach der Länderspielpause vor drei Wochen gegen Kaufbeuren für die Dresdner losgelegt. Aber Popiesch bremste ihn damals: „Wir planten erst mit einem Einsatz im folgenden Duell.“ In der 20. Partie am 17. November griff Boiarchinov beim 3:2-Sieg nach Penaltyschießen in Kaufbeuren wieder für die Eislöwen an. Drei Tage später meldete er sich auch vor heimischer Kulisse zurück, steuerte das erste Tor zum 6:1-Triumph gegen Riessersee bei und machte die nächste schmerzhafte Erfahrung: Boiarchinov verlor zwei Zahnhälften und spielte dennoch zu Ende. „Das ist für Eishockeyspieler nichts Besonderes“, meint Popiesch. „Daran muss er sich noch gewöhnen.“

Boiarchinov hofft, dass es das jetzt war mit den Rückschlägen, und klopft auf den Tisch. Er kämpft weiter mit Zahnbeschwerden. „Ich muss bei heißen oder kalten Dingen aufpassen. Da schmerzt es.“ Auf dem Eis tut ihm nichts weh. „Da habe ich zwar konditionelle Probleme, aber die bekomme ich in den Griff.“ Popiesch pflichtet ihm bei: „Feodor ist ein jüngerer Profi und kommt schneller wieder rein als ältere Spieler. Er arbeitet sehr intensiv und geht in die gefährliche Zone vor dem gegnerischen Tor – dahin, wo er Schmerzen einstecken muss. Feodor kriegt seine Chancen und weiß, wofür er sich das antut.“

Boiarchinov erzielt jetzt sogar die entscheidenden Tore und sorgt dadurch für außergewöhnliche Momente. So schoss er die Dresdner gegen Crimmitschau 26 Sekunden vor dem Ende zum 2:1-Heimerfolg. „Das hat schon was, so ein wichtiger Treffer im Sachsen-Duell.“ Ansonsten ist es Boiarchinov egal, ob und wann er trifft. „Hauptsache, wir gewinnen“. Das machen die Eislöwen nun schon seit sieben Partien, zuletzt erneut auch dank Boiarchinov, der beim 3:1-Sieg am Sonntag zu Hause gegen Bremerhaven das letzte Tor erzielte.

„Das Zusammenspiel mit meinen Sturmpartnern Carsten Gosdeck und Arturs Kruminsch funktioniert immer besser. Auch als Mannschaft wachsen wir weiter zusammen. Wenn jeder von uns seine Leistung bringt, dann können wir alle schlagen“, sagt der Neu-Dresdner. Die Eislöwen bleiben hungrig. Ihr Ziel heißt Play-off-Einzug. Boiarchinovs Traum handelt von der DEL. Die Verletzung zeigte ihm aber auch, dass alles schnell vorbei sein kann. Daher absolviert er derzeit in der Geschäftsstelle ein Praktikum. Das benötigt Boiarchinov, um sein Fach-Abitur zu erhalten.

Starbulls Rosenheim – Dresdner Eislöwen Fr., 19.30

Dresdner Eislöwen – ESV Kaufbeuren So., 18.00