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Elchbulle Horst ist tot

Das Wildgehege hat damit das letzte Exemplar seines Wappentiers verloren. Die Haltung der großen Hirsche soll aber nicht enden.

Das betagte imposante Tier sollte im Wildgehege Moritzburg eigentlich sein Gnadenbrot bekommen. Doch nun kam alles anders.
Das betagte imposante Tier sollte im Wildgehege Moritzburg eigentlich sein Gnadenbrot bekommen. Doch nun kam alles anders. © Arvid Müller (Archiv)

Moritzburg. Es ist eine traurige Nachricht: Der 14-jährige Elchbulle Horst wurde eingeschläfert. Er war der Letzte seiner Art im Wildgehege Moritzburg. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt Ronald Ennersch, der Leiter der zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörenden Einrichtung. „Aber wir wollten nicht, dass er leidet.“

Gezählt waren die Tage des großen Hirsches allerdings ohnehin. Denn in der Regel werden Elche kaum älter als 16 Jahre. Trotzdem kommt das plötzliche Ende überraschend. Erst recht, da man sich vor gerade mal drei Wochen im Wildgehege entschlossen hatte, dass der alte Bulle dort sein Gnadenbrot bekommen soll. 

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Die Konsequenz dieser Entscheidung war, seine 2017 geborene Tochter Elli an eine Elchfarm in der Uckermark abzugeben. Für Moritzburg bedeutete diese Entscheidung, auf unbestimmte Zeit auf Nachwuchs beim Wappentier des Wildgeheges zu verzichten. „Die Alternative wäre gewesen, Horst zu erschießen. Das wollten wir aber nicht“, so Ronald Ennersch.

Der Trennung vorausgegangen war, dass Horst nach dem Verlust des im Mai geborenen Elchkalbes dessen Mutter Elli zusehends stärker bedrängte. Als der Bulle die Kuh schließlich mit seinen Beinen am Rücken verletzte, entschloss sich der Wildgehegeleiter zu handeln. „Denn noch einen toten Elch wollten wir nicht haben.“

In den vergangenen Jahren hat es bei den großen Hirschen immer wieder Zwischenfälle mit meist tragischem Ausgang gegeben. So waren Elchkühe in Panik über die hohen Mauern und Zäune gesprungen und hatten sich dabei teilweise schwer verletzt. Über die Ursachen dafür konnte nur spekuliert werden. Mehrfach starben Tiere an Gelbsucht.

Im September des vergangenen Jahres ereignete sich dann das letzte Drama. Elchbulle Horst hatte es in der Paarungszeit, der Brunft, auf eine seiner beiden Töchter abgesehen. Während er Elli erfolgreich deckte, bedrängte er deren Zwillingsschwester auf andere Art. Mit seinem Geweih drückte Horst die junge Elchkuh offenbar gegen eine Tür in der Nähe der Futterstelle. Dabei wurde sie so schwer verletzt, dass sie schließlich verendete.

Bei der Attacke in diesem Monat auf Elli verletzte sich der Bulle scheinbar auch selbst. „Darum hat der Tierarzt am Tag des Abtransportes unserer Elchkuh nicht nur diese narkotisiert, sondern auch Horst“, sagt Ronald Ennersch. Neben der Wundversorgung habe der Arzt auch eine Blutprobe entnommen.

Elli wurde von Horst attackiert und daraufhin in die Uckermark gebracht.
Elli wurde von Horst attackiert und daraufhin in die Uckermark gebracht. © Arvid Müller

„Deren Ergebnisse waren sehr schlecht“, ergänzt der Wildgehegeleiter. „Ich habe dann jeden Morgen geguckt, wie es ihm geht.“ Schließlich habe sich das Tier kaum noch bewegt. Der Bulle sei auch nicht mehr zur Futterstelle gekommen. „Nach vielen Gesprächen und Telefonaten haben wir uns dann entschieden, ihn einzuschläfern.“

Kommt Elli nun wieder zurück nach Moritzburg oder verzichtet das Wildgehege künftig auf sein Wappentier? „Weder noch“, sagt der Forstmann. „Diese Woche beginnen wir in der Elchanlage erst einmal damit, einen zusätzlichen Zaun zu bauen.“

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Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, einzelne Tiere zu separieren. Etwa für Untersuchungen durch den Tierarzt. Und dann will Ronald Ennersch schauen, wo er zwei oder drei neue Elche herbekommt, die von der Abstammung gut zusammenpassen. „Denn unser Ziel ist es, künftig nicht nur wieder Elche zu halten, sondern auch, dass diese möglichst Nachwuchs haben.“

Läuft alles gut, sollen die großen Hirsche spätestens im Herbst wieder in Sachsens ältestem Wildpark bestaunt werden können.

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