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Riesa

Eklat um geplatzte NPD-Veranstaltung

Die Rechtsextremisten wollten im Lindenhof feiern, sagten das dann aber ab. Nachdem Stadträte beim Wirt intervenierten.

© Eric Weser

Strehla. Die Absage der für den 30. April geplanten NPD-Veranstaltung im Strehlaer Lindenhof mit Vertretern aus Bundes- und Landesebene (wir berichteten) hat jetzt im Stadtrat ein Nachspiel bekommen. Besonders zwischen Peter Schreiber (NPD) und Linken-Fraktionschef Erich Knott flogen in der Sitzung am Dienstagabend die Fetzen. Schreiber warf Knott vor, mit einem Drohanruf beim Inhaber des Lindenhofs die NPD-Veranstaltung verhindert zu haben.

Den Ausgangspunkt für die kurze, aber heftige Debatte hatte Linken-Fraktionär Knott selbst gesetzt. Der 72-Jährige hatte die Vielzahl der NPD- und AfD-Wahlplakate an Strehlas Straßen kritisiert. Als „Schilderwald, der extrem schädigend für das Ansehen unserer Stadt ist“. Es brauche nach der Wahl eine Regelung, um die Plakatzahl zu begrenzen, forderte er. 

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Erich Knott ist Stadtrat für Die Linke in Strehla. Der 72-Jährige kandidiert auch am 26. Mai wieder für ein Mandat. 
Erich Knott ist Stadtrat für Die Linke in Strehla. Der 72-Jährige kandidiert auch am 26. Mai wieder für ein Mandat.  © privat

NPD-Mann Schreiber sagte unter anderem, es bleibe für seine Partei kaum etwas anderes als exzessives Plakatieren, da es wenig andere Möglichkeiten für politische Werbung gebe. In Richtung Linken-Fraktionschef Knott ätzte Schreiber: „Wenn Ihre Freunde aus dem linken Spektrum klein bisschen gescheiter und toleranter wären, sähen unsere Plakate besser aus.“

Nach Erich Knotts anschließender Bemerkung, die NPD müsse ihre Plakate ordentlich aufhängen, entwickelte sich ein hitziges Zwiegespräch, in dem auch eindringliche Mäßigungsrufe von Stadtchef Jörg Jeromin (FWG) untergingen. „Sie brauchen dazu gar nichts sagen, wenn Sie bei Leuten anrufen, um sie unter Druck zu setzen, um Veranstaltungen zu unterbinden“, keilte NPD-Mann Schreiber gegen Knott. Mit „Leuten“ war der Lindenhof-Chef Wolfgang Ruhland gemeint. 

Knott widersprach dem Vorwurf. Er stehe aber dazu, dass er Ruhland darauf hingewiesen habe, „dass er, wenn er die Veranstaltung durchgehen lässt, ein Problem hat“. Denn dadurch hätten beim Maibaumaufstellen – ein gut besuchtes Volksfest, das in Strehla immer am 30. April stattfindet – Kinder in Gefahr geraten können. „Wenn nämlich eure braunen Truppen auftauchen“, so Knott.

Peter Schreiber gehört der rechtsextremen NPD an. Er ist der einzige Stadtrat der Partei in Strehla.
Peter Schreiber gehört der rechtsextremen NPD an. Er ist der einzige Stadtrat der Partei in Strehla. © privat

Abschließend bezog FWG-Fraktionschef Heiko Zscheile Stellung. Er wolle Peter Schreiber an seinen Eid als Stadtrat erinnern, in dem er geschworen habe, alles zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger zu tun. Schreiber habe stattdessen seine politischen Interessen darüber gestellt. „Sie wissen genau, dass Sie vorhatten, mit Ihren Gästen die Maibaum-Aufstellung zu besuchen“, hielt er dem NPD-Mann vor. Es hätte passieren können, dass „linke Kräfte aus Leipzig oder woanders her die Veranstaltung gestört hätten“, so Zscheile. „Ich stelle mir nur vor, dass unsere Bürger und Kinder in diese Gemengelage hineingeraten geraten wären.“ Schreiber sei deshalb für ihn „nicht würdig Stadtrat zu sein“, so Zscheile.

Am Mittwoch unterstrich Erich Knott auf Nachfrage, dass er nicht gedroht, sondern dem Lindenhof-Chef seine Meinung gesagt und darauf hingewiesen habe, dass unter anderem Veranstaltungen des Strehlaer Carnevals Clubs im Lindenhof stattfänden. Knott ist in dem Verein seit Jahrzehnten in verantwortlicher Position aktiv. Linke und FWG seien stolz, die NPD-Veranstaltung in Strehla verhindert zu haben, so Knott zur SZ. Denn nicht nur er, auch FWG-Chef Heiko Zscheile habe beim Lindenhof-Inhaber interveniert, so Knott.

Zscheile bestätigt das. Gedroht habe er nicht. „Ich habe auch gar kein Druckmittel.“ Zscheile verteidigt den Inhaber des Lindenhofs – der sei von Familie Schreiber bei der Anbahnung der Veranstaltung ausgetrickst worden. Dass Peter Schreiber das anders darstellt, interessiere ihn nicht, so Zscheile. Er glaube der Darstellung von Lindenhof-Chef Wolfgang Ruhland. Der bestätigt auf SZ-Anfrage die Intervention der Stadträte. Als Drohung habe er sie nicht empfunden, auch Knotts Bemerkung zum Karneval nicht. Zur Absage an die NPD habe ihn bewogen, dass die Partei im Netz für die Veranstaltung geworben und sich dagegen linker Protest formiert habe.