merken
PLUS

Elbaue-Bewohner bereiten Klage vor

Den Betroffenen geht es längst nicht nur um die Juniflut. Sie sind enttäuscht vom Freistaat und wollen Schadensersatz.

© Norbert Millauer

Von Alexander Müller

Wie der Schein doch trügen kann. Wer das Haus von Angelika und Andreas Henke an der Elbaue in Pratzschwitz betritt, ist erst einmal begeistert. Der unverbaute Blick über die nahe Elbe ist traumhaft. Es ist auch ein Traum, den das Ehepaar erlebt hat und nach wie vor erleidet. Erleidet? Ja, denn die Situation in der Elbaue ist für die beiden wie auch die anderen Betroffenen ein Albtraum.

Anzeige
Bauherrentage in der Musterhausausstellung UNGER-Park
Bauherrentage in der Musterhausausstellung UNGER-Park

Am 18. und 19. September finden die „Bauherren-Tage“ statt. Freuen Sie sich auf Vorträge, Informationsrunden und Aktionen rund um nachhaltiges Bauen.

Die Juniflut erwischte die kleine Siedlung voll. Das passierte nicht nur hier, aber die Elbaue ist ein Sonderfall. „Hier hätte nie gebaut werden dürfen“, sagt Andreas Henke. Auch das ist nicht neu. Die Stadtverwaltung Pirna ringt schon seit Jahren mit den Häusern hier und wie man mit ihnen und ihren Bewohnern umgeht.

Genehmigt worden waren die Bauten, als Birkwitz-Pratzschwitz noch eine eigenständige Gemeinde war. Durchgedrückt worden sei diese Siedlung vom Regierungspräsidium, das heute Landesdirektion heißt, erläutert Andreas Henke.

„Alles nur Makulatur“

Auch das ist allerdings längst bekannt. Und als das jüngste Hochwasser die Grundstücke und Gebäude hier dann überschwemmte, da kam trotzdem so etwas wie Hoffnung auf. Es gab Gespräche und Verhandlungen mit der Landesregierung. Der Wunsch, dass der Freistaat eine Umsiedlung und den Wiederaufbau an anderer – flutsicherer – Stelle finanzieren würde, schien realisierbar (SZ berichtete).

Doch wahr geworden ist das nicht. „Der Freistaat hat sich immer mehr zurückgezogen“, berichtet Andreas Henke. Die Betroffenen hier würden nun wie alle anderen Hochwasseropfer behandelt. „Allerdings haben wir erst viele Wochen nichts an unseren Häusern gemacht, weil wir ja nicht wussten, was nun passiert.“ Diese Verzögerung könnte weitere fatale Folgen haben. Sollten sich ein nasskalter Herbst und bald schon der Winter einstellen und die Gebäude noch nicht trocken sein, drohen irreparable Schäden. Familie Henke wohnt inzwischen wieder in ihrem Haus. „Doch das ist alles nur Makulatur“, erzählt Angelika Henke. Substanziell habe man kaum etwas gemacht. Der Keller werde nur provisorisch genutzt. „Wir wissen ja nicht, wofür wir aufbauen sollen.“

„Das ist zynisch und arrogant“

Dass alles nur Makulatur ist, das ließe sich nach Ansicht der Henkes auch auf die Politik der Landesregierung übertragen. „Es gibt viel Schriftverkehr, aber keine Antworten“, erklärt Andreas Henke. Er hatte auch gehofft, dass sich vielleicht einmal ein höherer Beamter oder Regierungsvertreter vor Ort sehen lässt. „Eingeladen hatten wir, es kam aber niemand.“ Stattdessen behandele man sie von oben herab. „Das ist zynisch und arrogant und gegenüber den Betroffenen eine Frechheit.“

Klein beigeben will man deshalb trotzdem nicht. Die Betroffenen haben sich mit denen aus Nünchritz bei Riesa zusammengetan, wo es ähnliche Probleme gibt. „Wir wollen eine Art Klagegenossenschaft bilden“, sagt Andreas Henke.

Bei der geht es gar nicht so sehr um die jüngste Flut. Die Betroffenen wollen Schadensersatz. Dafür zum Beispiel, dass ihre Grundstücke heute nur noch einen Bruchteil von dem wert sind, wofür sie sie selbst einmal erworben und bebaut hatten.

Etwa drei Viertel der infrage kommenden Elbaue-Bewohner seien mit dabei, erklärt Andreas Henke. Dass die Leute hier wirklich leiden, das kann er nicht nur an seiner Familie festmachen. „Ein Nachbar hier hat Parkinson.“ Der lebe jetzt aber wegen der Flutfolgen unter dem Dach. „Ihm droht bald der Rollstuhl, was macht er dann?“