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Radebeul

Elchnachwuchs im Wildgehege

Die Elchkuh ist 2017 auch in Moritzburg geboren. Ihre Zwillingsschwester und die Mutter hatten ein tragisches Ende.

Wer guckt denn da? Mama Elch und ihr fünf Tage alter Nachwuchs haben es sich im hohen Gras zwischen ein paar umgestürzten Bäumen bequem gemacht. Viel ist von dem Mini-Elch dabei noch nicht zu sehen.
Wer guckt denn da? Mama Elch und ihr fünf Tage alter Nachwuchs haben es sich im hohen Gras zwischen ein paar umgestürzten Bäumen bequem gemacht. Viel ist von dem Mini-Elch dabei noch nicht zu sehen. © Norbert Millauer

Moritzburg. Der Wind steht ungünstig für die beiden Beobachter am Zaun der Elchanlage. Er trägt ihre leisen Stimmen und Gerüche direkt zu der im Gras liegenden Elchkuh. Die spitzt sofort die Ohren und reckt ihren mächtigen Kopf noch etwas höher empor. Aufmerksam schaut sie dorthin, wo der Wildgehegeleiter Ronald Ennersch und der Fotograf stehen. Doch weil die beiden nicht näher kommen, sondern hinter dem schützenden Zaun bleiben, weicht die Anspannung nach einer Weile.

Und plötzlich sind sie für ein paar Sekunden zu sehen: zwei kleine spitze braune Ohren, die im recht kräftig wehenden Wind leicht zu wackeln scheinen. Immer wieder schauen sie kurz aus dem Gras hervor. Dann ist für einen Wimpernschlag sogar mal ein kleiner Kopf zu sehen. Er gehört dem jüngsten Bewohner der zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörenden Einrichtung.

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„Das Elchkalb wurde am Sonnabend geboren“, sagt der Forstmann. Nachdem die Pfleger im vergangenen September die Versuche des Elchbullen beobachtet hatten, die Elchkuh zu decken, rechnete man mit Nachwuchs. „Sicher waren wir uns aber nicht“, sagt der Wildgehegeleiter. Am vergangenen Freitag habe sich Elli, so heißt das weibliche Tier, dann schon etwas anders als sonst verhalten. „Und am Sonnabend kam Bulle Horst schließlich allein zur Futterstelle“, ergänzt Ronald Ennersch. Tierpflegerin Sandra Kühnel hielt daraufhin von allen Seiten Ausschau nach Elli. Kein leichtes Unterfangen, bei der Größe der Anlage und den vielen darin wachsenden Bäumen. Doch schließlich entdeckte die junge Frau die Elchkuh und zu ihrer Freude auch das Kälbchen.

„Wir haben daraufhin sofort den Teil des Sika-Rundweges abgesperrt, der am Elchgehege vorbeiführt“, sagt der Wildgehegeleiter. Mutter und Kind sollen so möglichst viel Ruhe haben. Schließlich ist es der erste Nachwuchs, den die zweijährige Kuh geboren hat. Doch offenbar kommt sie mit ihrer neuen Aufgabe gut zurecht. Denn bereits am Sonntag war sie mit ihrem Baby an den Zaun des abgesperrten Weges gekommen. Dort hatte Sandra Kühnel ein paar frischgeschnittene dünne Zweige aufgehängt. Die Elchkuh ließ sich die saftigen Blätter schmecken.

Und auch dem Mini-Elch scheint es dem Beobachten nach gut zu gehen. Zwar liegt er die meiste Zeit, „aber er stakst auch schon ein bisschen herum“, sagt Ronald Ennersch. Am Mittwoch früh waren beide sogar schon mal kurz in der Nähe der Futterstelle. Und Papa Horst? „Der scheint ganz entspannt zu sein und hält sich meist weit entfernt in einem anderen Teil der Anlage auf“, so der Forstmann. Am Mittwoch war er aber nur gut 50 Meter von den beiden entfernt gewesen.

Ob es sich bei dem Elchnachwuchs um ein Mädchen oder einen Jungen handelt, ist noch ungewiss. Denn noch kann niemand nahe an das Tier heran. Das wäre zu gefährlich. Denn mit einem ausgewachsenen Elch ist nicht zu spaßen.

Der Wildgehegeleiter hofft nun, dass sich das Kleine weiter gut entwickelt. „Es ist derzeit zwar nicht allzu warm, aber solange es keinen Dauerregen gibt, dürfte das kein Problem sein.“ Große Hitze wäre vermutlich schlechter als das jetzige Wetter. Denn dann sind auch mehr Fliegen und anderes Getier unterwegs, die dem kleinen Elch zusetzen und möglicherweise auch gefährlich werden könnten.

Beispiele dafür, wie schwierig die Haltung der großen Hirsche ist, hat es in den vergangenen Jahren in Moritzburg zahlreiche gegeben. Das Wappentier des ältesten sächsischen Wildgeheges sorgte bei Mitarbeitern und Besuchern gleichermaßen immer wieder für eine Achterbahn der Gefühle. Mehrfach starben Tiere an Gelbsucht. Es gab Situationen, wo Elchkühe in Panik die hohen Mauern und Zäune übersprangen und sich dabei teilweise schwer verletzten. Über die Ursachen dafür konnte nur spekuliert werden.

Nach fünf Jahren hatte es schließlich 2016 erstmals wieder Nachwuchs gegeben. Beide Minis überlebten nicht. Ein Jahr später wurden dann erneut Zwillinge geboren. Beide wuchsen gut auf. Dafür starb Ende 2017 überraschend die Elchkuh. Im September des vergangenen Jahres ereignete sich dann das letzte Drama.

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Elch-Bulle Horst hatte es in der Paarungszeit, der Brunft, auf eine seiner beiden Töchter abgesehen. Während er diese erfolgreich deckte, wie jetzt zu sehen ist, bedrängte er deren Zwillingsschwester auf eine andere Art. Mit seinem Geweih hatte er die junge Elch-Kuh offenbar gegen eine Tür in der Nähe der Futterstele gedrückt und dabei so schwer verletzt, dass sie schließlich verendete.