merken
PLUS Meißen

Elbfähre startet nach Zwangspause

Nach fast fünf Monaten Pleiten, Pech und Pannen soll die "Stolzenfels" ab Sonnabend wieder über die Elbe schippern.

Ab Sonnabend soll die Elbfähre " Stolzenfels" nach fast fünf Monaten Zwangspause wieder über die Elbe schippern.
Ab Sonnabend soll die Elbfähre " Stolzenfels" nach fast fünf Monaten Zwangspause wieder über die Elbe schippern. © Eric Weser

Niederlommatzsch/Diesbar-Seußlitz. Der eingestellte Fährbetrieb zwischen Niederlommatzsch und Diesbar-Seußlitz ist seit Monaten Thema. Dass die Elbfähre seit fast fünf Monaten und damit mitten in der Hauptsaison nicht fährt, regt viele auf. So auch André Hensel . In einem Leserbrief macht er sich Luft: 

"Da platzt einem doch der Kragen. Es vergehen keine 14 Tage ohne Bericht über dieses Dilemma. Und was passiert? Nichts! Da werden rechtselbisch mal die Pontons abgelegt, das war’s dann wieder. Es wird immer über verärgerte Fahrradtouristen berichtet.

Elbgalerie Riesa
Hier macht Shoppen glücklich!
Hier macht Shoppen glücklich!

"Alles bekommen. In Riesa." – dieses Motto lebt die Elbgalerie Riesa.

 Aber für die Einwohner der Orte Hirschstein, Niederlommatzsch und Diesbar-Seußlitz bedeutet die nicht fahrende Fähre deutliche Einschränkung der Lebensqualität. Diese drei Orte sind eigentlich ein Kleinod hinsichtlich Natur, Kulturlandschaft, Weinregion, slawischer  und  barocker Historie.

 Anstelle diese Miniregion aufzuwerten, arbeiten die Verantwortlichen für das Gegenteil. Die Einwohner hier fühlen sich durch die ständigen neuen Erklärungen belogen und allein gelassen. Es entsteht immer mehr der Eindruck einer bewussten Verzögerung des  Fährbetriebes", schreibt er.

Immer neue Mängel festgestellt

In der Tat ist die monatelange Pause der Fähre wegen einer aller fünf Jahre vorgeschriebenen Landrevision eine Serie aus Pleiten, Pech und Pannen. Erst fällt dem Eigentümer der Fähre, der Gemeinde Diera-Zehren, offenbar zu spät auf, dass die Revision fällig ist und das Fährzeugnis bald ausläuft. 

Ein Antrag auf Verlängerung der Frist wird von dem zuständigen Amt abgelehnt. Dann kommt das Schiff auf die Werft, doch jetzt fehlen wegen Corona und dadurch geschlossener Grenzen Farben, die aus Polen geliefert werden. Bei der Reparatur kommen weitere Mängel ans Tageslicht. Ersatzteile müssen bestellt werden, es gibt wochen-, ja monatelange Wartezeiten.  

Doch jetzt besteht begründete Hoffnung, dass der Verkehr wieder aufgenommen werden kann. Ab diesen Sonnabend soll es wieder  Fährverkehr geben. "Das Schiff ist jetzt fertig repariert und einsatzbereit.

 Es muss nur noch ein Dichtheitstest durchgeführt werden", sagt Lars Gruber, der bei der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) für die Fähren verantwortlich ist. Die VGM betreibt die Niederlommatzscher Fähre, die auch Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist.

Am Donnerstag sollen die Anlegestege auf beiden Elbseiten montiert werden. Am Freitag dann nach der Dichtheitsprüfung wird das Schiff verladen und in Meißen auf die Elbe gesetzt. Von dort aus wird es mit eigener Kraft nach Niederlommatzsch schippern. Ab Sonnabend, 9.30 Uhr, soll wieder der reguläre Fährbetrieb aufgenommen werden. 

Es gibt noch Unwägbarkeiten

Dass nach der Pannenserie die Skepsis groß ist, mag verständlich sein. "Das glaube ich erst, wenn die Fähre tatsächlich wieder fährt", sagt Gemeinderat Lutz Wagner.  Die Elbfähren in Niederlommatzsch und Strehla seien für den Tourismus immens wichtig. "Nicht nur Gaststätten, sondern auch der Elbetierpark Hebelei oder die Kochschule Weigel profitieren von der Fähre. Alle freuen sich, wenn sie wieder fährt. Sie gehört zur Attraktivität unserer Region ", so Wagner.

Sven Näther, der Betreiber des Tierparkes, sieht die Sache mit Humor. "Es geschehen noch Wunder", sagt er, als er von dem angekündigten Fährbetrieb hört. Viele Gäste aus dem Großenhainer Raum seien ausgeblieben, weil die Fähre nicht in Betrieb war.  Die mussten bisher umständlich über Meißen oder Riesa nach Niederlommatzsch fahren. Er hofft auch auf mehr Radtouristen. Die könnten nun wieder Rundfahrten von Meißen aus starten und auf der anderen Elbseite zurückfahren.  

Ein paar Unwägbarkeiten gibt es noch, wie Herms Gruber sagt. So bekäme die Fähre nur eine vorläufige Erlaubnis. Am 18. August wird die Schiffsuntersuchungskommission vorstellig. Findet sie Mängel müssten diese erst abgearbeitet werden.  Erst in etwa drei Monaten gäbe es ein neues Fährzeugnis.  

Weiterführende Artikel

Fähre am Haken

Fähre am Haken

Die Elbfähre „Stolzenfels“ wurde am Freitag geprüft. Ab Sonnabend verkehrt sie nach fast fünf Monaten Pause wieder.

Das Dilemma mit der Elbquerung

Das Dilemma mit der Elbquerung

In der Hochsaison sind die Fähren in Strehla und Niederlommatzsch außer Betrieb. Nicht nur für Touristen ärgerlich.

Fähre bleibt auf dem Trockenen

Fähre bleibt auf dem Trockenen

Mitte Juni sollte das Schiff wieder die Elbe zwischen Niederlommatzsch und Seußlitz überqueren. Doch es gibt neue Probleme.

Auch Jens-Erik Beier, der Eigner und Betreiber des Ausflugsschiffes "Clara von Assisi" in Niederlommatzsch, ist froh, wenn die Fähre wieder in Betrieb geht. Er erzählt davon, dass potenzielle Fahrgäste auf der anderen Elbseite standen und nicht herüber kamen. Er kritisiert die Gemeinde. "Wenn sie weiß, dass im März das Fährzeugnis ausläuft und die Landrevision ansteht, dann hätte sie diese doch im Winter machen lassen können", sagt er. Ursprünglich war geplant, dass die Fähre zu Himmelfahrt wieder in Betrieb geht. Herms Gruber nimmt es mit Humor: "Was lange währt, wird gut."  

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen