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"Wir schaffen deutlich mehr Intensiv-Plätze"

Der Chef des Elblandklinikums Meißen Frank Ohi im exklusiven SZ-Gespräch zu den Anforderungen an das medizinische Personal in der Corona-Krise.

Hat sein Unternehmen gut vorbereitet: Elblandklinikum-Chef Frank Ohi informiert im SZ-Gespräch über die Details des Kampfes gegen das Coronavirus.
Hat sein Unternehmen gut vorbereitet: Elblandklinikum-Chef Frank Ohi informiert im SZ-Gespräch über die Details des Kampfes gegen das Coronavirus. © Claudia Hübschmann

Herr Ohi, wie hat sich die neue Corona-Ambulanz bewährt?

Diese hat sich sehr gut bewährt, denn so konnten wir die Patienten von unserer Notfallambulanz abtrennen. Im Grunde war dies auch für die Niedergelassenen wichtig, damit ein Verdachtsfall nicht den Betrieb einer Praxis lahmlegt. Wir brauchen im Moment jeden im Gesundheitswesen.

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Reichen aktuell die personellen und räumlichen Kapazitäten des Elblandklinikums aus, um Corona-Patienten zu behandeln? Wie stellt Ihr Haus dies sicher? 

Derzeit reicht es aus, aber wir wissen natürlich nicht, wie es sich noch entwickelt. Wir sind bereit für einen größeren Ansturm. Das Ganze funktioniert aber nur durch die tolle Zusammenarbeit aller Häuser, also auch durch die Standorte Riesa und Radebeul. Auch mit der Reha-Klinik in Großenhain sind wir in Abstimmung. Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, unter Krankenhäusern zusammenzuarbeiten. Auch die enge Partnerschaft mit der Universitätsklinik Dresden ist sehr wertvoll, denn wir beschaffen teilweise zusammen Schutzausrüstung und stimmen uns auch in der Vorgehensweise ab. 

Mein Dank gilt aber den tollen Mitarbeitern in der Elblandklinken-Familie. Damit sind auch die ElblandService- und Logistik GmbH, die Elblab GmbH und alle anderen Unternehmen gemeint. Jeder packt an und viele Mitarbeiter organisieren sich, beispielsweise in Sachen Kinderbetreuung untereinander.

Wie viele ITS- und Beatmungsplätze gab es bisher und wie viele werden jetzt zusätzlich eingerichtet?

Derzeit halten wir in den Häusern Meißen, Radebeul und Riesa 30 beatmete ITS-Plätze vor. Diese können auf 43 Plätze ausgebaut werden. Bis Ende der Woche richten wir weitere neun Plätze ein. Zudem halten wir spezielle Plätze noch vor, die zusätzlich auch mit dialysepflichtigen und beatmeten Patienten belegt werden können. Alles hängt aber von der personellen Verfügbarkeit ab. Die Medizintechnik hierfür steht bereit. Zudem haben wir noch Kapazitäten in der Rehaklinik in Großenhain, die ja auch Fachkrankenhaus ist und eine ITS besitzt.

Michael Kretschmer im Gespräch mit Dr. Thomas Peschel, Leiter des Notfallzentrums des Elblandklinikums Meißen. Der Ministerpräsident informierte sich vergangene Woche vor Ort.
Michael Kretschmer im Gespräch mit Dr. Thomas Peschel, Leiter des Notfallzentrums des Elblandklinikums Meißen. Der Ministerpräsident informierte sich vergangene Woche vor Ort. © Claudia Hübschmann

Bisher haben wir keinen stationären Fall in den Kliniken. Aber das kann sich jederzeit ändern. Alle bisherigen Verdachtsfälle haben sich als negativ herausgestellt und die positiv getesteten Patienten konnten aufgrund der Symptome, wenn diese überhaupt welche hatten, wieder nach Hause geschickt werden und befinden sich in vom Gesundheitsamt verordneter Quarantäne.

Wie viele geplante stationäre OPs werden verschoben?

Wir haben unser Programm um rund 30 Prozent nach unten gefahren. Natürlich werden wichtige geplante unverschiebbare OPs auch weiterhin durchgeführt. Dies betrifft beispielsweise onkologische Patienten.

Wurden oder werden Stationen vorübergehend geschlossen? 

Nein, im Gegenteil. Wir haben bisher gesonderte Bereiche eingerichtet, um Covid-19 Patienten zu behandeln. Allerdings kann es natürlich dann zu Schließungen kommen, wenn uns das Personal dafür fehlt. Leider zeigt es sich weiterhin als schwierig, dass unser Personal eine Unterbringung für deren Kinder bekommt, obwohl wir die entsprechenden Bescheinigungen herausgeben, dass es sich um medizinisches Personal handelt. Hierzu sind wir aber in enger Abstimmung mit dem Kreisjugendamt. Diese Abstimmung läuft weiterhin sehr gut.

Wie sind die Mitarbeiter motiviert?

In dieser schwierigen Zeit gehen alle über sich hinaus, egal in welchem Bereich. Der Zentraleinkauf, die Apotheke, die Reinigung und das Catering, alle arbeiten kräftig mit und wir setzen Mitarbeiter dort ein, wo sie gebraucht werden. Ein Dank auch an die Betriebsräte, die völlig unkompliziert und flexibel reagieren. Der Dank geht auch weiter an die Geschäftspartner, die uns weiterhin beliefern. So schaffen wir es, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung bereitzustellen, denn es gibt ja schließlich auch immer noch Patienten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind und trotzdem behandelt werden müssen, beispielsweise onkologische, chirurgische und internistische Patienten.

Innerhalb weniger Tage wurde am Elblandklinikum Meißen ein separater Bereich ausschließlich für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet.
Innerhalb weniger Tage wurde am Elblandklinikum Meißen ein separater Bereich ausschließlich für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet. © Claudia Hübschmann

Was ist jetzt Ihre wichtigste Bitte an die Bewohner des Landkreises?

Es sollte bitte niemand in Panik verfallen und man sollte die Vorgaben auch einhalten, dass man möglichst wenig soziale Kontakte hat. Besonders die gefährdete Gruppe an chronischen Patienten, ältere Menschen und andere Risikogruppen sollten sich schützen. Wir bitten auch, dass der Besuchsstopp in unseren Kliniken beachtet wird. Das machen wir nicht, um jemand zu ärgern. Das Risiko, dass ein Patient oder Mitarbeiter sich von Besuchern ansteckt, ist weiter existent. Dies wollen wir vermeiden und bitten daher um Verständnis. Es ist aber großartig, wie viele Menschen schon ihre Mithilfe angeboten haben. Das zeigt die Solidarität untereinander.

Braucht es aus Ihrer Sicht eine Ausgangssperre wie in Spanien, oder genügen die gegenwärtigen Schritte der Länder und der Bundesregierung?

Das lässt sich schwer beantworten. Das Ziel der Maßnahmen ist ja Zeit zu gewinnen. Wenn jeder, die jetzt schon getroffenen Maßnahmen beachtet, hilft das schon. Es sollten einfach Menschenansammlungen vermieden werden und die Vernunft siegen. Aber natürlich kann das ein weiterer Schritt sein.

Wie sollten die jetzt nötig gewordenen, überplanmäßigen Ausgaben aus Ihrer Sicht finanziert werden?

Das ist eine schwierige Frage, über die sich gerade viele den Kopf zerbrechen. Ich kann nur für die Krankenhäuser sprechen. Die Liquidität in Krankenhäusern ist nicht sehr hoch. Daher sind alle darauf angewiesen, dass schnell eine Überbrückung gefunden wird. In der jetzigen Lage können wir die Insolvenz eines Krankenhauses nicht kompensieren. Wie dieser Mechanismus aber aussehen soll, damit es ausreicht und auch finanzierbar ist, wird auf der Ebene der Politik, Krankenkassen und Krankenhausgesellschaften aktuell diskutiert. Wir müssen aber auf einen Aspekt noch hinweisen. Wir haben viel unternommen, um uns auf die Aufnahme von Covid-19 Patienten einzurichten. 

Wie soll es nach der Pandemie weitergehen?

Was wir aber noch nicht im Fokus haben, ist die Nachbehandlung und das Freimachen von Betten im Krankenhaus für neue Patienten. Es wird immer schwieriger, Patienten in Pflegeheime oder andere Einrichtungen zu entlassen, die aber immer noch eine medizinische Unterstützung benötigen. Ein Weg könnte sein, dass wir mit Rehakliniken zusammenarbeiten und dort nachgelagert Patienten weiterbehandeln. Dies wäre sehr wichtig, damit wir nicht in den Krankenhäusern Kapazitätsprobleme bekommen.

Was lässt sich aus der Corona-Krise schon jetzt für die Zukunft lernen?

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Dass die Sektoren ambulant und stationär zukünftig sich besser auf solch einen Fall vorbereiten müssen. Aber im Grunde werden wir erst nach der Krise genau wissen, was wir besser machen können. Das deutsche Gesundheitssystem ist aber leistungsfähig und wir haben tolle Mitarbeiter in allen Gesundheitsbereichen. Das lässt sich jetzt schon sagen.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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