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Hoyerswerda

Eiszeitabenteuer zum Saisonstart

Der Findlingspark Nochten trotzt der Corona-Krise mit viel frischer Luft, bunten Blüten – und einer neuen Erlebnisschau.

Auch zu so einem frühen Zeitpunkt des Jahres lohnt sich ein Spaziergang im Findlingspark Nochten. Im März blühen dort Winterheide, Alpenveilchen, Krokusse, Narzissen und Wildtulpen und setzen bunte Farbtupfer.
Auch zu so einem frühen Zeitpunkt des Jahres lohnt sich ein Spaziergang im Findlingspark Nochten. Im März blühen dort Winterheide, Alpenveilchen, Krokusse, Narzissen und Wildtulpen und setzen bunte Farbtupfer. © Foto: Joachim Rehle

Nochten. Für den Findlingspark Nochten ist die größte Herausforderung in diesem Jahr „nur ein Zehntausendstel groß“: das Coronavirus. Der Park hat deshalb seine Großveranstaltung, das Frühlingsfest, Ende März abgesagt, so Ulrich Klinkert. Dem Saisonstart am Sonntag aber stand dennoch nichts im Wege. Oder wie es der Vorsitzende des Fördervereins Lausitzer Findlingspark bereits am Freitag formuliert hat: „Wir wissen nicht, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Park haben wird, aber Bewegung an frischer Luft und in freier Natur zur Immunstabilität ist bei einem Spaziergang durch den 20 Hektar großen Park sehr zu empfehlen. Erst recht, wenn wir alle angehalten sind, unsere sozialen Kontakte zu reduzieren“.

Pünktlich zur Saisoneröffnung wurde vorige Woche Freitag auch die neue Erlebnisausstellung „Eisig, riesig, spannend – Abenteuer Eiszeit“ im kleinen Saal des Besucherzentrums freigegeben. Ausgehend von den vielfältigen Diskussionen über den menschengemachten Klimawandel werde allzu oft vergessen, dass es einen natürlichen Klimawandel gibt und das Klima weltweit stets einem großen Wandel unterworfen ist. Eben wie das in der Eiszeit der Fall war.

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Interaktiver Umgang mit Steinen

Die Erlebnisausstellung versetzt die Besucher zurück in jene Zeit, als eine riesige Gletscherwand Gesteinsbrocken vor sich herschob und so die Findlinge in die Lausitz kamen. Audio-Dateien lassen erahnen, wie unheimlich das Knacken des Eises gewesen sein muss. Eine Transportmaschine, bei der eine Kurbelumdrehung für fünf Jahre steht, macht deutlich, wie lange es dauerte, bis die Gesteine von Stockholm aus im 900 Kilometer entfernten Nochten ankamen. Beim Findlingsmemory sind die Bilder gleicher Gesteinsarten einander zuzuordnen, an einem Geschiebebauplatz lassen sich mit farbigen Steinen tolle Gebilde zusammenlegen. Mit einer Lupenkamera kann man quasi im Inneren der Steine lesen. Mit vielen interaktiven Angeboten wird die Ausstellung zum Erlebnis. Für Familien sowieso, aber auch für Schulklassen in Form von Projektunterricht. Mehr als 100.000 Euro flossen in das Projekt. Die Arbeit daran begann vor einem Jahr. Unternehmen aus zehn Gewerken waren beteiligt. Mit der Schau gehe man „einen neuen Schritt in der Geschichte des Parks“, wie es Ulrich Klinkert formuliert. „Zum ersten Mal gibt es eine Dauerausstellung, die wissenschaftlich interessant und pädagogisch wertvoll ist.“ Er selber habe bei der Erarbeitung so einiges Neues entdeckt. Möglich wurde die Ausstellung nur dank einer europäischen Förderung über das Programm Interreg Polen – Sachsen, dessen Anliegen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist. Und die sei bei diesem Projekt überaus gelungen. Nach Aussage von Ulrich Klinkert umfasste der Antrag auf Fördermittel 73 Seiten und musste deutsch und polnisch verfasst werden. Marketing-Mitarbeiterin Anita Schwitalla hat das Projekt entwickelt, den Fördertopf gefunden, den Antrag in beiden Sprachen geschrieben und die Umsetzung begleitet.

An dem Projekt waren neben dem Findlingspark Nochten auch die polnische Stadt Lwówek Slaski (Löwenberg in Schlesien) beteiligt. „Uns vereint das Interesse an Mineralien und Bergbau“, so Ulrich Klinkert. Darüber hinaus seit vielen Monaten eine angenehme Zusammenarbeit und nun dieses Projekt, wie er sagte. Eigentlich habe die Bürgermeisterin von Löwenberg mit einer Delegation zur Eröffnung der Erlebnisausstellung kommen wollen, doch seien die grenzüberschreitenden Bewegungsmöglichkeiten wegen des Corona-Virus zurzeit sehr eingeschränkt.

Park als Landschaftswunderland

„Wir schließen derzeit viel, da ist es umso schöner, dass wir hier etwas eröffnen“, befand Olaf Franke, seines Zeichens Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO). Er sprach von einem „positiven Signal in diesen Zeiten“. Wie die Oberlausitz würden 100 Reisegebiete in Deutschland um die Gunst in- und ausländischer Gäste buhlen. Er charakterisierte sie als „Region mit unglaublicher Vielfalt“, wofür die Schlagworte Seen, Radwege, Städte und Kultur stehen. Die habe man zusammengefasst im „Landschaftswunderland“ mit landschaftlichen und geologischen Schätzen, dem „Entdeckerland“ für die Kultur und dem „Abenteuerland“ für Familien. All das müsse noch stärker in die Herzen der Besucher getragen werden – noch dazu im Verbund mit polnischen Partnern. Wie der MGO-Chef betonte, verknüpfe der Findlingspark alle drei Bereiche: Er ist ein Kinderabenteuerland, biete viele kulturelle Veranstaltungen und sei am Schnittpunkt mehrerer Radwege eine gute Adresse für aktive Urlauber. Nach Aussage von Olaf Franke wurden 2019 zwei Millionen Übernachtungen in der Oberlausitz gezählt – so viele wie noch nie. 95 Prozent der Gäste kamen aus Deutschland, die Ausländer zumeist aus den Niederlanden, Polen und Tschechien. Da sei noch Luft nach oben, die deutsch-polnische Zusammenarbeit im Findlingspark aber eine Möglichkeit, noch mehr Gäste aus dem Nachbarland für die Oberlausitz zu interessieren.

Für mehr Barrierefreiheit

Trotz Corona-Virus müsse die Arbeit im Findlingspark weitergehen, gab Ulrich Klinkert einen Ausblick auf die Saison. „In sechsstelliger Höhe“, so erklärte er auf Nachfrage von TAGEBLATT, soll 2020 investiert werden. So sei kürzlich ein Fördermittelbescheid für Barrierefreiheit eingegangen. Mit dem Geld sollen Audioguides für Menschen mit Handicap angeschafft werden, die aller Voraussicht nach ab dem Sommer zur Verfügung stehen. Weil das Besucherzentrum aus allen Nähten platzt, ist der Bau eines weiteren Gebäudes auf der Wiese dahinter vorgesehen. Es soll Ende des Jahres oder bis zur Eröffnung der Saison 2021 fertig sein. Ein Erlebnispfad wird entstehen. Tische und Bänke sollen angeschafft und die technischen Möglichkeiten für die Mitarbeiter weiter verbessert werden. Ende des Jahres zieht sich der Gastronomiebetreiber aus dem Park zurück. Man sei zwar in ersten Gesprächen, aber noch offen für neue Interessenten.

Eröffnet wurde der Findlingspark Nochten am 1. Mai 2003. Im Jahr 2014 wurde der einmillionste Besucher begrüßt. Für die 18. Saison hofft Ulrich Klinkert, dass sich die Gäste durch Corona nicht von einem Besuch des weitläufigen Geländes abhalten lassen. Ab Ostern sind sechs große Veranstaltungen geplant. Bezogen auf das abgesagte Frühlingsfest Ende März versprach er: „Wir werden uns etwas einfallen lassen, wie wir das an geeigneter Stelle für Familien nachholen.“

Findlingspark Nochten: Geöffnet ist vom 15. März bis zum 15. November täglich 9 bis 18, im November bis 17 Uhr. Eintritt: Erwachsene 6, ermäßigt 2 Euro. Parkstraße 7 im Boxberger Ortsteil Nochten. Tel. 035774 556352

www.findlingspark-nochten.de

Zwei der Ausstellungsmacher an der Transportmaschine: Franziska Wand von Deck 61 Grad für Licht und Raum sowie die grafische Gestalterin Barbara M. Duraj.
Zwei der Ausstellungsmacher an der Transportmaschine: Franziska Wand von Deck 61 Grad für Licht und Raum sowie die grafische Gestalterin Barbara M. Duraj. © Foto: Joachim Rehle